Chancen und Handicaps der November Nine 2010

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6 November 2010, Von: The Hand
Geposted in: Blog
Chancen und Handicaps der November Nine 2010
Am Samstag, den 6. November um 21 Uhr CET beginnt das Finale, und Anfang nächster Woche haben wir einen neuen Weltmeister.

Viele Leute sagen: „Wer weiß schon, was passieren wird? Niemand." Aber das stimmt nicht ganz, wie Sie nun erfahren werden. Wir werden alle Spieler nun einer genaueren Untersuchung unterziehen und anhand dessen vorhersagen, was in den kommenden Nächten geschehen wird.

Es geht um Stacks, Seats und System. Am Ende der Analyse werden wir wissen, na ja, ahnen, wer der Sieger sein wird. Es kann natürlich auch sein, dass wir uns das alles nur ausdenken und hoffen, hinterher sagen zu können: „Wir haben es ja gewusst."

Die Uhr des Main Events steht bei: Level 36, Blinds 250.000/500.000/50.000, Zeit: 1h, 14min, 46s.

 

SEAT 1: Jason Senti

Wohnort: St. Louis Park, Minnesota
Alter: 25
Chipstack: 7.625.000

Obwohl er Shortstack ist, ist Jason Senti nicht völlig chancenlos. Seine Erfahrung macht einen guten Teil seines Rückstands wieder wett.

Sentis Chancen sind relativ einfach abzuschätzen. Mit einem M von 6,4 bleibt ihm nur ein einziger Move. Ein All-in, hopp oder top. Und zwar innerhalb des ersten Orbits. Sentis Vorteil ist, dass er dank seines Könnens nicht in Panik geraten und zweifellos den besten Moment für sein All-in wählen wird.

Sein Nachteil: Einmal verdoppeln ist für Senti einfach nicht genug. Bei Weitem nicht.

Fazit: Jason Senti hat die schlechtesten Chancen am letzten Tisch. Er braucht eine Menge Glück, um das Ruder noch herumzureißen. Erwischt er zu Anfang einen guten Lauf, wird er sich jedoch in eine gute Position bringen. Platz: 9

 

SEAT 2: Joseph Cheong

Wohnort: La Mirada, Kalifornien
Alter: 24
Chipstack: 23.525.000

Jung, aber dennoch bereits erfahren, kommt Cheong mit einem hyperaggressiven Stil an den letzten Tisch. Auch während des Spiels auf der Final Table Bubble war Cheong sehr aktiv, was dazu führte, dass er einen großen Teil seines Stacks verlor.

Hauptsächlich verantwortlich dafür war der Spieler links von ihm, John Dolan. Zu Cheongs Unglück steht er nun vor derselben Situation. Er wird einen Blick auf Dolan haben müssen, falls er wieder versuchen sollte, den Tisch zu dominieren.

Cheong hat online tausende von MTT gespielt und wird am Finaltisch für einige Highlights sorgen.

Fazit: Cheong hat noch immer einen ordentlichen Stack und verfügt über einiges an Erfahrung. Dennoch wird er früher oder später implodieren und seine Aggressivität genau diesen einen Schritt zu weit treiben. Platz: 5

 

SEAT 3: John Dolan

Wohnort: Bonita Springs. Florida
Alter: 24
Chipstack: 46.250.000

Bei noch zehn Spielern im Turnier zeigte Dolan, warum er ein so erfolgreicher Turnierspieler ist. Er baute seinen Stack dramatisch auf und zeigte dabei nicht eine einzige Hand.

Seine Erfahrung ist seine Trumpfkarte, und das bedeutet umso mehr, als er einen der größeren Stacks hält. Dolan hat viel Gefühl für das Spiel und scheint seine Gegner besser zu verstehen als andere. Das erlaubte ihm, auf der letzten Bubble so viele Chips zu akkumulieren.

Sein größtes Problem ist die Sitzverteilung, denn der größte Stack und der wohl beste Spieler sitzen auf den beiden Plätzen links von ihm.

Fazit: Dolan hat Erfahrung, Können und eine Menge Chips. Das dürften die richtigen Voraussetzungen sein, um bis ins Heads-up vorzustoßen. Platz: 2

 

SEAT 4: Jonathan Duhamel

Wohnort: Boucherville, Quebec, Kanada
Alter: 22
Chipstack: 65.975.000

Duhamel geht an den letzten Tisch mit einem ähnlich großen Chiplead wie Darvin Moon im letzten Jahr, aber während Moon als idealer Kandidat gehandelt wurde, jeden noch so großen Vorsprung zu verspielen, ist dies bei Duhamel nicht der Fall.

Abgesehen von dem schönen Stack hat er auch noch einen schönen Platz erwischt. Er hat Position auf die beiden nächstgrößten Stacks von Dolan und Cheong, muss allerdings auf Michael Mizrachi links neben ihm aufpassen.

Wir wissen aus den Fernsehaufzeichnungen, dass Duhamel keine Angst davor hat, seine Chips in die Mitte zu stellen. Den Großteil seines Stacks verdankt er der unglaublichen Hand gegen Matt Affleck, als er mit Buben und open-ended Straight Draw das All-in von Afflecks Assen bezahlte und traf.

Auch wenn er vielleicht nicht der stärkste Spieler am Tisch ist, weiß Duhamel, wie man Druck ausübt, und er müsste mehrere Beats erwischen, um seine komfortable Position zu verschenken.

Fazit: Seit Jamie Gold hat niemand, der als Chipleader an den letzten Tisch ging, diesen auch gewonnen. Trotzdem, Duhamels Vorsprung ist jetzt bereits so groß, dass man um ihn als Favoriten nicht herumkommt. Platz: 1

 

SEAT 5: Michael „The Grinder" Mizrachi

Wohnort: Miami, Florida
Alter: 29
Chipstack: 14.500.000

Mizrachi hat nicht den größten Stack, sorgt aber dennoch für den meisten Wirbel. Die Buchmacher sehen ihn weiter vorn als die Chiptabelle, und das liegt natürlich an Erfahrung und Erfolgen von Mizrachi. Bei den Fans steht er ebenfalls hoch im Kurs, hier ist der Grund allerdings die Neigung der selbsternannten Fachleute, die Augen zu verschließen und Tatsachen schlicht zu übersehen.

Man denke nur an die völlig überzogenen Erwartungen an Phil Ivey im letzten Jahr.

Mizrachi sitzt mit einem M von 12 am Tisch und hat damit genug Munition, um z. B. einen 3-Bet-Push auf Duhamel anzusetzen, der direkt rechts vom Grinder sitzt und relativ viele Pots eröffnen wird.

Mizrachi wird sich zunächst darauf konzentrieren, ein paar Chips zu sammeln, um danach seine Erfahrung und seine überdurchschnittlichen Fähigkeiten auszuspielen. Wir können davon ausgehen, dass er früh all-in sein wird. Gelingt ihm der Double-up, wird er eine Rolle spielen.

Fazit: Mizrachi ist gefährlich. Das wissen nicht nur die Buchmacher. Allerdings wird er wie Ivey einen Suck-out verpasst bekommen und knapp an allen Rekorden vorbeischlittern. Platz: 4

 

SEAT 6: Matthew Jarvis

Wohnort: Surrey, British Columbia, Kanada
Alter: 25
Chipstack: 16.700.000

Jarvis gehört zu den weniger erfahrenen Spielern am letzten Tisch. Dementsprechend gering sind seine Erfolgsaussichten. Jarvis hat zwar mehr Chips als z. B. Mizrachi, aber nicht halb so viel Aussicht darauf, das Turnier zu gewinnen.

Wie die anderen mittleren Stacks wird auch Jarvis relativ früh versuchen, einen Schuss zu wagen und Chips zu bekommen. Sein Stack eignet sich gut für den 3-Bet-Push, und er wird dazu reichlich Gelegenheit haben, denn er sitzt links von den beiden größten Stacks.

Jarvis saß noch nie an einem wichtigen Finaltisch, und auch das dürfte gewisse Auswirkungen auf sein Spiel haben. Er muss den perfekten Moment erwischen, um sein Spiel durchziehen zu können, und dafür benötigt er eine Menge Geduld. Wenn er ruhig bleibt und ein paar gute Hände erwischt, kann er zumindest eine Weile am Tisch bleiben.

Fazit: Jarvis hat Qualitäten, aber angesichts der Stacks und der Gegner wird er nur eine untergeordnete Rolle spielen. Platz: 7

 

SEAT 7: John Racener

Wohnort: Port Richey, Florida
Alter: 24
Chipstack: 19.050.000

Nach Mizrachi ist Racener der Spieler mit der größten Live-Turniererfahrung. Er saß schon mehrfach an WSOP-Finaltischen, hat große Turniere gewonnen und ist seit Jahren erfolgreicher Profi.

Es gibt eine Menge Argumente, die für ihn sprechen.

Racener spielt gerne viele Hände, aber da die kleinsten Stacks rechts von ihm sitzen, wird er auf 3-Bets vorbereitet sein müssen, wenn er eine Hand eröffnet. Mehrere Spieler am Tisch werden genau darauf warten.

Fazit: Racener wird sich weit nach vorne spielen. Hätte er einen größeren Startstack, würden wir ihn auf Platz 1 setzen. So reicht es immerhin noch aufs Podium. Platz: 3

 

SEAT 8: Filippo Candio

Wohnort: Cagliari, Sardinien
Alter: 26
Chipstack: 16.400.000

Der einzige Europäer am Finaltisch ist ein kleiner Italiener, aber für die Amerikaner die große Unbekannte. Man sagt, die EPT San Remo sei nur deshalb so groß, weil die Italiener viel „dead money" an die Tische bringen, und dementsprechend spielt auch Candio: unvorhersehbar, unkalkulierbar, aber manchmal auch unkaputtbar.

Mit seinem Stil geht man normalerweise früh oder kommt sehr weit. Es ist ziemlich offensichtlich, was bei diesem Turnier der Fall war. Candio ist übrigens Profi, also kann man nie ganz sicher sein, ob hinter dem Wahnsinn nicht doch Methode steckt.

Die beiden kleinsten Stacks sitzen direkt links von ihm, deshalb wird er am Finaltisch zunächst etwas tighter agieren müssen als er das eigentlich möchte. Außerdem ist er selbst gezwungen, relativ schnell seine Chance zu suchen. In den ersten beiden Levels wird sich entscheiden, wohin die Reise für ihn geht.

Fazit: Candio ist ein krasser Außenseiter. Das ist jedoch eine bequeme Position, denn die Amerikaner werden ihn unterschätzen. Am Ende wird es für den ganz großen Triumph aber nicht reichen. Platz: 6

 

SEAT 9: Cuong "Soi" Nguyen

Wohnort: Santa Ana, Kalifornien
Alter: 37
Chipstack: 9.650.000

Es ist ganz einfach: Nguyen hat praktisch keinerlei Erfahrung und den zweitkleinsten Stack. Die Karten müssen exakt zu seinen Gunsten fallen, damit er irgendetwas an diesem Tisch erreichen kann.

Anfang Juli, erklärte Soi im Interview, wusste er noch gar nicht, was „Under the Gun und diese ganzen Fachbegriffe bedeuten".

Allerdings darf man eine Sache nicht ganz unter den Tisch kehren: Wir könnten an diesem Wochenende einem Soi begegnen, der völlig anders ist als der Soi vom letzten Sommer. Er hat viel Zeit zum Trainieren gehabt und wird nicht so blauäugig an den Finaltisch kommen, wie er vor vier Monaten in das Hauptturnier gegangen ist.

Fazit: Nguyen hat eine großartige Geschichte zu erzählen. Er hat den Finaltisch des WSOP Main Events erreicht. Das wird ihm niemand mehr nehmen. Er wird versuchen, sich teuer zu verkaufen, aber ein Sieg ist ihm angesichts der Situation beim besten Willen nicht zuzutrauen. Platz: 8

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