Christopher Frank: „Es ist eine absolute Frechheit, was PokerStars abzieht“

Christopher Frank im Interview

Christopher Frank ist gerade mal 20 Jahre alt, aber hat pokertechnisch live und online schon sehr viel erreicht. Vor kurzem gewann er die WPT Wien für €77.000. Außerdem ist er dafür bekannt kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Im Interview bei der Poker EM in Baden sprach er Klartext, was er von der Rakeerhöhung auf PokerStars hält, und spricht damit wohl vielen Pokerspielern aus der Seele.

PZ: Zunächst einmal danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Zum Einstieg würde ich gerne wissen, wann und wie bist du das erste Mal mit Poker in Kontakt gekommen bist?

CF: Das war im Alter von elf Jahren, als Poker zum ersten Mal im Fernsehen lief, und Freunde von mir angefangen haben zu spielen.

PZ: Sind MTTs dein Main Game oder spielst du auch andere Varianten und wie sieht es mit Cash Games aus?

CF: Ich spiele hauptsächlich MTTs und ein bisschen PLO Cash Game.

PZ: Manche handeln dich aufgrund deines jungen Alters bereits als Wunderkind. Wie gehst du damit um und setzt dich das unter Druck oder lässt es dich kalt?

CF: Ich finde das eher lustig, aber ich mach mir da nicht wirklich Druck. Ich habe halt auch schon sehr früh angefangen und spiele deshalb länger als viele andere. Es ist auch nicht so, dass ich einfach angefangen habe und gleich mega gut war.

PZ: Bei der WPT Wien lief es sehr gut für dich und du konntest am Ende sogar gewinnen. Kannst du das Turnier noch einmal kurz aus deiner Sicht Revue passieren lassen?

CF: Ich habe solide gespielt, ein paar Bluffs gemacht, die fast alle durchgegangen sind, bin sehr gut gerunt und habe im Late Game ziemlich viele Schenkungen erhalten.

PZ: Was meinst du mit Schenkungen?

CF: Damit meine ich, dass einige meiner Gegnern ihre Hände nicht optimal gegen mich gespielt haben und ich in diesen Situationen häufig stark war und davon profitieren konnte.

Das Siegerbild der WPT Wien 2014
Christopher Frank nach seinem Sieg bei der WPT National Wien 2014.

PZ: War das für dich der größte Erfolg deiner Karriere oder wo würdest du ihn persönlich einordnen? Falls nicht, was war dein persönliches Karrierehighlight?

CF: Mein persönliches Highlight war der Final Table bei der EPT in London. Generell versuche ich aber eher Geld reinzugrinden, um nicht so auf die großen Turniere angewiesen zu sein.

Die Varianz ist sehr groß und manche warten seit Jahren auf den Gewinn eines Major-Turnieres, andere gewinnen dagegen die ganze Zeit große Turniere und das hat auch viel mit Glück zu tun.

Ich denke, es ist wichtig ein gutes Bankrollmanagement zu haben und viel zu grinden, damit man nicht auf ein gutes Ergebnis in den teuren Events angewiesen ist.

PZ: Im Heads-Up hattest du es mit einem der erfolgreichsten deutschen Onlinespieler Gereon huiiiiiiiiii Sowa zu tun. Was ging dir vor Beginn des Heads-Ups durch den Kopf und geht man das dann anders an als sonst?

CF: Ich halte Gereon für einen guten Spieler und deshalb habe ich mir überlegt, wie er wohl Heads-Up spielen wird. Anschließend hab ich mir eine Gegenstrategie zurechtgelegt, die ich dann konsequent gefahren bin.

PZ: Was machst du eigentlich, wenn du gerade mal nicht Poker spielst?

Ich esse und reise sehr gerne und nebenher mache ich ein bisschen Sport.

PZ: Du bist gerade mal 20 Jahre alt und schon sehr erfolgreich, woher nimmst du jetzt neue Motivation und was sind deine Pläne und Ziele für die Zukunft?

CF: Ich denke, dass Poker bald tot ist und ich probiere noch so viel wie möglich rauszuschlagen – oder sagen wir nicht, dass es tot ist, aber es wird auf jeden Fall immer schwieriger mit Poker seinen Lebensunterhalt zu verdienen und nicht für immer da sein. Deshalb versuche ich davon zu profitieren so lange es geht. Außerdem macht mir das Spiel auch immer noch sehr viel Spaß.

Christopher Frank Poker EM Baden 2014
"Es ist eine absolute Frechheit, was PokerStars da abzieht", sagt Onlinegrinder Christopher Frank.

PZ: Wie kommst du zu dieser Einsicht?

CF: Die Games werden immer tougher, die Leute werden besser und es gibt super viele Coachingseiten. Es wird online von Jahr zu Jahr schwerer Geld zu machen. Ich denke, dass es ziemlicher Luxus ist, dass man mit Poker Geld verdienen kann und das will ich noch ausnutzen, weil man in fünf Jahren wohl nicht mal mehr ansatzweise so viel Geld machen kann wie jetzt.

Dann will ich noch sagen, dass es eine absolute Frechheit ist was Pokerstars im Moment abzieht und sie ihre Monopolstellung total missbrauchen. Ich denke, dass langfristig viele der aktuellen Änderungen schlecht überlegt sind und ihnen am Ende selbst schaden werden.

PZ: Kannst du das etwas genauer präzisieren?

CF: Pokerstars macht Sachen wie den Rake in den Heads-Up Games zu erhöhen. Dadurch wird es nahezu unmöglich Tische zu starten und das ist sehr schlecht für die Pokerökonomie.

Seit Jahren steigt die Zahl der Turbo MTTs, die denselben Rake haben wie normale MTTs, immer weiter an. Darüber hinaus haben sie den Rake bei den Hyper Turbos erhöht und in vielen Ländern nehmen sie sogar auf Rebuys Rake. Solche Änderungen sind langfristig schlecht für Poker.

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