Der ARTE-Themenabend „Passion Poker“ – ein Rückblick mit Video!

arte poker

Ein sonntäglicher Themenabend auf Deutschlands renommiertestem Kulturkanal ARTE. Auf diesen Ritterschlag hat die hiesige Pokerszene lange gewartet. Von 20:15 Uhr bis Mitternacht, also in der besten Sendezeit wurden gestern ein Spielfilm und zwei Dokumentationen zum Thema gezeigt. Mit besonderer Spannung erwartet: die Premiere der Poker-Doku „Von Haien und Fischen“.

„Woher das Pokerspiel stammt und welches genau seine Vorläufer sind, lässt sich nicht eindeutig klären. Fest steht, dass sich diese Form des Kartenspiels im 19. Jahrhundert mit rasanter Geschwindigkeit in den USA ausbreitete. Seit einigen Jahren erlebt das Spiel wieder einen wahren Boom, vor allem seit man auch online zocken kann. Die Regeln sind leicht zu lernen, und die Gewinne können beträchtliche Summen erreichen, selbst für Spieler, deren Blatt nicht das Beste ist, die aber das Bluffen perfektioniert haben.

Der Themenabend stellt ganz unterschiedliche Menschen vor, die sich mit Leidenschaft dem Poker verschrieben haben. Zu Beginn gibt es mit „Cincinnati Kid“ den Klassiker aller Pokerfilme mit Steve McQueen in der Titelrolle zu sehen.“

Mit diesem Intro begann gestern Abend der ARTE Themenabend „Passion Poker“. Danach sah man mal wieder in das ausdruckslose Gesicht von Steve „Cincinatti Kid“ McQueen. Beobachtete den sich unter Lügen windenden Karl „Shooter“ Malden und lauschte den Sinnsprüchen von Edward G. „Pokerkönig“ Robinson. Den Film haben selbst Pokerlaien wahrscheinlich schon ein halbes Dutzend mal gesehen. Es hätte zur Abwechslung und auch um die Aktualität besser abzubilden ruhig mal „Rounders“ sein können, mit dem ARTE das Thema „Poker“ anmoderiert.

Doch innerhalb der Pokerszene sind sowieso alle relevanten Spielfilme mit dem Hintergrund Poker längst alte Hüte. Und so konzentrierte sich das Interesse am gestrigen Sonntag ganz klar auf die Dokumentation „Von Haien und Fischen“ des Grimme-Preisträgers Rolf S. Wolkenstein, welche lange angekündigt ihre TV-Premiere feierte.

Schon das Intro ließ vermuten, dass man es hier mit der wohl besten Dokumentation der aktuellen Pokerszene zu tun bekommen könnte. Mit sonorere Stimme aus dem Off wurde der Mythos Poker geschickt mit seiner psychologischen, mathematischen und monetären Faszination für die gegenwärtigen Spielergeneration verknüpft, was Lust auf mehr machte.

Und so begann Wolkenstein auch klein und erklärte zunächst die Welt der Amateure und Semi-Pro`s. Seine Protagonisten: Ingo Schmidt-Tychsen und Alex Köpke. Vor allem Ersterer hatte als damals noch schreibender Reporter des „Tagesspiegel“ seine Faszination für Poker entdeckt, war nach der EPT Berlin 2010 von Poker angesteckt und sogar zum Manager des in Berlin lebenden russischen Semi-Pros Rustam Saparov aufgestiegen.

Wolkenstein begleitete Schmidt-Tychsen in die Wohnung seines Schützlings und beobachtete ihn  im Casino und bei Turnieren. Dabei führte er über den Novizen den Zuschauer auch immer wieder geschickt in die Termini der modernen Pokerwelt ein. Dabei kam es zu nicht immer geglückten Assoziationen, um auch den größten Laien nicht ganz ratlos stehen zu lassen. So wurde das Cash Game beispielsweise als kapitalistische Variante des Poker gesehen und das Turnierpoker als sein sozialistisches Pendant.

Eine Analogie, die auch Sandra Naujoks nicht wirklich nachvollziehbar erklären konnte. Sie nämlich wurde über ein gemeinsames Turnier mit Schmidt-Tychsen als nächste Protagonistin eingeführt.

Noch einmal wurde an ihren Triumph bei der EPT in Dortmund 2009 erinnert. Aber vor allem sollte sie die glamouröse Seite der Pokerwelt repräsentieren. Besonders lustig dabei war, dass Sandra Naujoks während der Doku plötzlich erblondet und heftig aufgepimpt erschien und dabei auch noch mit ihrer Vorgängerin Katja Thater konfrontiert wurde.

Ebenfalls sehr interessant: ein Kurzauftritt von Daniel Negreanu, in dem er Live-Tells erklärt und ein Gus Hansen, der sich wie ein lebender Anachronismus in voller FullTilt Montur zum Gespräch stellte.

Den wohl interessantesten und ungewöhnlichsten Blick hinter die Kulissen der Pokerwelt zeigten Christophe Crazy Sheep Gross und seine beiden WG-Kumpanen von Malta. Über einige Einsichten in die Welt des Online-Grinding dürfte man dabei innerhalb der Szene gar nicht so erfreut sein. So gab selbst der Kommentator aus dem Off zu: „Amateure wären wohl erschüttert, wie gläsern sie sich innerhalb der Online-Welt zeigen.“

So ließen sich Gross und seine beiden Malta-Buddies während des $2/ $4 Multitable-Grinding über die Schultern schauen und gaben ein paar Geheimnisse bezüglich des Trackings und Fisch-Huntings preis. Lustig war in jedem Fall, dass Christophe Gross bei allem Einblick in die eigentlich geheim gehaltenen Welten einmal nicht mal rechtzeitig sein Beutelchen Gras rechtzeitig verschwinden lassen konnte.

Insgesamt muss man sagen, dass Rolf S. Wolkenstein ein Einblick in die immer noch größtenteils klandestin agierende Pokerszene gelungen ist, wie er genauer momentan gar nicht zu haben ist.

Und vor allem mit seinem Schlusssatz dürfte er wohl auch das ein oder andere nicht pokerspielende Herz erwärmt haben.  „Wir alle, die im Leben auf die Jagd gehen, werden auch irgendwann zur Beute. Am Ende ist es immer das Wichtigste, im richtigen Moment loslassen zu können.“


Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare