"Das kann mir keiner nehmen!"

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26 November 2011, Von: Arthur Crowson
Geposted in: The Hand
"Das kann mir keiner nehmen!"
Pius Heinz über das Leben als Champion, Fußball und die German High Rollers.

Es ist schön, Pokerkönig zu sein.

Pius Heinz, 22 Jahre alt und Teilzeitstudent, hat inzwischen ein paar Wochen Zeit gehabt, um sich in seine neue Rolle als Weltmeister und Pokerbotschafter einzufinden. So weit so gut.

Wie in unseren Nachrichten berichtet, möchte Heinz gerne aktiv an der Weiterentwicklung von Poker  in Deutschland beteiligen.

Hier finden Sie das komplette Interview, das wie vor einigen Tagen mit dem Weltmeister geführt haben.

PZ: Wie ist es Ihnen in den Wochen  nach dem Sieg beim WSOP Main Event 2011 ergangen?

PH: Es war ein geradezu surreales Erlebnis. Seitdem hat sich für mich natürlich viel geändert. Es gab in Deutschland ein riesiges Medienecho. Ich habe eine Menge echt coole und interessante Leute kennen gelernt, von denen ich manche nur aus dem Fernsehen kannte.

PZ: Wie haben die Medien denn reagiert?

PH: Überwiegend positiv. Darüber bin ich ziemlich froh. Natürlich gibt es immer ein paar negative Reaktionen, aber der Großteil war eher zustimmend.

Die Medien waren überhaupt eine große Unterstützung für mich, worüber ich mich sehr gefreut habe.

PZ: Was wird sich durch Ihren Sieg in Pokerdeutschland ändern?

PH: Ich hoffe, dass die Entwicklung in Deutschland weitergeht. Dazu möchte ich meinen Beitrag leisten und ein Botschafter des Spiels sein.

Poker ist ein so faszinierendes Spiel, und es hat dieses einzigartige psychologische Moment. Das möchte ich den Menschen in Deutschland gerne vermitteln.

PZ: Wie haben Freunde und Familie auf Ihren Erfolg reagiert?

PH: Alle sind sehr glücklich und stolz auf mich. Eine ganze Reihe von ihnen war ja in Las Vegas dabei, um mich zu unterstützen. Das war das Sahnehäubchen auf dem Titelgewinn.

PZ: Wäre es Ihnen lieber, dasselbe Geld für Platz zwei zu bekommen, wenn Sie dafür nicht den ganzen Medientrubel hätten mitmachen müssen?

PH: Es ist eine große Ehre, WSOP-Champion zu sein. In 20 Jahren werde ich das noch meinen Kindern erzählen können: ich war mal Weltmeister.

Das ist eine Erfahrung, die mir niemand mehr nehmen kann.

Es ist, als ob man eine Goldmedaille bei Olympia gewinnt oder so. Ich bin ehrlich stolz auf das, was ich erreicht habe, und glücklich darüber, wie sich alles entwickelt hat.

PZ: Das weiße Hoodie wurde so etwas wie Ihr Markenzeichen. War das auch die ursprüngliche Absicht?

PH: Anfangs war es einfach nur bequem. Als es dann im Main Event immer besser für mich lief, wurde es auch eine Art Glücksbringer.

PZ: Wussten Sie, dass all Ihre Unterstützer in zum Finaltisch in einem weißen Hoodie auftauchen würden?

PH: Nein, das war eine Überraschung für mich. (grinst) Ich fand es völlig geil.

PZ: Wer war Ihnen die größte Hilfe, als es auf das Finale zuging?

Mike McDonald
EPT-Sieger Mike "Timex" McDonald.

PH: Mike „Timex“ McDonald hat mich gecoacht, also war das sicher die Person, die mir am meisten geholfen hat.

Außerdem bin ich mit einigen deutschen, österreichischen und amerikanischen High Stakes Turnierspielern befreundet. Wir versuchen immer, uns gegenseitig zu helfen, indem wir z. B. Hände diskutieren.

Wenn man ein guter Spieler werden will, ist das unabdingbar.

PZ: Es sah so aus, als ob Sie den Live-Stream nicht besonders beachtet haben.

PH: Tatsächlich habe ich durchaus häufiger nachgesehen. Nicht gerade alle fünf Minuten, aber immer dann, wenn es eine große Hand gab, redete ich danach mit meinen Freuden darüber.

Das hat mir definitiv geholfen. Ich sah mir das Material von Tag 1 an und konnte keinen groben Fehler in meinem Spiel feststellen. Das hat mir eine Menge Selbstvertrauen gegeben.

PZ: Also war es hilfreich, dass ESPN sich zu dieser Übertragungsform entschlossen hat?

PH: Ja, unbedingt. Ich war nie dagegen, schließlich ist es für alle Spieler dieselbe Situation.

Jeder hat dieselben Voraussetzungen, also gibt es keinen unfairen Vorteil. Außerdem ist es gut für Poker, und alles was gut für Poker ist, ist letztlich auch gut für die Spieler.

PZ: Ihre Fans haben am Finaltisch einen Ohrwurm des Fangesangs kreiert. Wo um Himmels willen kam das denn her?

PH: Ein schottischer Freund von mir hat sich das ausgedacht. Wenn er ein paar Bier getrunken hat, wird er ziemlich kreativ.

Der ursprüngliche Song ist „Baby give it up“ von KC and the Sunshine Band. Das hat sich dann einfach festgesetzt. Ich fand das klasse.

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Pius Pius Heinz, Pius Heinz, Pius Pius Heinz!

PZ: Wie sieht ein durchschnittlicher Tag in Ihrem Leben heute aus?

PH: Ich stehe auf, frühstücke und gebe Interviews am Telefon. Später an Tag rede ich dann auch mit dem Fernsehen.

Die TV-Interviews dauern oft den ganzen Tag, weil allein die Vorbereitung ziemlich viel Zeit kostet.

Gegen Ende des Monats bin ich dann bei den German High Rollers dabei.

Ich war letzte Woche in London und bin jetzt in Köln. Nächste Woche fahre ich dann nach Wien zurück, wo ich jetzt wohne.

Mein Terminkalender war ziemlich voll. Ich bin froh über jeden Tag, den ich frei habe.

PZ: Haben Sie in letzter Zeit viel Poker gespielt?

PH: Ehrlich gesagt, keine einzige Hand in über einem Monat. Ich freue mich echt darauf, endlich wieder Zeit für Online-Poker zu haben. Nach der EPT Prag werde ich ein bisschen Urlaub nehmen und dann auch wieder mal online Poker spielen.

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Kann Stazko hier light spielen?

PZ: Die Hand, über die vielleicht am meisten während des Finaltisches diskutiert wurde, war Ben Lambs K-J gegen Stazkos 7-7. Was halten Sie davon, wie diese Hand gespielt wurde?

PH: Ich finde, dass beide die Hand nicht gut gespielt haben. Ich kann Bens Spiel aber ganz gut nachvollziehen.

Generell war das schon so spielbar, aber es war die erste Hand des Tages, das ändert die Situation ein wenig. Normalerweise spielt kaum jemand die erste Hand light.

Jeder ist nervös und deshalb ein bisschen tighter. Das bedeutet nicht, das Stazko hier nicht light spielen kann, aber ich wäre da definitiv ein bisschen vorsichtiger gewesen.

Außerdem hätte ich an Martins Stelle eher flat gecallt. Ich hätte die Hand sicher anders gespielt.

PZ: Sie sind in Köln aufgewachsen. Sind Sie ein Fußballfan?

PH: Na klar, ich bin Fan vom 1. FC Köln. Ich bind drei Jahre lang zu jedem Heimspiel gegangen.

Ich war lange sehr aktiv, aber in den letzten Jahren war ich so beschäftigt, dass mein Engagement etwas nachgelassen hat. Fan bin ich aber immer noch.

In diesem Jahr war das NBA-Finale aber wichtiger für mich als z. B. das Finale der Champions League.

PZ: Ist Deutschland Favorit der EM im kommenden Jahr?

PH: Das hoffe ich doch. In letzter Zeit haben wir klasse gespielt. Ich meine, Spanien ist natürlich die Mannschaft, die es zu schlagen gilt. Das ist wohl zurzeit die beste Mannschaft der Welt.

PZ: Was bedeutet der Vertrag bei PokerStars für Sie?

PH: Also das war mir wirklich wichtig. Ich bin gerne Teil dieses Teams.

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Erster deutscher WSOP-Champion Pius Heinz.

PokerStars ist meiner Meinung nach das beste Unternehmen in dieser Branche. Es ist immer schön, mit den besten zusammenzuarbeiten.

Es ist mir eine Ehre, in einem Team mit Leuten wie Sandra Naujoks, Jan Heitmann und Johannes Strassmann zu sein.

PZ: Sie sind eigentlich Online-Spieler. Haben Sie noch Geld auf einem Full Tilt Account?

PH: Ein bisschen, aber nicht halb so viel wie ein paar Freunde von mir. Ich kenne ein paar Leute, denen eine Menge Geld fehlt.

PZ: Wer sind Ihrer Ansicht nach zurzeit die besten deutschen Spieler?

PH: Was Turniere angeht, ist Benny Spindler wirklich, wirklich gut. Sebastian Ruthenberg und Tobias Reinkemeier sind ebenfalls erstklassige Spieler.

PZ: Wie sieht Ihr Turnierplan für das kommende Jahr aus?

PH: Ich werde auf jeden Fall einige EPTs spielen, beginnend mit der in Prag. Dann fahre ich definitiv zur PCA.

Insgesamt werden es wohl um die zehn EPTs in dieser Saison. Im Sommer komme ich natürlich nach Las Vegas zurück, um die WSOP zu spielen. Wahrscheinlich bin ich dann den ganzen Sommer dort.

Vor allem freue ich mich auf die Mixed Events bei der WSOP.

PZ: Pius Heinz, wir danken für dieses Gespräch.

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