Bots und Betrüger - PokerStars reagiert

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Pokerschule oder Kollusion - der Übergang kann fließend sein.

Mindestens ein Dutzend identifizierte Bots und ein ganzer Betrügerring chinesischer DoN-Spieler sind in den letzten Wochen auf PokerStars aufgeflogen. Ist das Problem jetzt gelöst?

Wie so oft waren es Mitglieder des 2+2-Forums, die die Unregelmäßigkeiten zuerst entdeckten. Am 13. Juli 2010 beschrieb ein Forist drei PokerStars-Spieler, die praktisch identische Spielweisen und Gewinnraten aufwiesen. Alle spielten eine ähnliche Zahl von Händen auf NL200, wiederholten dasselbe danach gleichzeitig auf NL100 und dann noch einmal auf NL50.

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Pokerbot-Betreiber - $80k Profit.
 

Es zeigte sich schnell, dass dies nicht die einzigen merkwürdigen Spielmuster waren. Die Sicherheitsabteilung nahm sich der Hinweise an und identifizierte in den kommenden Wochen insgesamt zwölf Bots, die nicht nur über $80.000 Profit erspielt, sondern daneben auch noch deutlich mehr Rakeback generiert hatten. Zehn dieser Namen sind hier auf PokerTableRankings zu finden. Ihre Bilanzen sind noch immer öffentlich zugänglich.

PokerStars hat die $80.000 an mehrere hundert geschädigte Spieler erstattet, Rake wurde davon allerdings ausgenommen. Obwohl dies verständlicherweise für Unmut bei den regelmäßigen PS-Spielern gesorgt hat, dürfte es schwierig sein, genau aufzuschlüsseln, wer um wie viel Prozent des Rakes in welcher Hand betrogen wurde. Eine exakte Kompensation jedes einzelnen Beteiligten ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Bereits im Mai wurde der Verdacht bestätigt, dass eine nicht näher bestimmte Zahl von Spielern aus Russland, China und Vietnam in den DoN (Double or Nothing) Sit-and-Go-Turnieren betrog. Allein 49 chinesische Spieler wurden der gemeinsamen Kollusion überführt und ausgeschlossen. Die geschädigten Spieler erhielten eingesetzte Gelder zurück.

Es geht an dieser Stelle nicht um die Integrität asiatischer Spieler, es fiel vielmehr einer Reihe von PS-Spielern auf, dass in den DoN-SnG der Anteil an Spielern z. B. aus China weit über dem Durchschnitt lag. Teilweise saßen bis zu sechs Spieler des Rings in einem einzigen 10-player-DoN.

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Kollusion auf chinesisch - bis zu sechs Spieler an einem Tisch.
 

Eine Reihe von ihnen gehörte offenbar einer chinesischen Pokerschule in der Stadt Hua Zhou an, die PS-Sprecher Jeff schon im Dezember letzten Jahres bei 2+2 erwähnte. Dort werden nicht nur Seminare angeboten, sondern auch zahlreiche Computer in einem einzelnen Raum zur Verfügung gestellt, an denen die Pokerschüler lernen sollten. Offenbar kam der Betreiber - ein PS-Affiliate - seiner Pflicht, darauf zu achten, dass der Pokernachwuchs nicht an denselben Tischen spielte und sich gegenseitig half, nicht genügend nach.

DoN-SnG sind für Kollusion besonders anfällig, weil ein wenig Softplay in Bubble-Nähe vollkommen ausreicht, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Es ist also keineswegs ein Betrug in der Dimension des UB-Skandals notwendig, bei dem so genannte Superuser alle Hole Cards der einzelnen Spieler sehen konnten.

Vielmehr reichen gelegentliches Whipsawing, Chipdumping und Softplay, um auf lange Sicht bessere Ergebnisse zu erzielen. Whipsawing bedeutet, einen Spieler ständig von zwei Seiten durch Raises und Re-Raises anzugreifen. Unter Chipdumping versteht man absichtliches Verlieren von Chips, häufig durch einen Limp-Fold auf eine unbedeutende Bet hin, die nicht durch Odds zu rechtfertigen ist, während Softplay eine besonders defensive Spielweise bezeichnet, bei der man beispielsweise verabredet, ein All-in des Komplizen generell nicht zu bezahlen. Für diese Art des Betrugs ist also weder spezielle Software noch ein Superuser-Account vonnöten.

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Softplay, Chipdumping, Whipsawing - Häufung derartiger Vorkommnisse?
 

Angesichts der Häufung derartiger Vorkommnisse bei PokerStars wuchs gerade unter den regelmäßigen Besuchern der immer noch bei Weitem größten Pokerplattform in der jüngeren Vergangenheit die Befürchtung, PS sei nicht in der Lage, den vielen Formen des Betrugs Herr zu werden. Verstärkt wurde dieser Verdacht auch dadurch, dass dort plötzlich mehrere Mitarbeiter für die Sicherheitsabteilung gesucht wurden.

Obwohl die aufflammende Panik durchaus verständlich ist, gilt es hier jedoch, auch die Sichtweise der 2+2-Community zu hinterfragen und die richtigen Fragen zu stellen: Ist die Zahl der entdeckten Falschspieler in diesem Jahr ein Beleg dafür, dass immer mehr Betrüger PS vor unlösbare Probleme stellen und Online-Poker damit nicht mehr sicher ist, oder zeigt sich vielmehr, dass das Sicherheitssystem von PS im Gegenteil sehr gut funktioniert, da Bots und Kollusion nichts Neues sind und sicher nicht nur bei PS ihr Unwesen treiben?

Hört man deshalb kaum von ähnlichen Machenschaften auf kleineren Netzwerken bzw. unabhängigen Plattformen, weil es dort keine Betrugsversuche gibt - was wie gesagt höchst unwahrscheinlich erscheint - oder weil sie dort gar nicht erst entdeckt werden?

Betrugsversuche wird es auch weiterhin geben. Wie werden die Spieler wirksam geschützt?

PokerStars hat inzwischen über zwei Millionen Dollar Entschädigung bezahlt und ein neues Softwaretool entwickelt, dass verhindern soll, dass mehrere Teilnehmer aus einer bestimmten Region oder einem bestimmten Land in einem einzelnen DoN-SnG mitspielen.

Bei allem Respekt gegenüber der Aufmerksamkeit und dem Scharfsinn einiger 2+2-Aktivisten, die unermüdlich analysieren und damit teilweise erstaunliche Ergebnisse erzielen, über das wahre Ausmaß der Betrugsversuche kann man nur spekulieren. Am 19. Juli schrieb Sicherheitsmitarbeiter „PokerStarsJeff" in dem Thread zu den entdeckten Poker-Bots:

„Der Großteil der von uns entdeckten und entfernten Bots wird ohne Hilfe der Spieler erkannt. Allein in den letzten vier Monaten haben wir über 8000 verdächtige Spieler überprüft und dabei 258 Bots entdeckt und entfernt."

Quellen: 2+2-Thread Poker-Bots, 2+2-Thread DoN-Kollusion, Eintrag von PokerStarsJeff

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peter 2010-12-11 16:25:40

In einem betrügerischem Portal wie Pokerstars,mit seinem "seltsamen" RNG,
wird man täglich betrogen.
Pokerstars am besten vom Computer löschen!

patrick 2010-12-05 22:16:10

ich glaube die sites verdienen eine menge geld indem sie dem kleinen spieler das bild malen wie er als gewinner vor vielen dollars sitzt aber die realität ist meist einfach harte arbeit und man ist doch als onlinespieler sehr von seinen runs oder downswings abhängig.was ja dann wohl in der hand der software liegt oder ?und ich werde wohl kaum einer software mehr trauen als meinem live dealer. desswegen denke ich ist dieser online hype eine hoffentlich nicht allzulang andauernde geschichte... bitte lieber mehr casinos mit anständigem angebot an spielen.

PS bin mir sowieso unsicher ob bei einer plattform wie pstars mit soviel leuten online die sicherheit überhaupt machbar ist...fazit wenig geld online mehr in live tuniere investieren ;)

Max 2010-10-24 16:23:37

Ich bin Real Poker Player und Online habe über 15 Millionen Spielgeld bei Pokerstars und dachte, ich kaufe mal für 100€ Chips.
Was ich in den 3 Tagen erlebt habt, hat mit Poker nichts zu tun.

Niemals mehr Echtgeld Online.

Dirk Oetzmann 2010-08-30 16:46:15

@Wülbeck
Besten Dank für den Kommentar. Es fragt sich natürlich, ob der Zufallsgenerator allein genügt, um das Problem zu lösen.

Meldet sich eine Gruppe von Spielern gleichzeitig bei 6 oder mehr Turnieren an, also quasi bei allen, die PS gleichzeitig anbietet, landen doch wieder dieselben Spieler an den einzelnen Tischen.

Das Sperren von Spielern aus bestimmten bzw. kleinen Regionen ist sicher auch nur bedingt wirkungsvoll, denn heutzutage ist räumliche Entfernung ja kein Problem mehr. Diese Maßnahme kann also nur der Anfang sein.

Wülbeck 2010-08-27 16:07:07

Sehr gut das diese Machenschaft öfentlich angesprochen wird . Ich habe schon vor Jahren meinen Kumpels gesagt das so etwas in dieser Art leicht zu händeln ist . Man kann sich einen erheblichen Vorteil erspielen.
In welcher Form das zu unterbinden ist weiß ich nicht jedoch Regionsbezogene Spieler
nicht an einen Tisch zu lassen , wird sehr schnell von einer " Spielmafia" wieder ausgehebelt. Aber zumindestens wird es erschwert.Besser ist es einen Tisch durch Zufall zusammenzustellen. Frei werdene Plätze müssen durch Zufall aufgefüllt werden