Poker mit Mafiosi, Milliardären und Präsidenten

Alex Stevic
Keine Angst vor großen Tieren - Alex Stevic.

Alex Stevic gewann den allerersten EPT Main Event. Heute spielt er lieber an exotischen Orten mit dubiosen Geschäftsleuten und Diktatorensöhnen.

Vor zehn Jahren begann die Geschichte der EPT, und sie begann in Barcelona.

Der erste Main Event hatte €1100 Buy-in, 229 Spieler nahmen teil, und Stevic gewann neben dem Titel einen Scheck über €80.000. Lang‘ ist’s her.

Seitdem hat Poker sich konsequent weiterentwickelt und ist aus dem sprichwörtlichen Hinterzimmer auf die große Bühne gezogen.

Von Alexander Stevic, einem Schweden mit jugoslawischen Wurzeln, hat man nicht allzu viel gehört in dieser Zeit. Er fand einen faszinierenden Weg, um sich in Gegenrichtung zu bewegen.

Unser französischer Kollege Fred Guillemot entlockte dem ersten EPT-Tielträger einige erstaunliche Aussagen.

PL: Zunächst mal, freust du dich, wieder in Barcelona zu sein?

AS: Ja, unbedingt. Ich habe hier die erste EPT gespielt, wurde Erster, und jetzt sind zehn Jahre vergangen.

Die eins und die zehn sind so eine Art Glückszahlen für mich. Auch die 29. Ich habe so einen Zahlentick.

Ich habe früher viel Roulette gespielt, und da war die 29 meine Lieblingszahl. Aber dann habe ich zuviel Geld verloren.

PL: Also magst du die 29 nicht mehr?

AS: Nein, ich mag Roulette nicht mehr.

PL: Was ist eigentlich passiert, nach dem Titel 2004?

AS: Kaum jemand erinnert sich, aber ich wurde danach auch Dritter des Finales in Monte Carlo.

godfather
Mit Mit Mafiosi macht Poker am meisten Spaß.

Danach habe ich zwei Jahre lang ständig Turniere gespielt, hatte aber kaum Erfolge.

So etwas wird schnell ziemlich teuer, deshalb verlegte ich mich auf Cash Games, und die spiele ich heute hauptsächlich immer noch.

PL: Du bist demnach immer noch Profi?

AS: Ja, aber ich halte mich von den ausgetretenen Pfaden fern. Ich reise lieber durch die Welt und spiele an exotischen Orten.

Da ich gar kein so guter Spieler bin, all die jungen sind viel besser als ich, also gehe ich dahin, wo die wichtigste Fähigkeit, die man benötigt, darin besteht, in eine Partie hineinzukommen.

Und das kann ich ziemlich gut. Ich finde die richtigen Leute, freunde mich mit ihnen an, und irgendwann spielen wir dann Poker.

Meistens findet das privat statt, nicht in Casinos. Da sitzen an den Hold‘em $2/$4-Tischen haufenweise richtig gute Spieler.

Man muss in die $25/$50 PLO Partien. Da sitzen die Typen mit Kohle.

PL: Sind das auch die mit eine Knarre unter dem Tisch?

AS: Ja, manchmal finde ich mich an wirklich merkwürdigen Orten wieder. Vor fünf Jahren war ich gerne in Brasilien. Damals war ich oft der einzige Profi am Tisch. Heute ist das natürlich anders.

Ich saß mal neben einem, der so aussah, als hätte er in seinem Leben noch keinen Tag gearbeitet.

Ich hörte dann, dass einer seiner Vorfahren Brazilia geplant hat und seiner Familie halb Sao Paolo gehört – er war Milliardär.

Demnächst fahre ich nach Afrika. Nicht nach Marokko, da fahren jetzt alle hin. Ich gehe nach Madagaskar, Nigeria, Angola, Äquatorial-Guinea.

Es ist ziemlich schwierig, da überhaupt reinzukommen, aber ich habe schon meine Beziehungen.

Ich kenne einen koreanischen Architekten, und der kennt den Sohn des Präsidenten von Äquatorial-Guinea.

alex stevic
Alex Stevic - seit sieben Jahren auf dem Weg nach Lissabon.

Das Land ist eine Diktatur und nicht wirklich sicher, aber ich habe eine Einladung. Und es gibt dort richtig hohe Partien.

PL: Wie zum Teufel triffst du solche Leute?

AS: Ganz einfach am Pokertisch. Er war nett, aber ein bisschen sonderbar, als fragte ich ihn, was er denn so macht in Afrika.

Er erzählte mir dann ein paar coole Geschichten, und damit war mein Interesse geweckt. Ich lud ihn zum Essen ein, wir freundeten uns an, und dann lud er mich nach Äquatorial-Guinea ein.

Er sagt, über die Polizei müsse ich mir keine Sorgen machen, er sei mit dem Sohn des Präsidenten befreundet.

PL: Hast du denn keine Angst?

AS: Nö, am meisten Spaß macht es, gegen Mafiosi zu spielen. Nicht gegen einen Haufen Gangster mit 20.000 Euro in der Tasche, die sind unheimlich.

Man muss mit den dicken Fischen spielen, die es geschafft haben, 40 Jahre lang nicht verhaftet zu werden. Die haben Geld, die suchen keinen Ärger, die werfen ihr Geld zum Fenster hinaus.

PL: Es muss dir irgendwie langweilig vorkommen, eine EPT zu spielen.

AS: Nein, das macht auch Spaß. Man hat mich gewarnt, dass es mir hier in Barcelona nicht mehr gefallen würde. Zu konventionell, zu groß usw.

Aber es gefällt mir sehr gut. Alles hier läuft wie geschmiert. Ich glaube, ich sollte wieder mehr Turniere spielen.

Übrigens war ich letztes Jahr auch bei der EPT Madrid, weil ich dort wohne.

PL: Wie kommt`s?

AS: Vor sieben Jahren besuchte ich jemanden in Barcelona. Eines Nachts verloren wir einen Haufen Geld und entschieden um vier Uhr morgens, nach Lissabon zu fahren.

Wir sprangen in unseren Wagen und fuhren los. In Madrid machten wir eine Pause in einem netten Hotel.

Und dann ... das ist jetzt sieben Jahre her, und ich war immer noch nicht in Lissabon. Ich liebe Madrid, und ich liebe den Süden.

In meiner Heimatstadt Göteborg könnte ich nicht mehr leben.

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