Antoan Katsarov: „Mein Leben hat sich durch den Sieg nicht wirklich verändert“

Antoan Katsarov

Es sind Geschichten wie die von Antoan Katsarov, welche die Faszination von Poker ausmachen. Der Bulgare qualifizierte sich online für den Battle of Malta 2014 und verwandelte dort €10 in sage und schreibe €122.750. Wir haben uns sechs Monate später mit ihm am Ort seines größten Erfolges getroffen und wollten wissen ob, und wenn ja wie, dieser Sieg sein Leben verändert hat.

PZ: Hallo Antoan, zunächst einmal danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Kannst du dich bitte kurz unseren Lesern vorstellen und schildern wie du zum ersten Mal mit Poker in Kontakt gekommen bist?

AK: Ich habe vor vier Jahren während meines Zahnmedizinstudiums mit dem Pokerspielen begonnen. Ich war mir damals nicht sicher, ob es das ist, was ich mit meinem Leben machen will und habe nach Alternativen gesucht. Zunächst habe ich nebenher als Promoter gearbeitet, bevor ich Onlinepoker entdeckte.

Mein erstes Geld habe ich in Freerolls gewonnen und mich dann von ganz unten (NL2) nach oben gegrindet. Schnell konnte ich die ersten Erfolge feiern und mich später dazu entschlossen professionell Poker zu spielen.

PZ: Seit dem Sieg von Dimitar Danchev bei der PCA 2013 sind die Bulgaren bei Liveturnieren zu einer echten Größe geworden. Was ist deiner Meinung nach das Geheimnis dieses Erfolgs und kannst du die Pokerszene in Bulgarien bitte etwas genauer beschreiben?

AK: Es gibt ein paar Gruppen mit jeweils 5 bis 6 guten Spielern, die sich gegenseitig helfen, und sich untereinander austauschen.

Bulgarien
„In Bulgarien kann man mit Poker relativ einfach seinen Lebensunterhalt verdienen", sagt Katsarov.

Bulgarien ist eines der ärmsten Länder in Europa und das ist meiner Meinung nach auch der Grund für das schnelle Wachstum, da man mit Poker relativ einfach seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Mit 1.000 Dollar kann man in Bulgarien zwei bis drei Monate leben.  

PZ: Du kommst aus der Haupstadt Sofia. Was macht für dich den Reiz dieser Stadt aus, und habt ihr dort die Möglichkeit live zu spielen?

AK: Sofia ist eine sehr gute Stadt für Pokerspieler, da die Lebenshaltungskosten gering sind und Bulgarien eines der Länder mit den schnellsten Internetverbindungen der Welt ist.

sofia 1
„Sofia ist eine sehr gute Stadt für Pokerspieler", erzählte uns Antoan.

Andererseits ist das Land arm und die Kriminalität hoch. Außerdem hat PokerStars im August 2014 als erster Online-Pokerraum eine Lizenz erhalten, seitdem ist das Rake um einiges höher und der Markt wird immer mehr reguliert.

Onlinepoker ist jetzt zwar legal, aber dafür gibt es viel mehr Einschränkungen.

PZ: Wie bist du auf den Battle of Malta aufmerksam geworden und warum hast du dich entschieden dieses Turnier zu spielen?

AK: Als ich das Satellite gespielt habe wusste ich ehrlich gesagt noch gar nicht genau, was der Battle of Malta überhaupt ist. Ich spiele zwar professionell Poker und liebe das Spiel, aber die Szene an sich interessiert mich nicht wirklich.

PZ: Du hast dich beim BOM, dem größten Pokerturnier in der Geschichte Maltas, gegen 1.447 Spieler durchgesetzt und dein Buy-In von €550 in unglaubliche €122.750 verwandelt. Was ist seitdem passiert und hat sich dein Leben durch diesen Sieg verändert?

AK: Tatsächlich hat mich das Turnier noch viel weniger gekostet, da ich mich über ein €10-Satellite qualifiziert habe.

Der Battle of Malta 2014
Antoan verwandelte beim Battle of Malta 2014 €10 in €122.750!

Mein Leben hat sich duch den Sieg nicht wirklich verändert. Der größte Unterschied ist, dass ich meiner Meinung nach deutlich besser geworden bin.

Damals habe ich hauptsächlich Mid Stakes gespielt. Nach dem Sieg hatte ich dann die Bankroll für High Stakes MTTs. Dadurch habe ich sehr viel gelernt, da diese Games richtig tough sind.

Außerdem habe ich mich coachen lassen und mich mehr mit anderen Spielern ausgetauscht. Einige meiner Freunde sind erfolgreiche Onlinespieler und sie haben mir sehr geholfen mein Spiel zu verbessern.

PZ: Das Heads-Up des Battle of Malta wurde in der Szene heftig diskutiert, da ihr aufgrund der maltesischen Gesetzgebung nicht zu Ende spielen konntet, und einen Deal machen musstet. Was hältst du von diesem Ende und hat dies das Heads-Up beeinflusst?

AK: Ich war darüber alles andere als glücklich, da ich online hauptsächlich Heads-Up Hyper Turbos spiele. Heads-Up ist meine stärkste Disziplin und ich wollte zu Ende spielen, da ich mir recht sicher war, dass ich gewinnen werde.

PZ: Du hast deine eigene Pokerschule und machst auch Handanalysen für PokerStrategy. Wie kam es dazu und lässt du dich auch selbst von bekannten Spielern coachen?

AK: Ich habe ganz unten angefangen und mich dann Stück für Stück hochgearbeitet. Inzwischen habe ich schon ca. 4.000 Hände für PokerStrategy analysiert.

Collin Moshman
Collin Moshman hat mir sehr geholfen und ist zu einem guten Freund geworden."

Mir selbst halfen die Coachings von „Unam“, einem Heads-Up Sit and Go Coach aus der deutschen Community, und von "bah22" bei MTTs am meisten.

Zudem habe ich eine eigene Pokerschule namens YourPokerSchool gegründet auf der wir Strategievideos sowie öffentliche und private Coachings anbieten.

Dort coache ich mittlerweile 35 Schüler. Ihre Hände zu analysieren hat meinem eigenen Spiel ebenfalls sehr geholfen, da ich nun über ein gutes Verständnis von Situationen und Ranges verfüge.

PZ: Kannst du den Battle of Malta bitte mal mit der EPT Malta vergleichen. Wo liegen die Unterschiede und was sind die Gemeinsamkeiten?

AK: Die besten Turnierspieler der Welt spielen die EPT Main Events und die meisten davon sind Regulars. Zudem liegt das Buy-In über meiner Bankroll und ich würde mich dort nicht selbst einkaufen, da ich mich nicht auf demselben Level sehe wie eine Vanessa Selbst.

Der Durchschnittsspieler bei der EPT ist um einiges besser als beim Battle of Malta. Der BOM ist eher vergleichbar mit einem IPT Main Event. Bei diesen beiden Turnieren ist das Niveau fast dasselbe.

Antoan Katsarov
Wir trafen Antoan am Ort seines größten Erfolges und im November wird er dorthin zurückkehren, um seinen Titel beim Battle of Malta 2015 zu verteidigen.

Natürlich gibt es auch beim Battle of Malta einige gute Spieler, nur ist ihre Zahl halt deutlich niedriger als bei der EPT und der Value demzufolge viel höher.  

PZ: Was sind deine Pläne für die Zukunft, und wirst du deinen Titel beim Battle of Malta 2015 verteidigen?

AK: Mein Plan ist mehr Liveturniere zu spielen, und diese sehr genau auszuwählen.

Bei der UKIPT Nottingham werde ich auf jeden Fall dabei sein, und dann würde ich noch gerne einen Stopp der Estrellas Poker Tour spielen.

Im November komme ich dann zurück nach Malta und werde meinen Titel beim BOM verteidigen. Als amtierender Champion ist das eine Frage der Ehre.

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare