Andrea Dato: „Den italienischen Pros bleibt nichts anderes übrig als ins Ausland zu ziehen”

Andrea Dato

Der Italiener Andrea Dato hat schon mehr als 1,5 Millionen Dollar bei Liveturnieren gewonnen und fiel am Final Table der EPT Barcelona durch seine sympathische Art, sowie eine beeindruckende Tischpräsenz auf. Im Interview verriet er uns, dass dies an seinem Beruf liegt und er spricht über die schwierige Situation für Poker Pros in Italien, und warum ihnen nichts anderes übrig bleibt als ihre Heimat zu verlassen.

PZ: Du hast hier einen sehr souveränen Eindruck hinterlassen und scheinst allein durch deine Körpersprache eine Message an den Tisch auszusenden.

AD: Ich sitze gerne an einem TV-Tisch und habe das Gefühl, dass mir das hilft, da ich unter druck am besten spiele. Außerdem spielen die meisten an einem TV-Tisch anders. Damit meine ich nicht schlechter, sondern einfach etwas aggressiver und das kann man zu seinem Vorteil nutzen.

Die Kameras und Mikrofone machen mir nichts aus, da ich als Dozent an einer Universität gearbeitet und Vorlesungen für 150 Studenten gehalten habe, deshalb bin ich daran gewöhnt.

Darüber hinaus ist es relativ einfach die unerfahrenen und Onlinespieler zu erkennen, weil diese nicht an den Trubel gewöhnt und daher oftmals nervös sind.

PZ: Im Gegensatz zu vielen anderen italienischen Spielern lebst du immer noch in Italien. Hast du auch vor dort zu bleiben?

AD: Nein, ich werde nächstes Jahr nach London ziehen, da es in Italien sehr schwer ist sich als Pokerspieler weiterzuentwickeln. Das höchste angebotene Limit ist sowohl live als auch online €5/€10.

Andrea Dato am Final Table der EPT Barcelona
Andrea Dato am Final Table der EPT Barcelona, wo er Vierter für €326.000 wurde.

Wenn du mit den internationalen Topspielern mithalten willst, dann musst du höher und bei den internationalen Klienten der Online-Pokerräume spielen, was von Italien aus nicht möglich ist.

Also bleibt dir als italienischer Poker Pro nichts anderes übrig, als ins Ausland zu ziehen, wo die Gegner besser sind. Selbst wenn die Gegner schlechter wären, würde es sich noch lohnen, da die Steuern in Italien hoch und die Bedingungen deutlich schlechter sind als in anderen Ländern.

Jedes Land hat seinen eigenen Stil und wenn man sich als Pokerspieler weiterentwickeln will, dann muss man die unterschiedlichen Spielweisen kennen und in ständigem Kontakt mit Spielern aus verschiedenen Ländern sein. Deshalb ist die Wahl auf London gefallen, auch wenn ich das Wetter dort nicht mag, alles andere ist perfekt für professionelle Pokerspieler.

PZ: Du warst letztes Jahr auch beim Battle of Malta am Start. Luca Moschitta ist kürzlich nach Malta gezogen und die Italiener machen beim BOM den größten Anteil des Starterfeldes aus. Wäre das nicht auch eine Option?

AD: Das hört sich zwar gut an, aber ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen in Malta zu leben. Dazu ist mir die Insel zu klein. Den Battle of Malta zu spielen hat aber viel Spaß gemacht und es kann gut sein, dass ich dieses Jahr wieder mit dabei bin.

PZ: Als Ingenieur muss man sich viel mit Mathematik auseinandersetzen. Hilft dir dein beruflicher Background beim Poker?

Andrea Dato WPT Venedig
Dato gewann im März diesen Jahres die WPT Venedig.

AD: Ja, er hat mir sogar sehr geholfen, weil ich dadurch eine wissenschaftliche Herangehensweise an das Spiel entwickeln konnte.

PZ: Heißt das, du arbeitest viel mit Wahrscheinlichkeiten?

AD: Nicht nur das, sondern ich verstehe auch warum es wichtig ist sich damit auseinanderzusetzen. Beim Pokern geht es darum komplexe Probleme zu lösen.

Du wirst mit einer Vielzahl von Problemen unter verschiedensten Bedingungen konfrontiert. Einige davon sind relativ einfach zu lösen und manche sehr schwierig oder gar unbekannt. Also gilt es eine Einschätzung abzugeben und entsprechend zu handeln.

Poker ist viel mehr als nur anderen ins Gesicht zu starren, aber auch nicht zu kompliziert, sodass es mit einem starken Willen jeder schaffen kann.

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