Alles über Reverse Implied Odds

David Sklansky
David Sklansky ist ein Spezialist für den mathematischen Zugang.

Setzt Ihr Gegner auf dem Flop, bedeutet ein Call noch lange nicht das Ende der Hand. Ohne Frage sind danach zwei weitere wichtige Setzrunden zu spielen.

Haben Sie eine mäßige Hand, mit der Sie den Showdown erreichen wollen, können die „Reverse Implied Odds“ dieser folgenden Setzrunden dazu führen, dass Sie eine Menge Geld verlieren.

Nach Ihrem Call auf dem Flop müssen Turn und River immer noch gespielt werden, und Ihr Gegner entscheidet sich womöglich, in einer oder beiden Setzrunden erneut anzuspielen.

Diese zukünftigen Setzrunden können mithilfe der Implied Odds und der Reverse Implied Odds beurteilt werden.

Mit einem Draw profitieren Sie von den Einsätzen in späteren Setzrunden. Vielleicht bekommen Sie nicht die ausreichenden direkten Pot Odds für Ihren Call, doch durch die Implied Odds der beiden verbleibenden Setzrunden wird der Call profitabel.

Reverse Implied Odds funktionieren genau umgekehrt. Nehmen wir zum Beispiel an, Sie haben eine gute, aber nicht überragende Hand, die sich kaum noch verbessern kann. Konfrontiert sind Sie mit einem Gegner, der entweder eine bereits bessere Hand hat oder diese mit recht hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Ende noch entscheidend verbessert.

Diese anstehenden Setzrunden können Sie am Ende eine Menge Geld kosten.

Das Problem mit dominierten Händen

So hilfreich die Implied Odds bei Suited Connectors und niedrigen Paaren sind, so unerfreulich sind sie mit potentiell dominierten Händen.

Treffen Sie mit Ihrer dominierten Hand den Flop, sieht sie zunächst gut aus. Womöglich haben Sie die beste Hand, doch am Ende kann es Sie mehr kosten, dies herauszufinden, als Sie hofften.

mike caro 2424
Mike Caro kennt die Odds, verlässt sich aber noch mehr auf Psychologie.

Schauen wir uns dazu ein Beispiel an.

Sie spielen im Internet mit Blinds von $1/$2 an einem Sechsertisch, die effektiven Stacks betragen $200. Ein aggressiver TAG raist vom Button auf 8 $ und Sie bezahlen im Big Blind mit K J.

Auf dem Flop kommen       Sie checken, Ihr Gegner setzt $13 und Sie callen.

Sie haben Top Pair mit einem guten Kicker. Ihre Hand könnte momentan durchaus die beste sein, und wenn Ihr Gegner mit $13 All-In wäre, hätten Sie den einfachsten Call der Welt. Aber die Hand ist nicht vorbei …

Auf dem Turn kommt die 5. Ihr Gegner setzt $30 und Sie callen wieder. War Ihre Hand auf dem Flop die beste, hat sich daran nicht geändert – aus diesem Grund callen Sie erneut.

Auf dem River kommt die 5. Ihr Gegner setzt $55 und Sie callen wieder.

Sie meinen, dass Sie zu gute Pot Odds für einen Call bekommen und Ihr Gegner auch bluffen könnte. Auf diese Weise überreden Sie sich zu einem Call.

Ihr Gegner zeigt A K und bekommt die $197 im Pot.

Wie Sie sehen, rannten Sie mit Ihrer Hand in das Problem der Reverse Implied Odds. Unglücklicherweise gab es nach dem Flop noch zwei weitere Setzrunden und Ihr cleverer Gegner machte von seinem Recht Gebrauch, in jeder anzuspielen.

Da Ihr Gegner Position hat, kann er in späteren Setzrunden unter Umständen zurückstecken, wenn er sich als geschlagen betrachtet. Liegen Sie richtig, gewinnen Sie deshalb nur einen kleinen Pot, verlieren aber einen richtig großen, wenn Sie falsch liegen.

Gute, aber nicht überragende Hände auf gefährlichen Boards

Ein anderes Problem können Sie mit einer Hand bekommen, die wenig Verbesserungschancen hat und vom Gegner bereits geschlagen wird oder mit recht hoher Wahrscheinlichkeit bis zum River überholt wird.

Gus Hansen
Wenn Gus Hansen so aussieht, ist er nicht verzweifelt, sondern rechnet.

Ein Beispiel dafür ist ein schwaches Top Pair auf einem extrem drawlastigen Board.

Wie in diesem Fall:

Sie spielen im Internet mit Blinds von $1/$2 an einem Sechsertisch, die effektiven Stacks betragen $400. Sie haben im Big Blind mit A J.

Ein Spieler in später Position raist auf 6 $ und Sie reraisen auf 20 $. Er callt und der Flop bringt      

Sie setzen $30 und er raist auf $65.

Was sollen Sie tun? Ihre Hand könnte momentan zwar die beste sein, aber das Board ermöglicht viele Draws. Raist Ihr Gegner mit einem Semi-Bluff, müssen Sie Ihren gesamten Stack riskieren, um die Wahrheit herauszufinden.

Auch in diesem Fall könnten Sie problemlos callen, wenn Ihr Gegner All-In wäre, da Sie ohne weitere Investitionen den Showdown sehen könnten.

In diesem Fall funktioniert dies aber nicht. Sie haben effektive Stacks mit 200 BB und wenn Sie jetzt callen, folgen auf dem Turn oder/und River womöglich weitere Bets.

Was können Sie also tun? Die Hälfte des Kartenstapels enthält gefährliche Karten und es wird fast nie eine sichere Fortsetzung nach einem Call geben.

Viktor Blom
Viktor Blom stellt seine Gegner gerne vor die All-in oder Fold Entscheidung.

Damit bleiben als Optionen nur All-In oder Fold übrig. Da Sie bei einem All-In nie von einer schlechteren Hand gecallt werden, fahren Sie besser, wenn Sie nach dem gegnerischen Raise auf dem Flop direkt folden.

Ihr Umgang mit Reverse Implied Odds

Nach diesen beiden Beispielen dürfte klar sein, warum Situationen mit Reverse Implied Odds Ihrem Erfolg beim Poker definitiv abträglich sind. Da Sie aber nicht komplett vermieden werden können, ist es am besten, Sie zu erkennen und sich in großen Pots nicht allzu sehr darin verwickeln zu lassen.

Auch wenn jede Spielweise in einer Situation mit Reverse Implied Odds ätzend ist, ist die sicherste Methode in der Regel diejenige, die am wenigsten unangenehm ist.

Die sichere Variante, sprich ein Fold in Situationen mit schlechten Reverse Implied Odds, spart Ihnen auf Dauer mehr Geld als Sie gewinnen können, wenn Sie callen und richtig liegen.

Halten Sie nach Situationen Ausschau, in denen Ihre passable Hand sich kaum noch verbessert und Sie mit einem Gegner konfrontiert sind, der entweder die bessere Hand hat oder sich bis zum River entscheidend verbessert, und gehen Sie diesen aus dem Weg.

Ihrer Gewinnrate wird dies sehr gut tun.


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