2013 – das Jahr der Deutschen

flagge deutschland

Erfolge feierten die deutschen Pokerspieler auch vor 2013. Doch was die Germans in diesem Jahr aufs Parkett legten, war einfach phänomenal: in den High Roller-Turnieren übte die Londoner „Study Group“, um Tobias Reinkemeier und Phillip Gruissem die totale Dominanz aus. Es gab zwei EPT-Siege, zwei Bracelets und den mit Abstand besten Online-High Roller des Jahres. Das einstige Poker-Entwicklungsland hat sich damit zur führenden Poker-Nation Europas gemausert.

Als der 29-jährige Hamburger Niklas Heinecker im Juni bei den GuangDong Asia Millions den Sieg und damit das gigantische Preisgeld von 4,5 Millionen Dollar einheimste, müssen dem norwegischen Poker Pro Johnny Lodden wohl die Tränen gekommen sein.

Darauf angesprochen erklärte er: „Das ist einfach nicht mehr fair. Die Deutschen haben die stärkste Ökonomie, sie spielen das Champions Legaue-Finale unter sich aus und jetzt gewinnen sie auch noch das ganze Geld im Poker.“

Das war wohlgemerkt im Juni. Man möchte nicht wissen, wie das Gesicht von Lodden ausgesehen hat, nach dem EPT Prag-Sieg von Julian Track vor ein paar Tagen. Denn hinter der deutschen Pokerszene liegt ein perfektes Jahr, indem man auf allen Ebenen dominierte.

Der Startschuss wurde bereits bei den Aussie Millions im Januar gegeben. Im $25.000 High Roller Event sprach unter den letzten Fünf nur Erik Seidel kein Deutsch. Das Turnier gewann Igor Kurganov, der zwar unter russischer Flagge spielt, aber seine komplette Jugend in München verbracht hat und fließend deutsch spricht.

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"Nicht mehr fair!" - Johnny Lodden.

Seine jetzigen WG-Kumpel in England wurden Zweiter (Phillip  Gruissem) Vierter (Niklas Heinecker) und Fünfter (Fabian Quoss). Doch damit nicht genug. Im $250.000 Super High Roller mussten Reinkemeier (Runner up), Kurganov (Dritter) und Quoss (Vierter) zwar dem Engländer Sam Trickett den Sieg überlassen, aber angesichts der Dinge die da noch kommen sollten, war das leicht zu verschmerzen.

Denn gerade in den High Roller-Turnieren rollten noch einige Dollar auf die Seite der Deutschen.

Bei der ersten WSOP APAC in Melbourne im März betonte Philipp Gruissem den Machtanspruch der Deutschen in den High Roller-Turnieren und kassierte groß im $50k-Event. Sein Sieg brachte ihm am Ende 825.000 Dollar und somit das größte Preisgeld seiner Karriere ein.

Zum Abschluss der EPT Saison in Monte Carlo betrat dann sogar noch ein weiterer Protagonist, made in germany die Bühne. Max Altergott war zwar online, unter dem Nick altifc ein bekannter High Roller, aber ansonsten hatte ihn live vorher noch keiner gesehen.

Und Altergott kam, sah und siegte. Beim €100k-Super High Roller-Turnier besiegte er 49 hochklassige Gegner und kassierte dafür 1,8 Millionen Euro.

Und weiter ging es Schlag auf Schlag. Bei den Guang Dong Millions waren es Heinecker (1. Platz für 4,5 Millionen Dollar) und Kurganov (6. Platz für 1 Million Dollar), die groß abräumten und im Oktober in London regnete es dann richtig auf die Deutschen nieder. Tobias Reinkemeier wurde zweiter beim 50.000 Pfund-High Roller-Turnier der EPT und kassierte ebenfalls knapp eine Million Dollar.

Und bei der WPT-Alpha 8-Serie lief dann noch mal Philipp Gruissem zur Hochform auf. Die Siege der $100k-Turniere in London und auf Saint Kitts brachten zusammen knapp 2,5 Millionen Dollar Preisgeld und machten Gruissem zum erfolgreichsten deutschen Live-Turnier-Spieler des Jahres.

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Martin Finger.

In der weltweiten Money List für 2013 rangiert Gruissem (4,6 Millionen Dollar) damit auf Rang 4. Mit ihm, Niklas Heinecker (5. Platz, 4,5 Millionen Dollar), Igor Kurganov (10. Platz, 3,4 Millionen Dollar), Tobias Reinkemeier (12. Platz, 3,2 Millionen Dollar), Max Altergott (18. Platz, 2,5 Millionen Dollar) und Martin Finger (20. Platz, 2,4 Millionen Dollar) befinden sich soviel Deutsche, wie noch nie in diesem Ranking.

Insgesamt, so schätzen es die Statistiker von pokerlistings.com haben die Deutschen 2013 circa 40 Prozent des, sich im Umlauf befindenden High Roller Geldes abgefasst. Allerdings bezieht sich das auf den Live- UND Online-Bereich.

Und gerade bei Letzterem sorgte ebenfalls ein deutscher Spieler für die beste Performance. Niklas Heinecker, der bei FullTilt unter dem Nick Ragen70 spielt, legte vor allem nach seinem Sieg bei den GuangDong Millions richtig los.

Zunächst crashte er zusammen mit Dimitry Rhje Yaskevich und Alex IreadYrSoul Millar die durch den asiatischen Super-Wal MalACEsia heiß gelaufenen NLHE-Tische und dann knöpfte er sich bevorzugt an den 2-7 Triple Draw Viktor Isildur1 Blom vor.

Am Ende hatte er es auf einen Jahres-Profit von über 6 Millionen Dollar gebracht und damit alle High Stakes-Kings nach Patrik Antonius (2009: 7 Millionen Dollar) übertrumpft. Der Zweitplatzierte im Ranking um den profitabelsten Spieler auf den Nosebleed-Limits für 2013, Ben Tollerene kam noch nicht mal auf die Hälfte des Heinecker-Profits.

Zusammen mit dem Preisgeld aus den High Roller-Turnieren in Asien und Australien hat Niklas Heinecker 2013 über zehn Millionen Dollar beim Poker gewonnen.

Die Summe wird umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass Chris Moorman, der erfolgreichste Online-MTT-Spieler aller Zeiten diesen Betrag in seiner gesamten Karriere zusammen gegrindet hat.

Reinkemeier London
Tobias Reinkemeier.

Die Dominanz der Gruppe um Heinecker, Reinkemeier & Co. war 2013 so überdeutlich, dass sogar die Engländer über ihren Schatten sprangen und auf das German Bashing ausnahmsweise mal verzichteten.

In einem Bericht des auflagenstarken Boulevard-Blattes „The Mirror“ mit dem Titel „Five Stunning Facts About Poker’s Super High Rollers“ bekamen die Deutschen den letzten Absatz, mit der Überschrift „The Germans rule“! geschenkt.

Doch Poker-Deutschland war 2013 nicht nur Gruissem, Altergott oder Heinecker. Im April wurde mit Daniel Gai-Pidun ein Spieler souveräner EPT-Sieger in Berlin, der im Jahr tatsächlich nur ein Pokerturnier spielt. Ähnlich ist die Performance des EPT Prag-Siegers Julian Track einzuschätzen.

Der hatte vorher noch nicht einen Hendon-Mob-Eintrag und ist eigentlich an den $1/$2 PLO-Tischen zu Hause.

Dazu kommen die Bracelets von Martin Finger und Nikolaus Teichmann bei der WSOP. Und dann hätte Anton Morgenstern beim Main Event der ganzen Geschichte die Krone aufsetzen können.

Als der mit massivem Vorsprung, als Chipleader in die Runde der letzten 24 Spieler gegangen war, haben die Johnny Loddens dieser Welt wahrscheinlich zitternd den Atem angehalten.

Am Ende vergab Morgenstern allerdings seine Mitgliedschaft bei den November Nine leichtfertig.

philipp gruissem st kitts
Philipp Gruissem.

Und nicht zu vergessen, die schon beängstigende Performance des erst 21-jährigem Ole Schemion. Der saß nicht nur am Final Table bei der EPT in Prag, sondern gewann beim Grand Final der EPT in Monaco gleich drei Side-Events.

Das alles zusammen gerechnet ergibt zweifelsfrei das erfolgreichste Pokerjahr der deutschen Poker-Community aller Zeiten. Die Szene ist gesund, sie bringt weltweit kompetitive Online High Roller ebenso hervor, wie Live High Roller, normale Turnierspezialisten oder auch Exoten wie Julian Track und Daniel Gai-Pidun.

Wir sind gespannt, wie es 2014 weiter geht. Die Ergebnisse des vergangenen Jahres sind so leicht nicht zu toppen. Aber so fühlt es sich eben an, wenn man gerade zur europaweit führenden Poker-Nation aufgestiegen ist.

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