Burnout-Kids vs. Robusto-Rentner Teil II

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11 März 2011, Von: Christian Henkel
Geposted in: PokerZeit Blog
Burnout-Kids vs. Robusto-Rentner Teil II

Im ersten Teil dieses Blogs berichteten wir über die Situation der jungen Online-Spieler: über Downswing-Lamentos, Pokermüdigkeit und Rücktrittsgedanken. Im zweiten Teil soll es nun eher um deren Vorgänger, die Generation Ivey, Negreanu, Hansen gehen. Auch sie haben die dunkle Seite des Pokerlebens kennengelernt. Aber von Depressionen und Rücktritt war nie etwas zu hören. Sind die in den Live-Games gestählten Mitdreißiger am Ende besser auf das Leben eines Gamblers eingestellt? Sind sie robuster, wenn es darum geht den harten Seiten des Geschäfts ins Auge zu blicken? Diesen Fragen werden wir im zweiten Teil dieses  Blogs nachgehen.

Part II: Die Situation der Robusto Rentner

Phil Ivey
"I think we both know, you are better than me."

Phil Ivey:

Phil Ivey lernte Poker Mitte der 90er Jahre und stieg schnell zu einer Art Wonderkid auf. Trotzdem musste auch er immer wieder härtere Rückschläge verdauen. So erinnerte er sich in einem Interview an einen langen Downswing: „Damals in den späten 90er Jahren traf ich regelmäßig auf Henry Orenstein, einen richtig guten Pokerspieler. Die vernichtenden Sessions mit ihm haben mich gelehrt, ruhig mit der Varianz im Poker umgehen zu können. Als ich mich das erste Mal auf die $400/$800 Limits gewagt habe, hat er mich jedes Mal fertig gemacht. Nur durch ihn war ich sechs Monate lang permanent pleite. Ich hab mich dann auf den $75/$150 Dollar wieder und wieder herangegrinded und er hat mich jedes Mal wieder nach unten geschickt. Ich glaube ich habe gegen ihn in sechs Monaten nicht eine einzige signifikante Hand gewonnen.“

Doch Ivey ging seinen Weg in den Poker-Olymp unbeirrt weiter. Spätestens Anfang 2006 war er ganz oben angekommen. In einem dreitägigen Match gegen den US-Banker und Milliardär Andy Beal gewann Ivey innerhalb von drei Tagen 16 Millionen Dollar. Zuvor hatte ein Zusammenschluss der besten damaligen Pokerspieler noch zehn Millionen Miese gegen Beal gemacht. Gespielt wurde übrigens Limit-Holdem. Ein Spiel, indem der wohl beste Pokerspieler aller Zeiten Ende des vergangenen Jahres auf einen Meister auf Deutschland stieß und folgendes Lob abgab:

„I think we both know, you are better than me.“ Doch Ivey wäre eben nicht Ivey, wenn er solche Erkenntnisse nicht als eine Kampfansage an seinen eigenen Ehrgeiz betrachten würde. Im Februar schnitt Ivey dem Deutschen Kagome Kagome fast eine Million Dollar aus der Bankroll. Der kann nun wenigstens behaupten mal für drei Monate in irgendeinem Spiel eine Edge auf den „Endboss“ (Zitat Kagome Kagome) gehabt zu haben.

Daniel Negreanu
Nächstes Ziel: Supernova.

Daniel Negreanu:

Daniel Negreanus Aufstieg begann zeitgleich mit dem Phil Iveys, irgendwann Ende der 90er Jahre. Mittlerweile ist er der erfolgreichste Turnier-Pokerspieler aller Zeiten. Aber auch er hat harte Swings und tiefe Einschnitte in seinem Gambler-Lebensweg verdauen müssen.

Negreanu gammelte beispielsweise jahrelang in einer kleinen Wohnung in Las Vegas vor sich hin und ertrank dort in Bergen von Colabüchsen und Pizzaschachteln. Mittlerweile ist er nicht nur PokerStars wertvollster Repräsentant sondern auch Veganer und Gesundheitsapostel.

Auch am Pokertisch gab es für Negreanu immer wieder längere Durststrecken. Unvergessen sein Verlust von knapp 300.000 Dollar in einer einzigen Hand gegen Gus Hansen in einer der ersten Staffel von Highstakes-Poker. Überhaupt war Daniel nie der große Cash-Game-Spieler und verlor dort nicht nur in den TV-Formaten eine Menge Geld.

Aber auch Negreanu zeigt Zähne wenn es darauf ankommt. In seinem Blog erklärte er im Januar, dass schon fleißig für den SuperStar-Showdown gegen Victor Isildur1 Blom übe und deshalb schwer an vier Tischen gleichzeitig NLHE-Heads Up trainiere. Er wolle auf gar keinen Fall den Anschluß an die „young players" verlieren. Sein Ziel deshalb: den SuperNova-Status auf PokerStars erringen. Es wäre wohl kein Wunder, wenn Negreanu auch diese Aufgabe letztlich mit Leichtigkeit bewältigt.

Patrik Antonius
"Man muss heute in jeder Disziplin gut sein."

Patrik Antonius:

Der Finne ist einer der wohl größten Stehaufmännchen der Poker-Szene. Mit 13 erkannte sein Tennis-Coach in ihm das Potential es nach Wimbledon zu schaffen. Doch zwei schwere Rückenverletzungen (mit 14 und mit 18) ließen den Finnen für immer von den Tennis-Plätzen verschwinden. Später arbeitet er als Dressman, Barkeeper und Klingelputzer für Versicherungen, ohne wirklich Spaß an diesen Jobs zu finden. Den fand Antonius schnell beim Poker. Bereits mit 18 (1998) war er Dauergast im Casino in Helsinki. Und 2005 hatte er es endlich in die Champions League geschafft.

Bei der World Poker Tour verpasste er in diesem Jahr den Finaltisch zweimal nur knapp. Im September 2005 kam er bei seiner ersten Teilnahme an der European Poker Tour an den Finaltisch und belegte in Barcelona den dritten Platz. Im darauf folgenden Monat gewann Antonius das EPT-Turnier in Baden und erhielt ein Preisgeld von €343.366. Im Dezember belegte er bei den WPT Five Diamond World Poker Classic den zweiten Platz und gewann ein Preisgeld von $1.046.470.

Auch online dauerte es nicht lange und Antonius gehörte zur Top-Elite. 2009 war er der überragende Spieler an den Highstakes-Tischen und machte ein Plus von sieben Millionen Dollar.

Doch 2010 hatte Antonius mit mehreren länger anhaltenden Downswings zu kämpfen. Wie er darauf reagierte, erklärte er während der Aussie-Millions 2011 in einem Interview.

Darin  stellte er zunächst fest, dass in seinen Spezial-Varianten, im 7-Game und im PLO kaum noch Ring-Games zustande kämen und es für Spieler wie ihn allgemein nur noch viel zu wenig Action gäbe. Er habe sich auch deshalb 2010 dann immer wieder auf die Suche nach ein paar exotischen Varianten gemacht und versucht den dortigen König in seinem Königreich zu schlagen. Das sei mit ein paar schmerzhaften, aber auch sehr lehrreichen Lektionen verbunden gewesen.

Antonius hat aus dem eher enttäuschenden Jahr 2010 ein paar wichtige Erkenntnisse mitgenommen: „Man muss heutzutage einfach in jeder einzelnen Disziplin gut sein. Denn was machst du, wenn das Spiel, wo du der King bist, austrocknet und du da keine Gegner mehr findest? Wenn ich zum Beispiel gegen Kagome Kagome antrete, dann bin ich am Anfang immer ein wenig eingerostet. Er spielt ausschließlich Fixed Limit Holdem und scheint da der momentan beste Spieler der Welt zu sein. Dann komme ich und hab vorher zwei Tage Triple Draw und zwei Tage Omaha Hi/ Lo gespielt. Aber ich komme gegen ihn immer besser ins Spiel. Ich bin sehr ehrgeizig und glaube nicht, dass er noch ein Edge auf mich hat.“


Gus Hansen
Downswing vom Tisch gewischt.

Und Patrik Antonius hat sich auch über die lebenslangen Lernprozesse im Poker seine Gedanken gemacht: „Es ist einfach häufig so, dass ich schlechter bin und ich weiß es. Aber mir geht es auch ums Lernen. Es ist einfach schade, dass es nicht mehr Typen wie mich gibt. Pokerspieler, die den Ehrgeiz haben einfach die Besten auf allen möglichen Feldern des Poker zu werden und die bereit sind ein bisschen dafür zu zahlen. Poker ist momentan viel zu durchkalkuliert. Es werden kaum noch kreative Lösungen gesucht und gefunden. Denn dafür muss man zunächst einen Preis bezahlen.“

Es scheint dazu sind die alten Hasen eher bereit, als die schon im ersten Teil beschriebenen Burnout-Kids.

Gus Hansen:

Wie Phönix aus der Asche ... ist in den vergangenen Monaten der Däne Gus Hansen auferstanden. Noch im Oktober 2010 galt der Backgammon-Spezialist als der größte Highstakes-Loser aller Zeiten. Über 10 Millionen Dollar Miese hatte er innerhalb von drei Jahren angesammelt. Selbst wir fragten uns, ob Gus überhaupt noch mit seinem eigenen Geld spielte.

All diese Fragen hat der Däne in den vergangenen Wochen eigenhändig vom Tisch gewischt. Mit 2,6 Millionen Plus führt der 37-Jährige die Wertung des Jahres 2011 an. Allein im Februar hat er 2,3 Millionen Dollar Profit gemacht. Wenn man bedenkt, dass The Great Dane innerhalb der vergangenen zwei Monate noch eine Million Dollar Verlust in den Draw Games gemacht hat, wird die Dominanz in seiner Spezial-Disziplin, den PLO Cap Games erst wirklich richtig deutlich.

2009 und 2010 hat wohl keiner die Downswing-Keule so hart zu spüren bekommen, wie Gus Hansen. Auch keins der lamentierenden Burnout-Kids. Trotzdem war von The GreatDane nie ein Wort über Depressionen, Rücktrittsgedanken oder Pokermüdigkeit zu hören. Gus Hansen hat Hohn, Spott und Häme über sich ergehen lassen müssen. Und er hat das getan, was ein Gambler in diesem Moment tun muss. Er hat sich zurückgezogen und an seinem Spiel gearbeitet. Nun ist er ins Konzert der Super-Cracks zurückgekehrt. Ein Shaun Deeb, ein Mike McDonald oder ein Ilari Sahamies sollten sich davon einfach mal eine Scheibe abschneiden.

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