Poker 2013 – das vierte Quartal

Weihnachtsmarkt Prag
Weihnachtsmarkt in Prag.

Von der EPT in London über die November Nine bis zum Prager Pokerfestival.

Seit Einführung des Winterfinaltischs bei der WSOP haben bereits mehrere Spieler das Kunststück fertiggebracht, nach Erreichen der November Nine auch an den letzten Tisch des WSOPE zu kommen.

Darunter sind Spieler wie Ivan Demidov, James Akenhead und Joseph Cheong.

Also richtete sich auch in diesem Herbst die Aufmerksamkeit der Pokerwelt wieder auf die europäische Ausgabe der World Series.

Bevor der Pokertross sich aber nach Enghien-les-Bains, den Kurort gerade noch in Sichtweite etwa zehn Kilometer vom Zentrum Paris entfernt, aufmachte, stand noch eine EPT auf dem Programm – in London.

Traditionell eine der am stärksten besetzten EPTs und eine der wenigen, bei denen auch ein Super High Roller gespielt wird, war der Main Event mit 604 Spielern weniger groß als erwartet.

Außerdem konnten sich im Main Event die Stars nicht durchsetzen. Auf dem Siegerpodest standen am Ende mit Leon McClean, Georgios Karakousis und Sieger Robin Ylitalo gleich drei Spieler ohne größere internationale Meriten.

robin ylitalo
Robin Ylitalo.

Der Schwede Ylitalo konnte seinen ersten großen Turniersieg feiern, aber am meisten Spaß hatten die Zuschauer mit Leo McClean, einem Hobbyspieler aus Englands Norden, der sich für £82 bei einem Online-Satellite für den Main Event qualifiziert hatte und aus diesem Einsatz £250.000 machen konnte.

Es sind noch immer die Geschichten à la Chris Moneymaker, die sich besonders lange ins Gedächtnis einprägen. Und die etwas abwegigen…

Die Stunde der Deutschen schlug einmal mehr, als es um die richtig großen Buy-ins ging. Nicht weniger als vier Deutsche saßen am Finaltisch des £50.000 Buy-in Turniers, und der „schlechteste“ von ihnen – Johannes Strassmann - wurde Fünfter.

Die anderen drei machten den Sieg schließlich unter sich aus, und Martin Finger verwies Tobias Reinkemeier und Christoph Vogelsang auf die Plätze. Über zwei Millionen Euro teilten sich die drei Deutschen allein bei diesem Turnier.

Eine Flugstunde bzw. zweieinhalb mit dem Eurostar entfernt befindet man sich bereits im Herzen von Frankreich.

Die WSOPE hatte wieder einen neuen Austragungsort gefunden. Nach London und Cannes zog es den Event nun nach Paris - oder zumindest in die Nähe.

Die europäische Word Series hat sich nie einen Status erarbeiten können, der mit dem Original oder den großen Events in Europa vergleichbar ist.

Wechselnde Spielorte, teilweise schlechte Erreichbarkeit und die unselige Millionengarantie für den ersten Platz im Main Event wirkten eher abstoßend als anziehend.

Mit 375 Spielern konnte der Main Event in seiner siebten Ausgabe genau 13 Spieler mehr aufbieten als bei seiner Premiere 2007.

Inzwischen zog der Veranstalter Konsequenzen. Die WSOPE soll in Zukunft im jährlichen Wechsel mit der neuen WSOP APAC ausgetragen werden.

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Jan-Peter Jachtmann scheiterte knapp vor dem PLO-Titel.

2014 wird also keine World Series auf europäischem Boden gespielt.

Erstmals fand bei einer WSOPE auch ein Ladies Events statt, und zwar gleich zum Auftakt der Turnierweoche.

Jackie Glazier, in diesem Jahr „Last Woman Standing“ beim WSOP Main Event, bestätigte ihre Form und sicherte sich das erste Bracelet ihrer Karriere.

Im dritten Event, €1650 PLO, trat PLO-Weltmeister Jan-Peter Jachtmann einmal mehr zum Run auf das nächste Bracelet an und wurde erst auf Platz drei gestoppt.

Den Main Event entschied ein Spanier für sich, was im Turnierpoker eine eher seltene Meldung ist.

Adrian Mateos Diaz hat allerdings im Januar dieses Jahres schon beim Estrellas Main Event in Madrid die gesamte Konkurrenz hinter sich gelassen und gezeigt, dass er tatsächlich mit den internationalen Größen mithalten kann.

Zweiter wurde Lokalmatador Fabrice Soulier, Dritter Dominik Nitsche. Wieder war es zwei Deutschen gelungen, an den letzten Tisch zu springen. Benny Spindler wurde Sechster.

Auch im €25.600 High Roller Event griff ein deutscher Spieler nach dem Bracelet. Philipp Gruissem, ausgewiesener Spezialist für die hohen Buy-ins, spielte sich bis in die Podestränge und schnappte sich schließlich den dritten Platz.

Ganz vorne aber landete der Spieler, der in diesem Jahr die WSOP-Wertung zum Spieler des Jahres eindeutig für sich entscheidet:

Daniel Negreanu gewann erst den Main Event der neu gegründeten WSOP APAC in Australien, ließ zwei zweite Plätze bei der World Series in Las Vegas folgen und krönte seine WSOP-Saison mit dem Titel bei den High Rollern in Frankreich.

PokerZeit sorgte für einen außerplanmäßigen Höhepunkt und forderte Jay Farber, Nicolau Villa-Lobos und David Yan zum Gokart-Rennen heraus.

Der November stand natürlich wieder im Zeichen des WSOP Final Table. Die Zusammensetzung, seien wir ehrlich, war schon spannender.

Ryan Riess Wins 2013 WSOP Main Event 17
Ryan Riess.

Nichts gegen gestandene Profis wie J.C. Tran, Internet-Spezialisten wie David „Raptor“ Benefield und den ein oder anderen eingestreuten Europäer oder Amateur, aber einen Finaltisch wie den von 2009 mit einer Bandbreite vom Superstar Phil Ivey über aufstrebende Heads-up Spezialisten wie Joe Cada bis hin zum glücklichen Holzfäller aus Maryland namens Darvin Moon erreichte dieser bei Weitem nicht.

Auch das Jahr 2011 mit Pius Heinz und Ben Lamb, mit eine Spieler namens Phil Collins und einem Joker wir Martin Staszko aus Tschechien bleibt uns in sehnsüchtiger Erinnerung.

Dennoch nahm das WSOP-Finale einen einigermaßen überraschenden Verlauf, an dessen Ende nicht der ursprüngliche Favorit J.C. Tran oder der hoch gehandelte Amir Lehavot standen, sondern mit Jay Farber der einzige ausgewiesene Amateur und mit Ryan Riess der erste letztliche Gewinner, der erst in den 1990er Jahren geboren wurde.

Auch die Wertigkeit des Finales hat sich verändert, und das ist nicht nur der Besetzung zu verdanken. Noch vor wenigen Jahren standen die Repräsentanten der Pokerräume Spalier, wenn die letzten zehn Ihren Final Table Bubble Boy ausspielten, um die finalen Neun mit Sponsorenverträgen zu beschießen.

Heute wird erstmals seit 2003 nicht einmal der Sieger unter Vertrag genommen. Ryan Riess hat es sich allerdings selbst zuzuschreiben, hat er sich beim Siegerinterview doch zu dem fatalen Satz verstiegen:

„Ich mglaube einfach, dass ich der beste Pokerspieler der Welt bin.“

„Dieser Satz“, erklärte uns ein PokerStars-Insider, „hat Riess einige Millionen Dollar gekostet.“ Dabei war er nur achtlos hingeworfen, im Überschwang des Augenblicks.

Doch Riess zog sich den Spott der Community zu. Sein Spiel war keineswegs immer optimal gewesen, was ihm jedoch niemand angekreidet hätte, wenn er im entscheidenden Moment bescheiden geblieben wäre.

In welches Team würde Riess jetzt passen? Welcher Superstar wollte als „Zweitbester“ neben Riess in einem Team sein? Negreanu? Antonio? Hellmuth?

julian track
Julian Track.

Riess wird einiges in Bewegung setzen müssen, um seinen Titel zu vermarkten, denn sonst wird er schneller in Vergessenheit geraten als der Champion von 2008 Jerry Yang, und der wollte gar nicht ins Rampenlicht.

Das Prager Pokerfestival hat den Dezember inzwischen ziemlich komplett für sich erobert. In den letzten Jahren haben sich rund um die EPT Prag weitere Turniere angesammelt wie Schneekristalle um die erste Flocke.

Inzwischen finden auch WPT, GSOP oder „The Grand“ und eine unübersichtliche Zahl von Einzelevents im Prager Winter statt, die das Festival auf überlange drei Wochen aufgebläht haben.

Das Konzept Festival ist gut, aber die Durchführung lässt inzwischen zu wünschen übrig. So voll ist der Terminkalender, dass man den Überblick verliert. Das stößt ab, und es ist kein Wunder, dass viele kleine Events abgesagt wurden oder einfach verschwanden.

Das Grand musste einen Starttag kürzen, die WPT schrumpfte gegenüber dem Vorjahr um fast die Hälfte.

Nur die EPT + Eureka Events gehörten zu den klaren Gewinnern. Die Main Events beider Serien erzielten vierstellige Teilnehmerzahlen, und beide wurden von Deutschen gewonnen.

Dimitri Holdeew triumphierte im Eureka Main Event, und Julian Track holte sich bei seinem ersten großen Live-Event gleich einen EPT-Titel.

Für das Tüpfelchen auf dem I sorgte dann sein Namensvetter Julian Thomas, der sich im Main Event der WPT nicht stoppen ließ und den letzten internationalen Titel des Jahres 2013 ebenfalls nach Deutschland holte.

Überhaupt war es aus deutscher Sicht ein äußerst erfolgreiches Jahr, denn auch online hinterließen sie einen starken Eindruck.

Denken wir nur an Niklas Heinecker, der die Konkurrenz in diesem Jahr in Grund und Boden gespielt hat.

Schauen Sie wieder bei uns herein, es folgt in Kürze eine ausführliche Zusammenfassung des deutschen Pokerjahres.


Das Pokerjahr 2013 in der Zusammenfassung auf PokerZeit.

1. Quartal, Januar - März

2. Quartal, April - Juni

3. Quartal, Juli - September

4. Quartal, Oktober - Dezember

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