„Man muss Poker arbeiten“

Bodo Sbreszny
Sbreszny in Prage - Schwindelgefühle bei jeder Bewegung der linken Hand.

Laut Sponsor sollte PartyPoker-Profi Bodo Sbrzesny nur nach Prag reisen, um wie im Vorjahr den Final Table zu kommentieren. Das war ihm aber zu wenig, also trat er dann doch selbst zur WPT Prag an.

Dort lief es zunächst sehr bescheiden, und als ich mich mit ihm zu einem Interview später an Tag 2 verabreden will, meint er nur ganz lapidar, „wenn ich dann noch dabei bin“.

90 Minuten später hat Sbrzesny aus 20.000 Chips knapp 100.000 gemacht, unter anderem dank eines monströsen Suckout gegen Steve O’Dwyer, dessen Könige von Sbrzesnys Buben auf dem River noch geknackt wurden. Doch nicht nur deswegen ist die Laune des Bruchsalers blendend.

Jüngst wurde sein Vertrag mit Sponsor PartyPoker um ein weiteres Jahr verlängert, obwohl die großen Anbieter, „die Budgets längst beträchtlich ‘runtergeschraubt haben“.

Bodo Sbrzesny2
"Es gibt gute Gründe für Boris Becker."
 

„Das hat auch gute Gründe“, meint Sbrzesny, „denn Boris Becker macht für meine Mutter bessere Werbung als ein guter junger Spieler, der drei Majors gewonnen hat“.

Sein Nachname, den er von seinen Vorfahren aus Ostpreußen geerbt hat und den man eigentlich in etwa „Sbrschärsne“ ausspricht – also lieber gar nicht, ist zwar nicht sonderlich werbewirksam, doch dafür engagiert sich Sbrzesny für seinen Sponsor intensiv wie kaum ein anderer.

„Einen Vertrag wie meinen würden nicht viele unterschreiben“, bekennt er offenherzig, „die Zeiten, als diese Kontrakte mit 200.000 Dollar dotiert waren, sind lange vorbei“. Jeden Montag absolviert er auf PartyPoker das $3-Bounty-Turnier und wendet dafür je nach Verlauf eine bis vier Stunden auf.

Außerdem schreibt er regelmäßig Blogs, produziert Videos und lädt Leute zu Pokerturnieren in die Kneipe ein. Daneben bildet er Schüler aus, vier Leute durften zum Beispiel während seines Australien-Aufenthalts bei ihm wohnen, nach Las Vegas nahm er diesen Sommer acht Spieler mit.

Wie seine Rolle als Botschafter von PartyPoker begreift er auch die Rolle als Pokerprofi als Arbeit. „Es geht darum, sich ständig weiter zu entwickeln“, so Sbrzesny, „wer Poker arbeitet, hat es nicht so schwer“. Und weiter: „Wie beim Fußball oder Tennis muss man besser als der Gegner vorbereitet sein und dessen Schwächen ausnutzen.“

Dass Online-Poker anstrengend ist, musste Sbrzesny Anfang des Jahres erkennen. Seit sieben Jahren ist er No-Limit Hold’em nun förmlich verfallen, doch online musste er wegen einer Art Burn-Out dieses Jahr erheblich kürzer treten.

Vermutlich weil er zu viel gespielt hatte, bekam er bei jeder Bewegung mit der linken Hand Schwindelgefühle.

Bodo Sbreszny
"Es geht darum, sich ständig weiterzuentwickeln."
 

Zum Glück ist die Erkrankung mittlerweile ausgeheilt, und Sbrzesny kann auch online wieder mit Volldampf grinden.

Vor allem die Cashgames haben es ihm angetan, in puncto Bankroll-Management ist er „aber eher konservativ“.

Die Vorstellung, „wie ein Turnierspieler vielleicht ein Jahr lang im Minus zu sein“, ist ihm ein Gräuel.

In Prag ist aber trotzdem vor allem Turnierpoker angesagt. Nach der WPT steht auf jeden Fall noch das Main Event der EPT auf dem Programm.

Zunächst muss sich Sponsor aber Sorgen um den deutschen Kommentator des Finaltisches machen. Schafft Sbrzesny tatsächlich den Sprung unter die letzten Sechs, hätte PartyPoker aber sicher auch nichts dagegen.

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