„Mein Spiel ist gut, es fehlen die Ergebnisse“

Chris Moneymaker

Chris Moneymaker über Coaching, die Zukunft von Full Tilt, die deutschen Spieler und seine neue Rolle bei den Hollywood Poker Open.

Wir sprachen mit Chris Moneymaker am Rande der EPT in London.

PZ: Letztes Jahr bei der EPT San Remo hast du von deinem neuen Coach erzählt. Wie hat sich diese Geschichte weiterentwickelt?

CM: Ich rede heute mehr mit ihm als je zuvor. Erst vor ein paar Tagen sprachen wir fünf Stunden lang über Strategie.

Ich bin derzeit mit meinem Spiel sehr zufrieden. Das einzige, was fehlt, sind ein paar entsprechende Ergebnisse.

In Coin Flip oder ähnlichen Situationen habe ich in letzter Zeit nicht viel Glück gehabt. Ich versuche, endlich mal wieder richtig deep in ein Turnier zu kommen.

Diskussionen helfen mir immer, unabhängig davon, ob ich mit meinem Coach spreche oder mit jemandem, den ich selbst betreue.

PZ: Du bist also auch selbst Coach?

CM: Ja.

PZ: Wie kann ich dich buchen?

CM: Ich mache keine privaten Coachings, weil das eine wirklich knallharte Sache ist, die mir viel Kopfschmerzen bereiten würde.

Dafür habe ich schon mehrfach mit am WPT Boot Camp gearbeitet, wo wir die Spieler in Gruppen betreuen.

PZ: Würdest du jedem empfehlen, sich einen Coach zu nehmen. Ist ja nicht ganz billig, und man muss Kosten und Nutzen gegeneinander aufrechnen.

moneymaker montreal
Moneymaker in Montreal - "kein Interessenskonflikt".

CM: Ein Hobbyspieler ist besser damit beraten, zu einer Coaching-Webseite zu gehen, wo man Tipps bekommt und Trainingsvideos zur Verfügung hat.

Wer aber vorhat, auf professioneller Ebene zu spielen und damit Geld zu verdienen, der sollte auch wleches investieren. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Ich kenne Spieler, die sich seit 15 Jahren nicht verbessert haben, und der Grund dafür ist, dass sie es nicht wirklich versuchen.

Coaching ist erst in den letzten jahren wichtig geworden. Davor hielt es niemand für notwendig, aber dann begann das Spiel, sich zu verändern. Coaching hilft dabei, sich anzupassen.

In den Boot Camps zeigen wir einen oder anderthalb Tage lang Seminare ab, in denen wir die Spieler durch ein ganzes Turnier bzw. die Strategie führen.

Danach gehen wir in die Praxis und spielen direkt gegen die Teilnehmer. Dann werden die Hände und Spielzüge analysiert und korrigiert.

Vor ein paar Jahren war das Hauptthema dabei, wie man in einem Turnier überlebt, wann man sich verteidigen muss und wie man in Position spielt.

Zu dieser Zeit hieß es noch „tight is right“ , und dadurch spielten alle so ziemlich den gleichen Stil.

Dann senkte sich der Standard-Pre-Flop Raise langsam von 3x auf 2,5x und dann auf 2x, während gleichzeitig die Range der Hände, mit denen Spieler noch verteidigten oder bezahlten wuchs.

Chris Moneymaker
"Coaching ist erst in den letzten Jahren wichtig geworden."

Auch die stärkere Verbreitung des LAG-Stils gegenüber dem TAG-Stil hat sich auf das Coaching ausgewirkt.

Also unterrichten wir heute ganz anders. Jetzt geht es darum, wie man früh Chips aufbaut und wie man sich in eine Position bringt, aus der man ein Turnier tatsächlich gewinnen kann.

PZ: Bist du ein Freund des niedrigen 2x-Raise? Lädt er nicht zu viele Caller ein?

CM: Die Idee besteht darin, möglichst billig zum Flop zu kommen. Wenn ich an einem Tisch sitze, wo einen Min-Raise immer vier oder fnf Spieler callen, dann erhöhe ich meinen Pre-Flop Raise auf 2,5 oder auch 2.

Der Pre-Flop-Raise ist immer davon abhängig, mit wem man am Tisch sitzt.

PZ: Ist es nicht ein Interessenskonflikt für einen PokerStars-Spieler, für die WPT zu arbeiten?

CM: Nein. Die WPT ist nicht wirklich ein Konkurrent, und sie ist auch kein konkurrierender Pokerraum. Es wäre etwas Anderes, z. B. für PartyPoker zu arbeiten.

PZ: Du warst gerade erst beim Pokerfestival in Montreal. Das war ein Event von Full Tilt.

CM: Ja. Es war seltsam, zum ersten Mal eine Mütze mit Full Tilt Label zu tragen. Ich war aber immer noch mit PokerStars-Label unterwegs.

Jetzt, da beide Firmen unter einem Dach arbeiten, ist es kein Sakrileg mehr, auf Full Tilt zu spielen, wie das früher der Fall war.

Ich hatte schon sehr früh einen Account, den ich dann nicht mehr beuntzen durfte, als ich bei PokerStars unter Vertrag kam.

Sieben Jahre habe ich nicht bei Full Tilt gespielt, weil ich es nicht durfte. Dann eröffnete ich ein neues Konto. Das alte hatte ich komplett vergessen.

Dann rief mich der Support an und sagte „he, du hast zwei Accounts“.

PZ: Haben Sie dich des Multi-Accountings beschuldigt?

CM: So schlimm war es nicht. Es war ja nur ein Versehen, und ich hatte den anderen Account so lange nicht benutzt. Keine große Sache.

wpt boot camp
WPT Bootcamp in Puerto Rico.

PZ: Beim Full Tilt Event in Galway haben wir auch PokerStars-Spieler getroffen. Ist das ein neuer Trend?

CM: Ich wurde gebeten, nach Montreal zu fahren. Man versucht, die Full Tilt Events durch die Team Pros von PokerStars ein bisschen interessanter zu machen. Inzwischen zahlt sich das langsam aus.

PZ: Geht es Full Tilt schlecht?

CM: Ich würde nicht sagen, dass es ihnen schlecht geht. Sie sind noch immer einer der größten Anbieter im Netz, aber die Action auf PokerStars ist so gut, dass es die Cash Games auf Full Tilt kaputt macht.

Bei den Turnieren liegt die Sache anders. Full Tilt hat viele verschiedene zu allen möglichen Uhrzeiten und ist damit ziemlich vielseitig.

Auf lange Sicht wäre ich aber nicht überrascht, wenn Full Tilt weiterverkauft wird.

PZ: Wer könnte denn ein potenzieller Kunde sein? Ein anderer Onlinepoker-Anbieter?

CM: Nein, eher eine große Casinokette wie Caesars. Jedes große Casino, das genug Geld hat, um die 950 Millionen Dollar, oder wie viel es dann auch immer wird, zu bezahlen, kommt in Frage.

Ich persönlich halte die Idee von PokerStars, Full Tilt aufzukaufen, für einen brillanten Schachzug. Die von PokerStars haben zwar manchmal Glück, aber sie treffen auch die richtigen Entscheidungen.

PZ: Beim WCOOP Main Event gab es einen deutschen Dreifachsieg, hier beim Super High Roller auch, und die Deutschen liegen an der Spitze des GPI.

CM: Es ist irre. Gute Spieler hatten sie ja schon immer, aber in letzter Zeit erzielen sie wirklich unglaubliche Ergebnisse.

Bestimmt arbeiten sie besonders hart an ihrem Spiel und verfügen über ein besonders ausgeprägtes Grundwissen, aber sollte dennoch keine generellen Aussagen treffen.

Kein Spieler ist gut, nur weil er aus Deutschland kommt, so wie nicht jeder verrückt ist, weil er Brasilianer ist. Man muss jeden individuell beurteilen.

Moneymaker father
Familienmensch Moneymaker - Spenden für die Autismusforschung.

PZ: Du hast ein Herz für den guten Zweck. Wen unterstützt du und warum?

CM: Ich rede nicht gern darüber, weil ich nicht damit angeben will, aber ich unterstütze wohltätige Organisationen schon seit Jahren.

Ich helfe zum Beispiel der „Humane Society“, die sich um Tiere kümmert, und dann helfe ich auch noch ein paar kleineren lokalen Institutionen.

Ich möchte die Stadt, in der ich leben, auch so gut wie möglich unterstützen.

Meine älteste Tochter hat einen leichten Autisms, also gebe ich auch für die Autismusforschung. Ich rede deshalb nicht gerne darüber, weil das die Sache abwertet.

Man sollte Gutes einfach tun und nicht groß darüber reden.

PZ: Warst du schon immer eine so sozial eingestellte Person?

CM: Nein, natürlich nicht. Zunächst war ich früher sehr introvertiert. Ich habe mich nur um mich selbst gekümmert. Außerdem war ich finanziell gar nicht in der Lage dazu, zu spenden.

Was dann bei der World Series passierte, hat alles geändert. Ich habe viel Glück in meinem Leben gehabt, und da ich nun flexibler bin, helfe ich gern.

PZ: Wohin geht’s als nächstes?

CM: Nach Hause. Ich bin schon seit einem Monat unterwegs.

Später in diesem Jahr fahre ich zum WPT Battle in Puerto Rico, wo unter Anderen die Teilnehmer des Boot Camps spielen wereden.

Außerdem habe ich erst gestern einen Vertrag unterschrieben, mit dem ich als Repräsentant der Hollywood Poker Open Serie verpflichtet wurde.

Ich bin also das neue Gesicht der HPO, und deshalb werde ich zu allen Casinos reisen, in denen die Tour Station macht.

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Germanwolf 2013-10-07 03:16:33

Eine sehr interessante Aussage zu FullTilt. Wieviel weiß Chris? Und Sinn würde es ja machen, denn unter PokerStars geht FullTilt auf lange Sicht gesehen den Bach runter. Mal abwarten................