Ohne Schmerzen – Die Pokerkunst des Leon Tsoukernik

Von: Rainer Vollmar
14 Februar 2013
Geposted in: The Raise - Rainers Rückblick
Leon Tsoukernik

Man weiß nur wenig über Leon Tsoukernik. Sicher, der Mann aus Tschechien ist mittlerweile in der Szene bekannt wie ein bunter Hund und als Gründer und Besitzer des King’s Casinos in Rozvadov ein echter Pionier.

In wenigen Jahren baute Tsoukernik an der deutsch-tschechischen Grenze das vermutlich wichtigste private Casino Europas auf und schaffte es, dieses mit erstaunlichen Overlays in der Gründungsphase rasch als erste Anlaufstelle für die deutschsprachigen Pokerspieler zu verankern.

Leon Tsoukernik weiß also, wie man Geschäfte treibt, über sein angeblich achtstelliges Vermögen kursieren die Gerüchte, wirklich bekannt ist aber nur, dass er eine Menge Geld mit Kunstwerken aus der Biedermeierzeit verdient hat.

Mit seinem Privat- und Geschäftsleben geht der Tscheche offenbar sehr defensiv um, doch am Pokertisch erlebt man einen ganz anderen Leon Tsoukernik.

Neben Hermann Pascha hat er sich als Kultfigur der German High Roller etabliert und ist aus der Sendung nicht mehr wegzudenken.

no pain

Während Pascha seinen legendären Ruf jedoch eher verbalen Kleinoden und weniger seinen Pokerkünsten zu verdanken hat, basiert Tsoukerniks Legendenstatus auf seinem geradezu unfassbaren Spiel.

Hat er einmal zu setzen begonnen, hört er bis zum River nicht mehr auf, und dabei spielt seine Hand eine, vorsichtig ausgedrückt, untergeordnete Rolle. Tsoukernik ist der Prototyp des loose-aggressiven Maniacs, mit VPIP-Werten jenseits der 70 und einem Aggressionsfaktor, der selbst einem Tom Dwan oder Viktor Blom Schwindel verursacht.

Leon Tsoukernik spielt eben anders als „normale Pokerspieler“. Er spielt nicht, um zu gewinnen, sondern um zu spielen. Gewinne nimmt er genauso achselzuckend zur Kenntnis wie Bad Beats. Dabei ist er mitnichten ein schlechter Spieler. Seine Handanalysen sind oft gut, doch zieht er daraus andere Konsequenzen als der gemeine Pokerspieler.

In der spektakulären letzten Hand der vergangenen Staffel der German High Roller schloss Tsoukernik korrekt anhand der Action (All-In von Hermann Pascha und Ronny Kaiser), dass seine AA63 auf einem Flop mit QQ2 nicht mehr vorne lagen. Während jedoch der „normale Pokerspieler“ folgerichtig gefoldet hätte, versuchte Tsoukernik zu „erfühlen“, ob noch ein Ass kommen würde.

Schließlich callte er und bekam Recht. Dramaturgisch perfekt lieferte der Dealer auf dem River ein Ass und bescherte Tsoukernik den Pot mit 133.000 Euro. Entsetzen bei Ronny Kaiser, der mit KT22 das Underfull gefloppt hatte, nun mit leeren Händen dastand und fluchtartig den Ort des Geschehens verließ.

Neben garantiert blendender Unterhaltung für den Kiebitz sind dies die gelegentlich unvermeidlichen Konsequenzen des Tsoukernikschen Pokeransatzes. Wer zu selten foldet, verliert auf Dauer, doch setzt er hin und wieder einen für den Gegner äußerst empfindlichen Nadelstich. Vermutlich sind das die Momente, für die sich Leon Tsoukernik an den Tisch setzt.

Er will nicht Poker aus dem Lehrbuch spielen und sich am Ende wegen fehlerfreien Spiels keine Vorwürfe machen müssen, sondern zocken und ab und an in den Genuss eines solch großen Moments kommen. Dafür investiert er eine Menge Geld und verschafft dem Zuschauer einen gelungenen Abend.  

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