40 Jahre WSOP - die 90er

Scotty Nguyen
"Call this and it's all over, baby."

Nur noch eine Woche trennt uns vom Beginn der 40. WSOP. PokerListings blickt noch einmal auf die Geschichte zurück und erzählte, wie die WSOP zu dem wurde, was sie ist. Im vierten Teil sehen wir uns die 90er Jahre noch einmal an.

Die World Series of Poker bestand 1990 genau wie in den vorhergehenden Jahren aus 14 Events, aber der Main Event erreichte mit 194 Teilnehmern einen neuen Rekord.

Leider erinnert man sich an dieses Jahr hauptsächlich, weil Stu Ungar seinen Chiplead und auch seine Karriere verspielte, weil er wegen einer Überdosis nicht mehr weiterspielen konnte. Er wurde am Final Table langsam ausgeblindet und beendete das Turnier in Abwesenheit als Neunter.

Mit Mansour Matloubi gewann im Jahr 1990 erstmals ein Nicht-Amerikaner den Titel. Der entscheidende Moment für seinen Sieg war laut Chip Reese „die zweifellos unglaublichste Hand in der Geschichte der World Series of Poker".

Bei einem 9 hoch Flop setzte Matloubi sein Turnier mit Pocket Zehnern gegen Hans Lunds A-9 aufs Spiel. Das As auf dem Turn schien Lund das Bracelet zu sichern, aber Matloubi traf eines seiner beiden Outs auf dem River.

Während der Übertragung des Final Tables erklärte Jack Binion, dass der Gewinner garantiert eine Million Dollar erhalten sollte.

Ein Jahr später setzte sich Brad Daugherty gegen 215 Gegner durch und wurde der erste Spieler, der eine Million Dollar an einem TV-Tisch gewann, an dem nur ein weiterer überhaupt schon einmal einen letzten Tisch erreicht hatte.

Die Zahl der Side Events stieg im Jahr 1992, aber die Zahl der Spieler im Main Event nahm mit 201 erstmals etwas ab.

Der Iraner Hamid Dastmalchi gewann den $1.000.000 Hauptpreis. Die Gewinner der Side Events lesen sich wie ein who-is-who des Poker: Phil Hellmuth, Men Nguyen, Erik Seidel, Lyle Berman, Eskimo Clark, Hoyt Corkins, Tom McEvoy und Mickey Appleman gewannen jeweils ein Bracelet.

Phil Hellmuth
Drei Bracelets mehr auf dem Weg zur Elf.

Im Jahr 1993 gewannen drei Spieler acht der insgesamt 18 Side Events. Ted Forrest und Phil Hellmuth gewannen jeweils drei, Humberto Brenes zwei Events.

Jim Bechtel setzte sich im Main Event gegen 220 Spieler durch, auch gegen John Bonetti, der als Chipleader an den Final Table gekommen war und den Bechtel sofort unter Druck setzte.

„Wenn du ein Turnier gewinnen willst, musst du die Chips von dem holen, der am meisten hat", erklärte Bechtel dazu gegenüber PokerListings.

In einer heute berühmten Konfrontation der beiden hatte Bechtel ein paar Sechsen.

„Shorthanded, eine ziemlich starke Hand", so Bechtel.

Auf dem Flop K-4-6 mit zwei Pik checkten beide Spieler, auf dem Turn erschien der Pik Bube, und Bonetti ging mit über einer Million Chips all-in.

Bechtels Call kam praktisch ohne Zögern, was besonders Glen Cozen freute, der mit einem winzigen Chipstack ebenfalls noch am Tisch saß.

„Bonetti gehörte zu dem Typ Spieler, die mit jeder halbwegs guten Hand bereit waren, einen großen Pot zu spielen.", erklärte Bechtel dazu. „Er musst nicht die Nuts haben, um alle Chips in die Mitte zu schieben."

Bechtel hatte Recht, Bonetti hielt A-K und musste als Drittplatzierte den Tisch verlassen. Kurz danach war Bechtel Champion.

Russ Hamilton, heute der vielleicht meistgehasste Name in der Pokerwelt, gewann den Main Event 1994 bei einer Spielerzahl von 268. Er gewann nicht nur die Million Dollar für den Sieger, sondern weitere $30.000 in Silber, denn zum 25. Geburtstag der WSOP wurde der Gewinner in Silber aufgewogen, Hamilton war ein Schwergewicht.

Barbara Enright ist bisher die einzige Frau, die den Final Table des Main Events erreichte. Sie wurde 1995 Fünfte.

„Action" Dan Harrington gewann das Turnier gegen insgesamt 273 Spieler, nachdem er zuvor bereits das $2500 NLHE Event gewonnen hatte. Nur in diesen beiden Turnieren war er überhaupt angetreten.

Die WSOP war auf 23 Events angewachsen, darunter waren auch zwei Chinese Poker Events.

Huck Seed gewann den Main Event im Jahr 1996, aber es war das Turnier im folgenden Jahr, an das man sich am längsten erinnern sollte.

Dan Harrington
Der Action-Mann.

Stu Ungar feierte ein triumphales Comeback und gewann den Main Event zum dritten Mal, bei insgesamt 312 Teilnehmern. Der Final Table wurde in der glühenden Hitze von Las Vegas im Freien gespielt. Ein Jahr vor seinem Tod äußerte Ungar im merkwürdiger Voraussicht: „Es gibt niemanden, der mich im Kartenspielen schlagen. Der einzige, der mich schlagen kann, bin ich selbst."

„Ich war 1997 dort, und alle sprachen über dasselbe Thema: Ungars Comeback", erinnert sich Nolan Dalla, Autor von One of a kind: The Rise and Fall of Stuey „The Kid" Ungar, The World's Greatest Poker Player. „Niemand sprach über Poker. Es ging nur um Stuey, den Mann und seine gemarterte Seele."

Daniel Negreanu wurde 1998 der damals jüngste Braceletgewinner, während Scotty Nguyen den Main Event gewann.

In der letzten Hand lag ein Full House Achten voller Neunen auf dem Board, und Scotty setzte seinen Gegner Kevin McBride all-in.

„You call this one, and it's all ober baby", sagte Nguyen, und dieser Satz wurde zu einem der bekanntesten der Pokergeschichte. McBride machte den Call, und Nguyen zeigte Bube-Neun. Es war vorbei.

Im Jahr 1999 trugen sich bereits fast 400 Spieler für den Main Event ein, und am Ende setzte sich Noel Furlong an einem Final Table durch, an dem auch Huck Seed und Erik Seidel saßen.

Mike Matusow gewann sein erstes Bracelet, ebenso wie der junge Layne Flack, der nicht nur für sein Spiel, sondern auch für sein Temperament bekannt war.

Jedes Jahr dachten wir, noch größer konnte es doch nicht werden", erzählt Bechtel, der neben seinem Sieg im Jahr 1993 in den 80er Jahren zweimal den Final Table erreichte, 1979 Zweiter wurde und 2006 am letzten Tisch des HORSE-Events saß.

„Alle Sitze waren immer besetzt. Es schien, als hätte jedes Turnier seine maximale Größe erreicht."

Wie wir heute wissen, sollte die wahre Explosion erst noch stattfinden.

Am Ende der 1990er Jahre erhielt der Zweitplatzierte des Main Events mehr Preisgeld als die ersten sechs Champions zusammen, und die Zahl der Spieler hatte sich seit Anfang des Jahrzehnts verdoppelt.

Aber das war nur der Anfang dessen, was der WSOP noch bevorstand.

Im nächsten Teil: 40 Jahre WSOP - das neue Jahrtausend

Lesen Sie auch: 40 Jahre WSOP -- die Anfänge, die 70er, die 80er.

Diskutieren Sie diesen Artikel auch in unserer Pokerspielerzone.

 

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare