Dan Harrington: „Um den Fortbestand von Poker zu sichern, müssen die Behörden Onlinepoker legalisieren“

Dan Harrington bei den Irish Open 2015

Dan Harrington ist eine lebende Pokerlegende. 1995 gewann er das WSOP Main Event und 2007 das WPT Legends of Poker. Zudem zählen seine Bücher „Harrington on Hold’em“ zu den meistverkauften Pokerbüchern aller Zeiten und galten lange Zeit als die Standardwerke im Turnierbereich. Wir baten “Action Dan“ bei den Irish Open zum Interview.

PZ: Du hast schon mehrfach an den Irish Open teilgenommen. Warum reist du immer wieder hier her?

DH: Meine Eltern wurden beide in Irland geboren. Meine Mutter kommt aus Waterford, und mein Vater aus der Gegend um Cork. Vor einigen Jahren wurde ich dann zu den Irish Open eingeladen, und seitdem komme ich immer wieder.

Mir gefällt es sehr gut und die Irish Open sind ein großartiges Event. Es macht einfach Spaß hier zu spielen und nebenher Dublin und Irland besser kennen zu lernen.

PZ: Du hast sowohl die alten Zeiten als auch die Ära nach dem Pokerboom mitgemacht. Wie hat sich Poker deiner Meinung nach verändert?

DH: Nach meinem Sieg beim WSOP Main Event habe ich es bis zum Pokerboom 2003 etwas ruhiger angehen lassen.

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Dan Harrington gewann bereits im Jahre 1995 das WSOP Main Event.

Ich habe beobachtet wie die anderen No-Limit Hold’em spielen und mir dann gedacht, da kann ich doch noch mithalten. Also habe ich mich zu einem Comeback entschlossen und hatte danach einige sehr erfolgreiche Jahre.

Ich habe ein Buch über diese Variante veröffentlicht, dass sich gut verkauft hat, und welches die Veränderung des Spiels darstellt.

Hold’em war in den 90er Jahren vom Aussterben bedroht, hat 2003 durch das Internet dann aber ein Revival erlebt, und ist jetzt auf seinem Höhepunkt angekommen.

Falls der Markt in den USA reguliert wird, könnte das zu einem neuen Pokerboom führen.

PZ: Warum wolltest du nach deinem größten Erfolg aufhören?

DH: Ich wollte etwas Sinnvolles aus dem Geld, das ich gewonnen habe, machen und es anderweitig investieren. Also habe ich mit einigen anderen eine Firma gegründet.

Sie hat sich gut entwickelt und wird mittlerweile sogar an der Wall Street gehandelt. Wir sind im Immobilienbereich tätig und bieten auch Investitionskredite und Brückenfinanzierung an.

Außerdem konnte man in den 90er Jahren nicht so viel Geld mit Poker verdienen. Das hat sich 2003 dann aber schlagartig geändert.

PZ: Du kommst ursprünglich aus dem Schach- und Backgammon-Bereich.

DH: Ja, das stimmt. Ich liebe Schach und habe während meiner Zeit am College viel gespielt. Danach habe ich mich mehr auf Backgammon konzentriert, und konnte auch ein Major-Turnier gewinnen.

dan harrington
12 Jahre später ließ er dann seinen ersten WPT-Titel folgen.

Anschließend habe ich mich wieder vollends dem Poker zugewandt und konnte einige Erfolge feiern.

Seitdem habe ich kein Schach mehr gespielt, da dieses Spiel sehr komplex ist und man sich ständig verbessern muss, um mit den Besten mithalten zu können.

PZ: Man sagt dir nach, dass du tiltresistent bist.

DH: Ich würde eher sagen, dass ich einen geringeren Tiltfaktor habe als andere, aber resistent gegen Tilt bin ich nicht.

Umso älter man wird, desto schwieriger wird es sich im Griff zu behalten. Der Grund dafür ist, dass es viel schwerer ist sich zu motivieren, gerade wenn man viel gewonnen hat.

Es bedeutet einem einfach nicht mehr so viel. Sportler schaffen es Jahr für Jahr erfolgreich zu sein, ich weiß nicht, wie sie das machen.

Wenn man erfolgreich ist, dann ist die Gefahr faul und genügsam zu werden sehr hoch, und ich persönlich tue mir schwer das zu überwinden.

PL: Kannst du dich an eine Situation erinnern in der dich jemand auf Tilt gebracht hat?

DH: Ich kann mich an Situationen erinnern, wo ich sehr deep in einem Turnier 4 zu 1 Favorit war und dennoch ausgeschieden bin. Da wäre ich wohl auf Tilt gewesen, aber das war nicht möglich, da ich dann nicht mehr im Turnier war und danach nicht weitergespielt habe.

Harrington on Hold'em
Dan ist der Autor eines der erfolgreichsten und einflussreichsten Pokerbücher aller Zeiten "Harrington on Hold'em".

Heute gab es hier eine sehr kontroverse Situation als Donnacha O’Dea vom Deutschen Andreas Gann auf üble Weise geslowrollt wurde, das hätte mich sehr wütend gemacht. Der Typ floppt die absoluten Nuts und wartet dann geschlagene drei Minuten bevor er callt.  

Vielleicht hat er seine Hand falsch gelesen, und dachte sie wäre offsuit. Zumindest bin ich mir sicher, dass er das sagen wird, wenn man ihn dazu befragt.


PZ: Wird es einen 4.
Teil von “Harrington on Hold’em” geben?

DH: Nein, das Projekt ist abgeschlossen. Ich habe sechs Bücher geschrieben, die sich alle sehr gut verkauft haben. Außerdem ist Poker auf dem Rückschritt und ich sehe daher keine Veranlassung zu einem weiteren Teil.

Die Verkaufszahlen der Pokerbücher zeigen sehr deutlich, dass der Pokermarkt in den meisten Ländern abnehmend ist. Um den Fortbestand von Poker zu sichern, müssen die Regulierungsbehörden Onlinepoker legalisieren.

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