Claudio Pagano – Ein Pionier und Gentleman

Claudio Pagano

Claudio Pagano ist einer der einflussreichsten Männer in der italienischen Pokerszene. Zusammen mit seinen Söhnen Luca und Nicola gründete er Pagano Events, die unter anderem die EPT und die IPT San Remo organisieren. Außerdem hat Claudio schon Poker und Backgammon gespielt, bevor Phil Hellmuth überhaupt geboren war. Wir haben uns mit ihm über die italienischen Casinos, die Wirtschaftskrise und seinen persönlichen Favoriten unterhalten.

PZ: Du hast schon Pokerturniere organisiert lange bevor es die EPT überhaupt gab. Wie bist du zum größten Turnierveranstalter Italiens geworden?

CP: Wir haben 1996 damit begonnen Poker-Kreuzfahrten im Mittelmeer zu organisieren und haben das fünf Jahre lang gemacht.

Dadurch haben wir uns in der Szene etabliert und als die EPT nach Italien kam war es naheliegend, dass sich PokerStars an uns wendet.

PZ: Hast du wirklich professionell Backgammon gespielt?

CP: Ja, das habe ich. Ich bin sogar jedes Jahr nach Monaco gefahren, um die Weltmeisterschaft zu spielen. Zu Beginn der 90er Jahre habe ich dann auch meine Söhne mitgenommen und Luca einen Platz in einem dieser Turniere gesichert.

PZ: Er kann damals doch noch nicht älter als 13 gewesen sein, oder?

CP: Er war 12 und selbstverständlich war es illegal unter 18 Jahren an den Turnieren teilzunehmen, aber mit ein bisschen Verhandlungsgeschick und einem großzügigen Trinkgeld haben sie ihn dann mitmachen lassen.

Sie dachten er würde sowieso gleich wieder ausscheiden, doch am Ende wurde er bei 200 Teilnehmern Vierter.

Einige Jahre später stieg er dann auf Poker um. Damals gab es noch keine Möglichkeit in Italien Poker zu spielen, deshalb fingen wir im slowenischen Casino Nova Gorica, das nahe der italienischen Grenze liegt, mit dem Pokerspielen an. Unsere ganze Familie, einschließlich meiner Frau, spielte damals schon.

Wenig später bat mir ein Casinoangestellter an eine Pokerkreuzfahrt zu organisieren. Ich stimmte zu und wir veranstalteten vier Kreuzfahrten pro Jahr und zwar von Venedig nach Griechenland.

Dann bat uns das Casino San Remo für sie ein Turnier zu organisieren und der Rest ist Geschichte.

In der Folgezeit gelang es uns im Jahre 2009 die EPT San Remo zum größten Main Event der Geschichte bei den regulären Stopps (die PCA Bahamas und das EPT Grand Final zählen nicht dazu) zu machen und dieser Rekord hat bis heute Bestand.

In den letzten Jahren haben wir aber mit schwindenden Teilnehmerzahlen zu kämpfen und einer der Gründe dafür ist das Casino selbst.

So haben sie sich beispielsweise jahrelang dagegen gewehrt Cash Game Tische mit kleineren Blinds als €2/€5 anzubieten. Zwar haben sie uns dies im Vorfeld immer zugesagt, es dann aber einfach nicht gemacht. Was soll ich dagegen tun? Zu meinem Anwalt gehen?

Einmal kamen wir nach San Remo und das Casinopersonal streikte. Kannst du dir das vorstellen? Wir bringen das größte Turnier Italiens und sehr viel Geld ins Casino und die streiken einfach?

Deshalb möchte ich die Sache mit den Cash Games jetzt selber in die Hand nehmen.

Pagano Events
Pagano Events wurde von Claudio 1996 gegründet.

PZ: Bist du sicher, dass ihr mit diesem Casino weiterhin zusammenarbeiten möchtet?

CP: Nun ja, der Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Wir werden darüber diskutieren, ob es Sinn macht gemeinsam weiterzumachen. Dies wird allerdings nur dann passieren, wenn es Regeln und Aufgabenbereiche gibt, die von beiden Seiten eingehalten werden.

Andererseits ist San Remo eines der schönsten Casinos in Europa. Es wäre schon traurig wenn wir woanders hingehen müssen, aber ehrlich gesagt kommt es auch auf das Geld an.

PZ: Würdest du dir einen anderen Austragungsort für die EPT San Remo wünschen?

CP: Der perfekte Austragungsort ware meiner Meinung nach das Casino della Vallee in Saint Vincent. Dort gibt es zahlreiche erstklassige Hotels und im Casino steht genügend Platz zur Verfügung.

PZ: Dafür gibt es wohl auch noch andere Gründe, oder?

CP: Ja. Eines unserer größten Probleme ist die wirtschaftliche Situation in Italien. Wir stecken tief in der Krise und das macht sich natürlich auch in der Pokerszene bemerkbar.

Außerdem ist Poker, nach wie vor, illegal in Italien. Es gibt gerade mal vier Casinos und die befinden sich allesamt im Norden, da der Süden von der Mafia kontrolliert wird.

Darüber hinaus gibt es 600-700 illegale Pokerclubs in Italien, die aber von der Polizei geduldet werden.

Schon seit Jahren gibt es zudem Pläne in Taormina, Sizilien ein Casino zu errichten. Ich bin der Meinung, dass wird niemals passieren. In dieser Region lässt sich ein solches Projekt nicht ohne die Zustimmung der Mafia realisieren.

PZ: Gibt es auch positive Aspekte bezüglich Poker in Italien?

CP: Sebstverständlich, wir waren immer sehr kreativ und versuchen optimistisch zu bleiben. So haben wir nicht nur den offiziellen EPT-Pokertisch entwickelt, sondern auch ein Accumulator-Konzept. Zudem verwendeten wir eine Software, die innerhalb von Sekunden in der Lage ist die Namen der soeben ausgeschiedenen Spieler anzuzeigen.

Luca Pagano
Seinen Sohn Luca sieht man zurzeit eher selten.

PokerStars möchte diese Software nun nicht mehr verwenden, was wir respektieren müssen und keinerlei Einfluss auf unsere freundschafliche Beziehung hat.

Sie haben uns bereits einen neuen Vertrag angeboten, der eine Laufzeit von drei bis fünf Jahren hat.

PZ: Dein Sohn Luca war über viele Jahre ein Regular auf der Tour nun sieht man ihn kaum noch. Wo ist er?

CP: Er hat sich eine kleine Auszeit vom Pokern genommen, aber ich weiß, dass er jetzt gerne hier wäre.

Leider ist er eingebunden, da er eine Art italienische „Big Brother Pokershow“ namens „House of Bluff“ kommentiert und diese in Marokko aufgezeichnet wird, deshalb muss er dort sein. Ich kann dir aber sagen, dass er richtig wütend darüber ist, dass er hier nicht mitspielen kann.

PZ: Auf wen würdest du dein Geld setzen, wenn du müsstest?

CP: Ich würde auf Luca setzen, aber er ist ja nicht hier, deswegen setze ich auf Andrea Dato. Er ist einer unserer größten Hoffnungen für die Zukunft.

 

Zu guter Letzt stellen die Paganos ihr Unternehmen noch selbst vor:

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