Andreas Wiese – der pokernde Halbtags-Arzt

Andreas Wiese

Andreas Wiese hat vor etwas mehr als einem Jahr den Final Table der EPT-Wien erreicht, wurde Sechster und gewann über 100.000 Euro. Seitdem wurde er öfter bei EPT-Turnieren gesehen und hat dort häufig gecasht. Dabei ist Wiese im wahren Leben Anästhesie-Arzt und damit innerhalb der deutschen Pokerszene ein echtes Unikum.

Andreas Wiese ist als EPT-Regular innerhalb der deutschen Pokerszene ein ungewöhnlicher Spieler. Wiese ist Anästhesie-Arzt und arbeitet Schichten in einem Klinikum in Hannover. Der sechste Platz in Wien vor etwas mehr als einem Jahr hat es ihm ermöglicht, nur noch mit einer halben Stelle zu arbeiten. Den Rest der Zeit sitzt er im Casino in Hannover oder ist unterwegs.

Von den 100.000 Euro Preisgeld hat sich der 35-Jährige in der Nähe der Hauptstadt Niedersachsens ein Haus gekauft. Trotzdem war immer noch soviel für die Poker-Bankroll übrig, dass er jetzt in einer anderen Liga als seine ebenfalls pokernden Freunde spielt. „Wir haben alle 2005, kurz vor dem Boom mit Poker begonnen und die meisten spielen es immer noch leidenschaftlich. Allerdings bin ich der Einzige, der sich nun ab und zu auch mal das Buy-in für eine PokerStars EPT leisten kann.“

Hier in Prag spielte Wiese schon im letzten Jahr und gewann als Dritter des €1000er Side-Events €19.000. Beim Snowfest wurde er 14., und auch in Berlin konnte er cashen. Nun ist er auch in Prag auf dem Weg zu einem weiteren Hendon-Mob-Eintrag.

Dabei ist Wiese im echten Leben Anästhesie-Arzt. Und zwar aus Leidenschaft. „Ich liebe meinen Beruf, bin aber auch froh, mich mit einer halben Stelle nicht überfordern zu müssen“, sagt er über sein geteiltes Leben. „Die andere Hälfte von mir ist Pokerspieler.“

Auch das aus Leidenschaft, wie der Niedersachse betont. „Ich kann Arzt sein, wann ich will und eine EPT spielen wann ich will. Ich würde an diesem Leben selbst dann nichts ändern, wenn ich wie Pius Heinz Millionen verdienen würde.“

Nur die WSOP in Las Vegas ist Wiese bisher versagt geblieben. Die WSOP, das ist meist in den Sommerferien und da haben die Urlaub, die Kinder im schulpflichtigen Alter besitzen. „Für mich“, so Wiese“ heißt das: Arbeiten.“

Die Zeit außerhalb des Krankenhauses ist für Poker reserviert. Und das ausschließlich live. Im Casino Hannover ist Wiese Stammgast. Bei Cash Games und Turnieren. Sein Limit dort €2/ €4. Größer geht’s in Hannover nicht. „Außerhalb Deutschlands spiele ich $5/$10. Höher hab ich es noch nicht probiert. Darunter wird es langweilig.“

Der wahre Kick sind für ihn die Major-Turniere. Für die qualifiziert sich der 35-Jährige normalerweise online, würde sich aber auch einkaufen. Prozente verkauft Wiese dabei nie. „Ich spiele immer ausschließlich für mich.“

Auf der Tour ist Andreas Wiese meist mit seiner Frau unterwegs. Andere Spieler kennt er nur wenige, und über Hände tauscht er sich auch nicht aus. Die Konzentration gilt seinem Spiel. Und der Reaktion der Kontrahenten. Für die hat der Arzt einen besonderen Blick: „Mathematik kann ich, aber die Psychologie ist meine Stärke. Was hilft, ist vor allem meine langjährige Live-Erfahrung. Hier gibt es immer noch eine Menge Online-Spieler, die es gewohnt sind vor dem Rechner zu toben, zu lachen und sich zu freuen. All diese Reaktionen, auch die mühsam unterdrückten, sind live natürlich absolut tödlich.“

Für die Verbesserung seines Spiels, das gibt Andreas Wiese zu, hat er nach dem Gewinn von Wien nicht mehr getan. Den Sieg bei einem Major-Turnier hat er dennoch nicht abgeschrieben. Dann könne ich für immer machen, was er jetzt gerade macht, nämlich ein pokernder Halbtags-Arzt sein. Denn: „Wenn es beim Pokern nicht mehr laufen würde, müsste ich wieder voll arbeiten und dann würde mir auch die Zeit fürs Pokern fehlen.“

 

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