Andrey Pateychuk: „Ich wollte eigentlich Journalist werden.“

Andrey Pateychuk
Andrey Pateychuk,

Er hat den unglaublichsten Lauf des Jahres 2011. Andrey Pateychuk aus Russland gewann innerhalb von fünf Monaten die EPT San Remo, die WPT Prag und verpasste als 15. den Final table des WSOP Main Events nur knapp. Wir trafen den 21-Jährigen beim Highroller-Event der EPT Prag und erfuhren, warum er immer noch regelmäßig zu Vorlesungen geht und wie die russische Backer-Szene funktioniert.

Sein Name wurde auf der Seite des HendonMob im vergangenen Monat mit Abstand am häufigsten angeklickt. Andrey Pateychuk hat innerhalb der vergangenen fünf Monate zwei Major-Turniere gewonnen, die November Nine knapp verpasst und über 2 Millionen Dollar abgeräumt.

Dabei, das sagt der ruhige Moskauer hat er bis zur diesjährigen World Series nur einmal außerhalb der russischen Tournament-Serien, Russian Poker Tour (RPT) und Russian Poker Series (RPS) ein großes Turnier (Merit Poker Open Zypern) gespielt.

Im Juli dann konnte der 21-Jährige endlich erstmals zur WSOP. „Ich wurde gebackt von einer der drei großen russischen Backing-Fonds.“ Der von Max Katz, der offensichtlich auch große Anteile am Buy In von Weltmeister Pius Heinz hielt, war es allerdings nicht. Auch nicht der von Stanislav Alekhin (2. Platz WSOPE-Main Event, $917.000). Pateychuk bekam seine Buy Ins von Andrey Savichenko. „Allerdings ging diesem Fond nach der WSOP das Geld aus“, so Pateychuk. Selbst sein 15. Platz im Main Event hätte die miesen Ergebnisse der anderen Spieler nicht kompensieren können.

Für die EPT San Remo verkaufte Pateychuk deshalb wieder kräftig shares. „Einfach um die Varianz niedrig zu halten.“ Seinen Lauf mit zwei folgenden Major-Titeln konnte da keiner voraus ahnen. Auch weil den Moskauer einfach keiner auf der Rechnung hatte. Dabei, das sagt zum Beispiel Philipp Gruissem sei Pateychuk ein richtig guter Pokerspieler.

Begonnen hatte seine Poker-Karriere, wie die vieler anderer seines Alters beim e-gaming und zwar beim Counterstrike. „Ich spielte lange auf semiprofessionellen Niveau und musste mich irgendwann entscheiden, ob ich den nächsten Schritt mache oder ganz damit aufhöre.“ Pateychuk entschied sich für den Journalismus. Er begann auf diversen russischen gaming-Seiten Artikel und Blogs zu veröffentlichen und kam so über einen Freund zum Poker. „Ich habe mich ein halbes Jahr lang ausschließlich theoretisch mit dem Spiel beschäftigt und dann mit ganz billigen Sit-n-Go`s begonnen.“ Nach einem Jahr war er bereit in die Moskauer Live-Poker-Szene einzusteigen und baute dort seine erste Bankroll auf. Von da an ging alles schnell.

Besonders geholfen hat ihm vor allem sein Kontakt zur größten russischen Poker-Website „gypsy-team“ von Sergej Rybachenko. Das Patch trägt er immer noch. Aus Loyalität, wie er sagt. Immerhin hätten ihn seine Blogs und Artikel auf der Seite genug landesweite Popularität eingebracht, um seine ersten Shares für die teuren Turniere verkaufen zu können.

Mit seinen Gewinnen aus den vergangenen fünf Monaten ist Pateychuk nun selber zum Schwergewicht innerhalb der russischen Pokerszene aufgestiegen.

Ein Sponsor ist allerdings noch nicht an ihn herangetreten. Und Pateychuk will sich  auch nicht als Voll-Profi sehen. „Ich bin nur einmal eine Woche aller zwei Monate auf Poker-Tour, die restliche Zeit gehe ich zu Vorlesungen, um mein  Studium der Informations-Sicherheit abzuschließen.“

Die Reisen um die ganze Welt schätzt der selbst ernannte MTT-Spezialist trotzdem. „Es gibt ungefähr 50 Moskauer Pokerspieler, die regelmäßig an den großen internationalen Turnieren teilnehmen. Zwischen diesen Spielern gibt es einfach eine sehr herzliche und kameradschaftliche Atmosphäre. Das möchte ich noch ein paar Jahre genießen.“ 

 

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare