Der Check-Raise II

player 24166

Im ersten Teil dieses Doppelartikels besprachen wir den Check-Raise mit der besten Hand und erläuterten, warum das kein guter Spielzug ist. In folgenden Abschnitt beschäftigen wir uns nun mit dem Check-Raise als Bluff und als Spielzug im Limit Hold’em.

Für profitables Poker ist das Tischimage live noch wichtiger als online.

Der Check-Raise kann das Tischimage beeinflussen -  er verändert die Sichtweise der Gegner. Gemeinhin sehen Spieler den Check-Raise als feindseliges Manöver an. Er lässt uns trickreich, stark, aggressiv und gefährlich aussehen.

Ein solches Tischimage ist nicht unbedingt hilfreich. Je mehr Spaß die Spieler am Tisch haben, desto mehr Geld sind sie bereit auszugeben.

Wenn der Check-Raise nur eine von mehreren Möglichkeiten ist, und nicht einmal unbedingt der beste Spielzug, sollte man eine weniger aggressive Spielweise wählen, um das eigene Image nicht zu verderben.


victoria coren 25242
Die entscheidende Frage: Ist es profitabel?

Der Check-Raise als Bluff

Es gibt drei verschiedene Typen von Bluffs, die wir hier besprechen müssen. Der erste ist der „Naked Bluff“, der reine Bluff. Bei diesem hat man absolut gar nichts auf der Hand, kein Paar, keinen Draw und keine Gewinnmöglichkeit, außer den Gegner zum Fold zu zwingen.

Da der Check-Raise soviel Stärke zeigt (siehe dazu auch Teil 1), kann ein Check-Raise als Bluff durchaus erfolgreich sein. Wobei „erfolgreich“ hier auf das Verhältnis von Calls zu Folds abzielt, das wir durch unser Spiel erzielt haben.

Leider ist dieses Verhältnis für uns Pokerspieler nur von bedingter Bedeutung. Was wir vor allem wissen müssen ist, ob unser Spielzug Erfolg verspricht. Der Einfachheit halber siedeln wir unsere Beispiele hier im Heads-up Play an.

Wenn wir den Flop checken, hat unser Gegner zwei Möglichkeiten – welche davon er nutzt, hat für uns dramatische Konsequenzen. Nehmen wir an, der Gegner setzt. Dank dieser Bet können wir nun unseren Check-Raise Bluff anbringen.

Nach diesem Raise hat unser Gegner plötzlich drei Optionen. Foldet er, gewinnen wir seine Bet, wenn er re-raist verlieren wir unsere (also vermutlich das Dreifache seiner Bet). Bei einem Call gehen kommen wir zum Turn, unsere Optionen hängen dann von der neuen Situation ab.

Sollte nach unserem Check auf dem Flop der Gegner aber hinterherchecken, sehen wir auf dem Turn schon schwächer aus. Ein Bluff könnte dort viel schwieriger sein, denn der Gegner wird annehmen, dass wir mit wenigsten Top Paar sicher den Flop gesetzt hätten.


dario minieri 25213
Wenn unser Gegner auf dem Flop hinterhercheckt, sehen wir auf dem Turn oft schwach aus.

Nur eine Scare Card kann uns jetzt noch eine gute Situation für einen Bluff schaffen. Erscheint eine solche Scare Card, wird ein einfacher Steal möglich (siehe dazu auch den Artikel zu Floatern).

Bis hierher scheint der Checkraise eher eine Verlustgeschichte zu sein, vor allem, wenn wir ihn mit der einfachen Bet auf dem Flop vergleichen.

In dieser Situation, wenn wir also auf dem Flop setzen, geben wir unserem Gegner wieder drei Optionen. Entweder er foldet (keine Gewinne außer der Pre-Flop Action), er raist (wir verlieren unsere Bet) oder er callt.

Bei einem Call gehen wir als Aggressor auf den Turn. Wir haben jetzt die Potkontrolle, und der Pot ist kleiner als er wäre, wenn wir nach einem Check-Raise gecallt worden wären.

Wenn wir nicht gut genug spielen, um solche Situationen richtig lesen zu können und eine zweite oder dritte Salve abzufeuern, um den Pot zu gewinnen, dann ist der Check-Raise immer –EV.

Sind wir aber stark genug, um Schwäche vorzutäuschen und dies dann auszunutzen, können Check-Raise Bluffs die Verluste wieder ausgleichen, die wir erleiden, wenn unser Check-Raise nicht durchgeht.

Ein Spielzug, den alle Profis in ihrem Arsenal haben, ist der CheckRaise mit einem Draw. Der Spielzug ist im Grunde ein Freecard-Manöver mit Check-Raise.

Checkt unser Gegner hinter uns auf dem Flop, sehen wir den Turn umsonst. Sollte er aber betten und dann unseren Check-Raise bezahlen, sehen wir wahrscheinlich den River umsonst, weil unser Gegner nicht noch einmal geraist werden möchte.


matt hawrilenko 2285
Der Check-Raise ist in Limit Poker eine gefährliche Waffe.

Der Check-Raise in Limit Hold’em

Limit Hold’em erfordert eine vollkommen andere Herangehensweise als NLHE. Der Check-Raise ist dort eine besten Waffen, um einen Pot aufzubauen und einen Bluff anzusetzen.

In einem Spiel, in dem es fast unmöglich ist, zu schlechte Pot Odds für einen Call vor dem Flop zu haben, wird der Bluff ohne Showdown eine reine Demonstration der Stärke.

Man muss dem Gegner vermitteln, dass man ihn geschlagen hat, und zwar so deutlich, dass die Odds gar keine Rolle mehr spielen. Wenn man nur $10 in einen $120 Pot setzen kann, ist der Check-Raise fast die einzige Möglichkeit, einen Versuch zu starten, den Pot vorzeitig zu gewinnen.

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