Amarillo Slim - Das gefallene Denkmal Teil 2

Amarillo Slim Preston

Zweiter Teil des Interviews von Nolan Dalla mit Amarillo Slim, der nach sechs Jahren sein erstes Interview exklusiv PokerListings gab.

In diesem Teil sprechen wir über die Vorgänge bei Gericht und die Vorwürfe wegen Unzucht, die belastete Beziehung zu seiner Familie und die Reaktion der Poker-Community auf den Rechtsstreit. Falls Sie den ersten Teil verpasst haben, finden Sie ihn hier.

Anm. d. Red.: Dalla und Preston sprechen zwar von Slim als „schuldig", tatsächlich wurde der Rechtsstreit jedoch außergerichtlich beigelegt.

ND: Sprechen wir über das Gerichtsverfahren. Sie haben sich am Ende schuldig bekannt.

AS: Ja, um der Sache ein Ende zu machen. Verdammt noch mal, die Sache zerstört meine Familie. Es schien mir das Beste zu sein, was ich tun konnte. Ich musste die Vorwürfe akzeptieren und bekam Bewährung. Es war keine große Sache.

Es gab keine Übergriffe. Ich konnte das so akzeptieren. Der wichtigste Grund war, dass ich nicht als Gegner meiner Frau, meiner Familie und vor allem meiner Enkelin vor Gericht stehen wollte. Wäre es zum Hauptverfahren gekommen, wäre ich mir selbst zum Feind geworden. Das hätte ich nicht ertragen.

ND: Letztlich bleibt es aber eine Tatsache, dass Sie sich der Körperverletzung schuldig bekannt haben. Sie haben vor Gericht gesagt, Sie seien schuldig. Warum sollten Sie das tun, wenn Sie in Wirklichkeit ein unschuldiger Mann sind?

AS: Als mein Anwalt mir sagte, es gäbe einen einfachen Weg, um die Sache zu beenden, fragte ich nur „wie"? Er erklärte mir den und sagte ok, wir machen es so.

Schließlich kam er vom Gericht zurück und sagte, ich sei auf Bewährung und müsse $4000 Strafe bezahlen. Man sagte mir, es handele sich jetzt um ein minderschweres Vergehen oder einfache Körperverletzung, was immer das heißen mag.

Ich fragte ihn, was er von der Einigung hielt, und er sagte - dadurch muss deine Familie nicht vor Gericht gehen und die Sache ist beendet. Sehen Sie, ich versuchte, meine Familie zu beschützen.

ND: Sie bekannten sich der Körperverletzung schuldig. Hatten Sie Angst, der sexuellen Belästigung angeklagt und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt zu werden?

AS: Nein! Die Vorwürfe wegen Misshandlung waren bereits fallen gelassen worden. Es wurde ja nicht einmal eine Kaution festgelegt. Glauben sie nicht, dass man mich bei einer Anklage wegen Misshandlung verhaftet und eine Kaution verlangt hätte?

ND: Es gab Spekulationen darüber, warum Sie sich schuldig bekannt haben. Manche sagen, ein Mann in den späten 70ern würde möglicherweise alles tun, um nicht in ein texanisches Gefängnis gehen zu müssen.

AS: Das ist es nicht. Ich hätte vor Gericht nicht allzu viel tun müssen. Es wäre ein Leichtes gewesen, den Fall zu gewinnen. Ich wollte einfach nicht, dass meine 12-jährige Enkelin vor Gericht aussagen muss.

ND: Es war Ihnen doch klar, dass die Öffentlichkeit von der Geschichte hören würde und glauben konnte, dass Sie noch schlimmerer Vergehen schuldig waren. Hatten Sie keine Angst, Ihren Ruf zu schädigen?

AS: Nein. Ich habe nicht einmal vor einem großen Grizzlybär Angst. Ich habe einfach das getan, was notwendig war - oder zumindest, was ich für notwendig hielt.

ND: Hat Sie das seelisch belastet?

AS: Ja, sehr. Alles, was ich liebte, war fort. Es war mir einfach genommen worden.

ND: Jetzt sagen Sie, Sie hätten die Unterstützung Ihrer Familie. Wann kam diese zu Ihnen, um den Streit beizulegen?

AS: Ja, sie kamen alle zu mir, als sie merkten, das alles falsch gelaufen war. Ich weiß nicht mehr genau, wann das war, aber plötzlich wurde ich wieder ständig angerufen und besucht.

Wir saßen wieder alle in einem Zimmer, aßen zusammen und schwammen im selben Pool. Alle drehten sich um 180°.

ND: Sicher ist Ihnen bewusst, dass Sie den Ruf haben, sehr gut manipulieren und andere für sich einnehmen zu können. Sie wissen, wie Sie das bekommen, was Sie haben möchten. Sie erledigen Dinge. Kurz gesagt, Ihnen ist so ziemlich alles zuzutrauen. Haben Sie sich freigekauft?

AS: Nein. Manche Leute denken das, aber sie können ja denken, was sie wollen. Solange sie wissen, dass ich kein Kind misshandelt oder belästigt habe. Das habe ich nicht.

ND: Sprechen wir über die Reaktion der Öffentlichkeit auf diese Angelegenheit.

AS: Associated Press härte davon, wollte die Geschichte aber nicht bringen. Warum nicht, weiß ich nicht. Dann schrieb John L. Smith vom Las Vegas Review Journal den furchtbarsten Artikel, den ich je gesehen habe.

Ich habe jedoch nie mit ihm gesprochen, und in dem Artikel stehen keinerlei Fakten. ER sagte, die Leute nannten mich nun „Amarillo Slime". Mir ist das nie zu Ohren gekommen. Vielleicht mache ich ja mal ein Interview mit ihm und einem Baseballschäger.

ND: Aber Smith schrieb seinen Artikel, wie es die meisten tun, auf Basis der Gerichtsprotokolle...

AS: Auf Basis der Aussage eines Bezirksstaatsanwaltassistenten.

ND: Ja, aber er schrieb auch, dass Sie sich drei Vorwürfen gegenüber schuldig bekannt haben - richtig?

AS: Richtig, weil man mir geraten hatte, das zu tun. Diese furchtbare Geschichte musste ein Ende haben. Außerdem ging es dabei um Körperverletzung, nicht um Belästigung oder so etwas.

Dann wollte natürlich jeder davon gehört haben, und plötzlich las ich, dass ich mich der Kindesmisshandlung und was weiß ich schuldig bekannt hätte und zugegeben hätte, pädophil zu sein. Es wurde immer schlimmer.

Und es stimmt einfach nicht. ich kann ja das Wort pädophil kaum aussprechen. Ich verachte es. Ich widerspreche mit jeder Faser meines Körpers. Ich war 77 Jahre alt, und plötzlich fange ich an, Kinder zu missbrauchen?

Wie? Wo ist denn da die Logik? Eine Internetseite [WickedChopsPoker] hat mich als Pädophilen bezeichnet. Ich überlege, sie zu verklagen, wenn sie keine Gegendarstellung veröffentlichen, weil nichts davon wahr ist.

Damals, als ich noch Sex haben konnte, heute geht das nicht mehr - da kann man nichts machen - hatte ich soviel Sex wie ich konnte. Warum sollte ich also warten, bis ich impotent bin, bevor ich so etwas tue?

ND: Können Sie sich denn vorstellen, dass ein Journalist, der die Geschichte verfolgt und hört, dass Sie sich schuldig bekennen, eine Menge Spekulationen über Ihre Person anstellt?

AS: Schon. Aber zu behaupten, ich hätte ein Kind missbraucht? Nein. Da muss ich mich wehren. Möchten Sie wissen, wie viele Psychiater und Berater ich besucht habe? Fünf. Der Bezirksstaatsanwalt hat die Termine angeordnet. Jeder einzelne von ihnen sagte: „Es gibt nichts, was wir mit diesem Mann machen könnten. Er ist genauso wenig ein Sexualtäter wie ich."

ND: Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie manche Dinge anders machen?

AS: Ich habe mich mit meiner Familie ausgesprochen, darüber, was ich vor Gericht getan habe. Sie wissen jetzt, was ich gemacht habe. Ich weiß es, und sie wissen es. Ich versuchte, meine Familie zu schützen. Und verdammt noch mal, ich würde es genauso wieder tun.

ND: Wenn Sie heute in einen Pokerclub kommen, werden manche der Leute Ihnen nicht mehr den Respekt von früher entgegenbringen.

Amarillo Slim Preston
"Ich glaube, es gibt eine Reihe von Scheinheiligen in der Pokergemeinde, und viele von ihnen schulden mir was."

AS: Ja, und das hat mich gestört. Aber mir gegenüber hat nie jemand etwas Negatives gesagt. Egal, ob ich gespielt habe oder nicht. Ich glaube, es gibt eine Reihe von Scheinheiligen in der Pokergemeinde, und viele von ihnen schulden mir was.

Keiner hat sich jemals demonstrativ auf meine Seite gestellt ... Ich höre einfach nichts mehr von ihnen. Wenigstens ein paar hätten mich ja unterstützen können. Aber nichts dergleichen geschah.

ND: Möchten Sie Namen nennen?

AS: Sie wissen schon, wenn sie gemeint sind.

ND: Haben Sie von irgendjemandem aus der Poker Community Unterstützung erhalten?

AS: Nein, aber ich habe auch nicht danach gesucht. Aber ich hätte sicher gerne welche erfahren. Ich möchte hier sagen, dass eine Person aufgestandne ist und gesagt hat, dass die Vorwürfe gegen mich unmöglich stimmen können.

Er sagte zu jedem, dass er mit mir jahrelang unterwegs gewesen war und im selben Raum geschlafen hatte. Er sagte, dass die Dinge, die man mir vorwarf, niemals wahr sein konnten.

ND: War Doyle Brunson der Spieler, der sich für Sie einsetzte?

AS: Ja.

ND: Trotz alldem wird es weiterhin Leute geben, die sagen, er ist Amarillo Slim. Er zieht sich immer aus der Affäre. Er ist sogar der Justiz entkommen. So ist er, und er ist schuldig. Was sagen Sie dazu?

AS: Sie kennen die Wahrheit nicht. Sie sollten jemanden nicht verurteilen, ohne Beweise zu haben. Niemand hat jemals ausgesagt, dass ich etwas Falsches getan hätte.

Die Kleine musste nie zu einem Kinderbetreuer, weil nie etwas passiert ist. Die Misshandlungsvorwürfe gegen mich wurden fallen gelassen. Die Grand Jury hat nicht einmal gehört, dass ich einen Lügendetektortest bestandne habe.

Meine ganze Familie steht mir zur Seite, auch meine Enkeltochter. Ich weiß nicht, was ich noch tun soll, um meine Unschuld zu beweisen. Und jetzt bin ich bereit, darüber auch in der Öffentlichkeit zu sprechen.

Mein besonderer Dank gilt Michael Hirschensohn für seine Bemühungen, dieses Interview zu organisieren.

 

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