Coole Pokerjobs (1) – die Masseurin

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8 Oktober 2013, Von: Christian Henkel
Geposted in: PokerZeit Blog
Coole Pokerjobs (1) – die Masseurin

Poker ist im professionellen Bereich Hochleistungsport. Nicht nur mental, sondern auch körperlich kommt der Spieler oftmals an seine Belastungsgrenze. Linderung der „Leiden“ bringen oftmals die gerade bei Live-Turnieren nicht mehr wegzudenkenden Poker-Masseurinnen. Eine Tätigkeit, die anstrengend, aber gut bezahlt ist.

EPT Prag 2011. Die indischstämmige Masseurin Jay Tiyana hängt geschlagene sieben Stunden über einem Spieler, knetet, drückt und bearbeitet ihn mit vollem Körpereinsatz so lange, bis der am Ende genug hat und zwei Hand voll tschechische Kronenscheine aus den Hosentaschen zieht und seine Rechnung bezahlt.

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Jay - "auf den Partner voll einlassen".

1,60 Euro die Minute, 96 Euro die Stunde macht bei sieben Stunden knapp 700 Euro. Ein Tagesverdienst, mit dem wohl 90 Prozent der Turnierteilnehmer recht glücklich wären. Und auch Jay ist zufrieden und mindestens genauso geschlaucht. Tauschen würde sie allerdings nicht.

„Es ist ein sehr angenehmer Lifestyle. Du arbeitest eine Woche im Monat körperlich sehr hart, hast aber selbst in dieser Zeit das Gefühl Teil einer verschworenen Gemeinschaft zu sein. Dafür wirst du sehr gut bezahlt und bekommst für deine Tätigkeit eine Menge Anerkennung. Wo anders hat man das schon?“

Jay Tiyana ist in London aufgewachsen und gehört mittlerweile zu den bekannten Gesichtern bei Turnieren der European Poker Tour. Sie arbeitet für die Firma „Thee Best Hands“, die mit PokerStars seit längeren bei deren Turnieren kooperiert. Die Masseurinnen von „Thee Best Hands“ sind anerkannter Teil des Wanderzirkus und mit vielen Pokerspielern, Dealern und Journalisten befreundet.

An Massagen war Jay schon als Kind interessiert, was bei einer aus Indien stammenden Familie allerdings auch nicht verwunderlich ist.

Nach ihrer klassischen Ausbildung hat sie in ihrer Wahlheimat London an vielen Orten gearbeitet: bei Ausstellungen, auf Musik-Konzerten und irgendwann auch in einem Casino.

Die dortigen Pokerspieler wussten ihre Massagen schnell zu schätzen und stellten den Kontakt zu Sookhee Hallberg, der Gründerin von „Thee Best Hands“ her.

Seitdem reist sie im Schnitt einmal im Monat für eine Woche durch Europa und ist nichts Anderes als Poker-Masseurin. Am Anfang der Saison weiß sie, dass sie auf allen  EPTs, außer der in Deauville (in Frankreich dürfen in Casinos keine Massagen gegeben werden) arbeiten kann.

Zwischendurch gibt es dann auch immer Angebote von Regional-Serien, wie zum Beispiel der UIKPT.

„Das macht man auch gern, wenn man Zeit hat.“ Dabei bewohnen die Mädchen immer dasselbe Appartement und sind auch ansonsten, so Jay „ein verschworener Haufen.“

Von dem was da vor ihnen am Tisch passiert, verstehen die Wenigsten der Poker-Masseurinnen etwas. Trotz der vielen Informationen haben es bisher kaum Masseurinnen zu einer Poker-Karriere gebracht.

Für Jay ist das kein Problem. Intime Kenntnis der Spezifika eines Pokerturniers ist für jede Masseurin dennoch existentieller Bestandteil ihrer Tätigkeit.

„Es ist in diesem Beruf wirklich extrem wichtig die Besonderheiten an einem Pokertisch zu respektieren. Wir sprechen den Spieler nie an, wenn er sich in einer Hand befindet. Dann solltest du als Person fast verschwinden.

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Verschworener Haufen "Thee best Hands".

Normalerweise rufen sie uns oder eine so genannte „List-Sister“ macht einen Termin klar.

Doch selbst wenn sie uns gerufen haben, warten wir bis sie eine Hand fertig gespielt haben.

Und auch wenn die Massage vorbei ist, ist sie – auch wenn es zum Beispiel zehn Minuten über das Limit geht – erst dann vorbei, wenn die Hand fertig gespielt ist.“

Bei einem Pokerspieler, so Jay werden gute Masseurinnen immer erkennen an welchem Mangel er gerade leidet. „Manche sind körperlich nach vielen Stunden ausgelaugt, manche haben die Nacht zuvor hart gefeiert und andere sind mental aus anderen Gründen nicht bei der Sache.

Das kann man erspüren und seine Massage darauf einstellen. In der Beziehung hat die Poker-Masseurin sogar einen gewissen Einfluss auf die Spielqualität ihres Klienten.“

Der Lohn ist dann das Trinkgeld, welches bei Pokerspielern schon mal recht üppig ausfallen kann. Dennoch, so Jay Tiyana sollte das für eine Masseurin ebenso wenig eine große Rolle spielen, wie eventuelle Aufstiegschance.  

„Alle Menschen, die beruflich so eng mit dem gesundheitlichen Wohlergehen der Menschen zu tun haben, sollten nicht so sehr in der Zukunft leben, nicht zu starke andere Ambitionen haben, als sich auf den jeweiligen Partner in der jeweiligen Position voll einzulassen.“


Coole Pokerjobs – die Serie

Teil 1 – Masseurin

Teil 2 – Dealer/in

Teil 3 – Coach

Teil 4 – Blogger

Teil 5 – Ernährungsberater

Teil 6 – Pokerroom-Manager

Teil 7 - Journalist

Teil 8 - TV-Moderator

Teil 9 - Pokeragent

Teil 10 - Floorman

Teil 11 - Consultant

Teil 12 - Fotograf

Teil 13 - Turnierleiter

Teil 14 - Video-Presenter

Teil 15 - Livestream-Kommentator

 

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