„Das Wissen über Poker hat sich exponenziell entwickelt“

Alex Meidinger

Geht es nach Alexander Meidinger, sieht die Zukunft der Pokerprofis nicht gerade rosig aus. Dabei hat sich der 28-jährige aus der Oberpfalz vor zwei Jahren selbst dazu entschlossen, Poker professionell zu betreiben.

Während seines Studiums der Volkswirtschaft lernte er No-Limit Hold’em kennen, verbesserte sukzessive sein Spiel und entschloss sich nach seinem Abschluss, den Sprung in die kalten Gewässer des Profitums zu wagen.

„Ich wollte das einfach mal ausprobieren und herausfinden, wie ich dabei abschneide“, so Meidinger bei der WPT Prag, wo er am Main Event teilnimmt.

Sein größter Live-Erfolg ist ein 1. Platz bei der CAPT Bregenz in diesem Frühjahr, online ist der Sieg beim traditionellen Warm-Up von PokerStars im Herbst 2011 mit 120.000 Dollar Prämie sein bestes Ergebnis.

Aus seiner studentischen Pokerleidenschaft, die vor allem den Sit‘n‘Gos gilt, ist sogar ein Buch entstanden. „Innerhalb der Szene lernte ich mit Andreas Wildt einen anderen Spezialisten kennen und wir waren beide der Meinung, dass die bisherige Literatur von Moshman und Shaw nicht mehr zeitgemäß sei, weil darin die modernen technischen Hilfsmittel keine Berücksichtigung finden.“

sng poker gewinner

Das Buch

Aus der Idee wurde ein Plan, und als Meidinger in Saalbach/Hinterglemm Markus Golser kennenlernte, der ihn an den Verlag Premium Poker Publishing vermittelte, hatten er und sein Co-Autor bald einen Vertrag.

Gut ein Jahr ist Sit ‘n Go Poker – Wie die Profis langfristig Geld verdienen nun auf dem Markt, doch reich wird man damit nicht. Auf die Frage, ob er nochmal ein Buch schreiben würde, meint Meidinger: „Mit Pokern hätte ich in der Zeit mehr Geld verdient, aber ein Buch bringt auch einen immateriellen Wert mit sich, wie Stolz und Anerkennung.“

Sollte ihn noch einmal ein Thema so interessieren wie die SNGs, schließt er deshalb auch keine zweite Buchveröffentlichung aus.

Die Bekanntschaft mit Markus Golser führte auch dazu, dass Meidinger als SNG-Coach für CardCoaches verpflichtet wurde, mittlerweile ist er dort wegen der vielen Startschwierigkeiten aber wieder ausgestiegen.

Für die Zukunft des professionellen Pokerspiels sieht er eher düstere Zeiten kommen. „Früher war es so, dass Poker nicht nur ein sehr komplexes Spiel war, sondern auch intransparent. Es gab zwar eine mathematische Beschäftigung damit, aber man dachte nicht in Ranges oder sogar Kombinationen. Die Komplexität wurde nach und nach transparenter, und das auch noch exponentiell und nicht linear.“

Darin sieht Meidinger das größte Problem. Die Rasanz, mit der die Spielstärken steigen, ist atemberaubend. „Grundsätzlich gibt es einen sehr starken Trend in Richtung Lösung des Spiels. Das ist zwar noch nicht der Fall, bewegt sich aber immer schneller darauf zu.“

Vor allem bei SNGs mit deren kleinen Stacks sind die optimalen Lösungen mathematisch leichter zu ermitteln. Demnach ist es laut Meidinger „nur eine Frage der Zeit, wann der Vorteil für das Gros der Spieler nicht mehr ausreicht, um das Rake zu schlagen“.

Poker ist ein tolles Hobby, aber...

Alexander Meidinger
Poker bietet viel Licht und Schatten.
 

Ein paar Jahre wird es für Alexander Meidinger aber schon noch dauern, „da es immer noch schlechte Spieler gibt“. Mittelfristig jedoch hegt der Volkswirt andere Pläne als Poker.

Als Wissenschaftler war er davon fasziniert, „mit unvollständigen Informationen zu arbeiten und ein Glücksspiel in den Griff zu bekommen“, doch langfristig will er seinen Lebensunterhalt anders verdienen.

„Ich würde heute niemandem mehr raten, Pokerprofi zu werden. Es ist ein tolles Hobby, aber auf lange Sicht nicht mehr zum Geldverdienen geeignet. Vielleicht noch 5 bis 10 Jahre, für alle, die nicht Phil Ivey oder Tom Dwan sind.“

Doch selbst wenn Meidinger seine Profikarriere an den Nagel gehängt hat, wird er Poker weiter als Hobby betreiben, solange er positiv, oder wenigstens nicht negativ abschneidet.

Dementsprechend fällt auch sein Schlusswort aus. Auf die Frage, was er nach einem Turniersieg bei der WPT Prag mit dem Geld anfangen würde, meint er: „Den Großteil würde ich in meine zukünftige Existenz investieren.“

In Prag wird er aber auf jeden Fall noch bei einigen Turnieren dabei sein. Neben der WPT spielt er auch die EPT, außerdem je nach Entwicklung diverse Side Events. Geht es nach Sympathiewerten, kann man ihm dafür nur den größten Erfolg wünschen.

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