Automaten sind die schlimmste Sucht

spielsucht

In der Suchthilfezentrale Duisburg gehen hunderte Spielsüchtige ein und aus. Manche haben ihre gesamte Existenz verzockt. Die wenigsten von ihnen spielen Poker.

Von der Wii-Spielekonsole für das eigene Kind bis hin zum Einfamilienhaus – Spielsüchtige, die die Kontrolle verlieren, verlieren oft auch alles, was sie haben. Die Zahl der Kranken steigt.

80% der Betroffenen spielen an Geldspielautomaten, weitere 10% verlieren ihr Geld im Casino bei Roulette und Blackjack. Die restlichen 10% teilen sich auf in Sportwetter und/oder Pokerspieler. Neun von zehn Süchtigen sind Männer.

Die Zahl der Abhängigen von so genannten Daddelmaschinen liegt daher geschätzt zehn bis 15 Mal so hoch wie die der Pokerspieler.

Der Umsatz der Geldspielerindustrie wächst. Während bspw. Online Poker nach den Hype im ersten Jahrzehnt inzwischen eine Konsolidierung erfährt, sprießen Spielhallen weiter wie Pilze aus dem Boden.

In einer typischen deutschen Großstadt wie Duisburg kommt laut derwesten.de ein Spielautomat auf 238 Einwohner. Bei 1250 Automaten in der Stadt gibt es ca. 1500 Spielsüchtige. Allein in Nordrhein-Westfalen setzte die Glücksspielindustrie im letzten Jahr 744 Mio. Euro um.

Selbst Casinosprecher wie der Spielerschutzbeauftragte der Westspiel-Gruppe David Schnabel kann sich dem Konflikt nicht entziehen: „Es gibt da bei den Kommunen in der Tat eine Art Doppelmoral.“ Allerdings sehe er das Angebot eines Westspiel-Casinos „im Wettbewerb zu Kino und Theater“. Einen Vergleich der Einsätze, z. B. der Stakes bei Poker in einem Casino im Vergleich zum Online-Angebot stellte derwesten.de nicht an.

Die Gründe dafür, dass zwar laut über Online-Poker gestritten wird, die vielfach gefährlicheren Geldspielautomaten dagegen bei der Diskussion um Spielsucht hartnäckig ignoriert werden, sind politischer Natur.

Hochrangige Politiker wie z. B. der inzwischen verstorbene Otto Graf Lambsdorff – FDP-Vorsitzender und in den 1980er Jahren Wirtschaftsminister – oder SPD-Spitzenpolitiker Wolfgang Clement – ehemals Ministerpräsident von NRW und in den Jahren 2002-2005 ebenfalls Wirtschaftsminister des Bundes – waren bzw. sind Lobbyisten der Spielautomatenbranche.

Bis vor etwa 20 Jahren wurde sogar quer durch die deutsche Parteienfamilie abgestritten, dass es so etwas wie „Glücksspielsucht“ überhaupt gibt.

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