Als Christ neigt man dazu, optimistisch zu sein

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Nachdenklicher High Roller - Christoph Vogelsang.

Christoph Vogelsang über High Roller, Religion und Staking für Fortgeschrittene.

Du hast vor dem One Drop und in 2013 viel Online High Stakes gespielt. Danach bist du aber verschwunden.

Seit dem One Drop hab ich nicht mehr online gespielt. Ich hab die Zeit genutzt um zu reflektieren und Urlaub zu machen. Ich hab vor allem darüber nachgedacht, ob ich noch weiterhin Poker spielen möchte oder ob ich bald was anderes machen möchte.

Aber jetzt bist du hier bei der EPT London.

Ich wohne hier und wo jetzt hier diese Turniere sind, da spiele ich mal wieder mit. Ich wollte auch gerne ein paar Freunde sehen.

Seit wann bist du in England?

Ich bin zum Studium nach England gekommen. Vorher hab ich in Deutschland studiert. Als ich nach London kam, hatte ich noch kein Online-Poker gespielt.

Du hast ja einen rasanten Aufstieg erlebt. 2010 noch mit $10 gestartet und vier Jahre später spielst du das teuerste Pokerturnier aller Zeiten?

Ich hab am Anfang einfach unglaublich viel Glück gehabt. In den ersten Wochen und Monaten war mir nicht bewusst wie groß eigentlich die typischen Schwankungen im Poker sind.

Ich wäre wohl nicht zum Online-Poker gekommen, wenn ich nicht in den ersten Monaten so viel Glück gehabt hätte.

Denn mein Studium hat mir immer Spaß gemacht, und ich hatte nicht den Plan Poker zu einer Karriere zu machen.

Ich hatte sicherlich mehr Glück als 99% aller Pokerspieler in meiner Anfangszeit. Ich habe ein paar mal $10 eingezahlt, und nach vier Wochen hab ich dann schon NL5k Cash Game gespielt.

Um besser zu werden, hab ich mich viel mit Freunden über Poker ausgetauscht. Das motiviert, sich mit Theorie zu beschäftigen und hilft, die eigenen Fehler zu erkennen.

Du hast beim One Drop mitgespielt – dem Turnier mit dem höchsten Buy-in weltweit. Es heißt, dass der Druck auf die Pros in solchen Mega High Rollern wächst und es für reiche Amateure leichter wird, sie aus der Comfort Zone zu bringen.

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Vogelsang - "Man macht einfach Fehler."

Das One Drop ist sicher ein besonderes Turnier. Aber die meisten Profis haben nicht mehr dafür ausgegeben als für andere High Buy-in Turniere.

Viele haben 75 – 90% ihrer Action mit Markup verkauft, sodass sie nur zwischen 3 und 20% des Einsatzes selbst finanziert haben. Das habe ich auch gemacht.

Die Geschäftsleute hingegen haben ihren Einsatz vollständig selbst finanziert.

Daher denke ich, dass die Profis im Vergleich zu anderen Turnieren keinen psychologischen Nachteil gegenüber den Geschäftsleuten gehabt haben.

Ich überlege mir immer recht konservativ wieviel Geld ich in einem Spiel einsetzen kann.

Und dadurch bin ich dann im Spiel auch nicht emotional. Was man in einer bestimmten Situation machen sollte, wird durch die Karten und die Spielweise des Gegners beeinflusst.

Die Höhe des Buy-ins spielt keine so große Rolle. Der höhere Buy-in bedeutet nur, dass man durchschnittlich auf stärkere Gegner trifft.

Grundsätzlich ist es wichtig, dass man sich erlaubt Fehler zu machen. Manchmal gehen Dinge schief, und das ist auch ok so. Man macht einfach nicht immer alles richtig.

Mir hilft in dieser Hinsicht auch mein christlicher Glaube. Ich weiß, dass es wichtigere Dinge in meinem Leben gibt als meine Pokerkarriere.

Das heißt nicht, dass ich nicht meine Ziele mit vollem Einsatz verfolge. Es heißt eher, dass ich mutig sein kann und konstruktiv mit Rückschlagen umgehen kann.

Es ist oft nicht so einfach zu verstehen wofür Enttäuschungen oder Niederlagen wertvoll sein können.

Aber ich vertraue auf Gott und versuche in Rückschlägen immer das Positive zu sehen.

Als Christ neigt man dazu optimistisch zu sein, und das ist im Poker sicherlich sehr hilfreich.

War das One Drop der Höhepunkt deiner Poker-Karriere?

Das One Drop hat Spaß gemacht. Ich spiele gerne Poker, und es macht umso mehr Spaß, wenn man auf einer großen Bühne spielt.

Ich werde seitdem auch deutlich mehr von Leuten auf Poker angesprochen.

Andererseits halte ich mich jetzt nicht für einen besseren Spieler als vor dem Turnier. Das One Drop hatte ein kleines Teilnehmerfeld.

Wenn man jetzt erster, Zweiter oder Dritter wird, weiß man trotzdem nicht, ob man gut war oder Glück gehabt hat.

Langfristige Online-Erfolge sind da wesentlich aussagekräftiger. Pokerturniere machen mir Spaß, aber ich betrachte sie nicht ergebnisorientiert.

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Sebastian Bredthauer - Manchmal ist dem Staker und dem Stakee geholfen.

Schön war am One Drop, dass es so viele Pokerfreunde gab, die bereit waren in mich zu investieren. Wenn auch andere Leute profitieren, macht es umso mehr Spaß zu gewinnen.

Du scheinst einen sehr analytischen Ansatz zu haben. Gerät man auf den Nosebleed Limits nicht auch in schwere Gewässer, die von ihren Untiefen gar nicht richtig auszuloten sind?

Es ist menschlich sich beim Pokern eher zu überschätzen. Daher sollte man sich sehr genau die eigenen Ergebnisse anschauen.

Ich habe seit 2010 Poker auf vielen verschiedenen Stakes gespielt. Im Cash Game habe ich dabei meistens mehr als 100 Buy-ins für das jeweilige Limit gehabt.

Als ich in den sehr hohen Partien mit MalACEsia auf Full Tilt gespielt hab, habe ich Anteile verkauft.

Beim Grand Final in Monte Carlo hast du mit dem Online-Qualifikanten und Überraschungsfinalisten Sebastian Bredthauer darüber gesprochen, Anteile seiner Action abzukaufen.

Es war eine sehr spontane Idee. Manchmal ist mit solchen Deals dem Staker und dem Stakee geholfen.

Zu dem Zeitpunkt hatten seine Chips einen Erwartungswert von vielleicht €180,000, aber es waren ihm nur etwa €50,000 sicher.

Daher hätte ich ihm einen festen Betrag von zum Beispiel €160,000 geben können. Wenn er nur €50,000 gewinnt, mache ich damit einen Verlust.

Wenn er aber das Turnier gewinnt und €1,000,000 bekommt, hätte ich einen Gewinn gemacht. Somit hätte ich dann das Risiko getragen.

Solche Deals können oft Sinn machen, wenn man am Final Table um ein Vielfaches seiner Bankroll spielt.

Vor allem beim WSOP Main Event Final Table ist das eine gute Entscheidung für viele Spieler. Der volkswirtschaftliche Gedanke dahinter ist, dass Geld einen abnehmenden Grenznutzen hat.

Daher ist es besser einen mittelhohen Betrag sicher zu bekommen als mit bestimmten Wahrscheinlichkeiten einen niedrigen oder hohen Betrag.

Es ist aber auch völlig ok, dass das nichts geworden ist. Bei solchen Deals stellt man ähnliche Überlegungen an wie im Finanzbereich.

Rick Salomon und Christoph Vogelsang am Final Table des Big One for One Drop
Vogelsang am Finaltisch des One Drop.

Man kann dadurch mehr Nutzen schaffen, dass das Risiko besser verteilt wird.

Scheint so als wärest du ein geborener Pokerspieler…

Es macht mir Spaß, Poker zu spielen, und ich bin dankbar, dass ich damit auch Geld verdienen kann. Pokern ist eine tolle intellektuelle Herausforderung.

Aber ich möchte in der Zukunft auch einen anderen Beruf als Poker haben.

Würdest du das Reisen vermissen?

Ich bin eigentlich an jedem Ort glücklich. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und hatte eine wunderbare Kindheit ohne viel zu reisen.

Ich würde das Reisen nicht genießen, wenn ich ununterbrochen auf dem Poker Circuit unterwegs wäre.

Denn dann wäre es schwierig meine Freundin, meine Freunde und meine Familie regelmäßig zu sehen. Wenn ich seltener reise, genieße ich es mehr.

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