Poker 2013 – das dritte Quartal

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Puma Swede, exotische Teilnehmerin am Battle of Malta.

Die zweite Jahreshälfte begann mit einem Bracelet für Deutschland und dem extrem tragischen Ausscheiden des Berliners Anton Morgenstern als letztem Deutschen im Main Event. PokerStrategy wurde verkauft, Jens Kyllönens Laptop bei der EPT Barcelona gehackt und Kadir Karabulut verschwand. Am Ende einigten sich wenigstens Tom Dwan und Dan Cates auf die Fortsetzung ihrer ewigen Challenge. Und die Battle of Malta begeisterte Europas Pokerspieler.

Die deutsche Erfolgskette setzte sich auch in der zweiten Jahreshälfte nahtlos fort. Am 3. Juli durfte gejubelt werden, und zwar über das zweite deutsche Bracelet der WSOP 2013.

In Event 56, dem $2.500 NLHE hatten 1736 Spieler das Buy-in entrichtet und am Ende triumphierte in einem spannenden Heads-up Nikolaus Teichert. Nachdem der einstige Investor aus Düsseldorf (der Poker nur zum Spaß spielt) seinen letzten Kontrahenten, Vincent Maglio, niedergerungen hatte, gab es 730.756 Dollar auf die „Fun-Bankroll“.

Bracelets gab es bei der 44. World Series of Poker auch für viele sehr bekannte Poker Pros, darunter Mike Matusow, Tom Schneider (2), Davidi Kitai, Erik Lindgren, Jeff Madsen, Vladimir Shchemelev, Barny Boatman und Eli Elezra.

Und beim Main Event setzte abermals ein Deutscher zum ganz großen Wurf an.

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Anton Morgenstern.

Anton Morgenstern aus Berlin war als Führender in Tag 7 gegangen und hatte bei noch 24 verbliebenen Startern ein Sechstel aller Chips. Wenig sprach dagegen, dass es Morgenstern nicht bis zum Final Table schaffen sollte.

Doch dann schied er tatsächlich noch vor der Dinner Break aus. Erst waren es ein paar kleinere Pötte, bei denen sich Morgenstern geschlagen geben musste, und dann kam das fatale Aufeinandertreffen mit Mark Newhouse.

Zunächst doppelte er den Semi-Shorty auf, weil seine Achter nicht gegen dessen AQ hielten, und dann kam es zu einem der entscheidenden Pots dieses WSOP-Main Events: Mit A J hatte der Berliner 2,1fach geraist und von Newhouse den Call erhalten. Der Flop zeigte A A 2. Morgenstern setzte noch mal in moderater Höhe nach und es wurde gecallt.

Doch nach dem Turn von 3 gab es für beide kein Halten mehr. Newhouse war letztlich mit 63 Big Blinds all in und Morgenstern hatte gecallt.

Newhouse zeigte 2 2 zum gefloppten Full House und machte seinen Kontrahenten danach selbst zum Shortstack.

Hier lesen Sie eine ausführliche Besprechung der Hand.

Für Anton Morgenstern war – als letztem Deutschen – die WSOP kurze Zeit später auf Rang 20 zu Ende. Als Trostpreis gab es immerhin noch satte 285.000 Dollar.

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Dominik Kofert.

Ein bisschen höher dürfte das Trostgeld für den einstigen Einser-Abiturienten und Oxford-Absolventen Dominik Korn Kofert ausgefallen sein, als er Anfang des Jahres seine Anteile bei PokerStrategy an Mitgründer Enrique Guzman verkauft hatte, um sich eine Auszeit von der Pokerbranche zu nehmen und mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können.

Im Juli folgte dann die nächste große Überraschung. Software-Gigant PlayTech, der das iPoker-Netzwerk betreibt, kaufte die, mit weltweit sechs Millionen Mitgliedern größte Pokerschule der Welt für einen Schnäppchenpreis von gerade mal 38,3 Mio. Euro. Das war in etwa der Umsatz, den PokerStrategy früher in zwei Jahren eingefahren hatte.

Kofert, der auch in Zukunft in beratender Funktion seinem alten Unternehmen zur Seite stehen will, erklärte zu seinem Ausstieg aus dem Tagesgeschäft: „Die vergangenen sechs Jahre waren sehr anstrengend, und Poker ist in der jüngeren Vergangenheit immer strapaziöser geworden. Ich möchte persönlich etwas entschleunigen.“

Ganz andere Sorgen hatten derweil ein handvoll Spieler beim Auftakt zur zehnten Saison der European Poker Tour in Barcelona. Keinem Geringeren, als dem finnischen High Roller Jens Jeans89 Kyllönen war aus dem Hotelzimmer der Laptop entwendet worden, um danach wie aus dem Nichts wieder aufzutauchen.

Fehlermeldungen und Hinweise auf Manipulationen seines Computers ließen Kyllönen vermuten, dass er Opfer eines Hackerangriffs geworden war.

Als auch andere Spieler, darunter Ignat Liviu, Lauri Pesonen und Aku Joentausta von ähnlichen Problemen berichteten, wurde der Sicherheitsdienst von PokerStars eingeschaltet und stellte massive Unregelmäßigkeiten bezüglich der Sicherheit der Hotelzimmer, vor allem im Hotel Arts fest.

Dale Philip, Online-Grinder aus Schottland mit Wohnsitz in Thailand, erklärte später dazu: „Ein Hotelzimmer ist ein zweites Zuhause.

Bei dem Gedanken, dass jemand darin herumfummelt und vielleicht deinen Computer manipuliert, dreht sich mir der Magen um.“ Pokerspieler sind mittlerweile, wohl weil sie zum Teil gigantische Summen an den Tischen belegen ins Visier von ausgebufften Betrügerbanden geraten. In Zukunft wird es noch wichtiger werden, ihre Sicherheit zu garantieren.

Einer, um dessen Sicherheit sich im September ebenfalls massiv Gedanken gemacht wurde, war der deutsch-türkische Pokerspieler Kadir Karabulut. Der 41-jährige aus Dillingen war bereits im März spurlos verschwunden und sein merkwürdiges Verschwinden hatte zunächst diverse Tageszeitungen und dann sogar „Aktenzeichen xy-ungelöst“ berichten lassen.

Kadir Karabulut hatte zunächst bei der EPT San Remo 2010 für Furore gesorgt, wo er als Neunzehnter des Main Events 30.000 Euro kassiert hatte. Doch im Dunstkreis von Notorious Ali Tekintamgac war er mehr und mehr in handfeste Poker-Skandale geraten.

Bei einem Turnier in Utrecht beispielsweise lösten beide einen größeren Skandal aus, an dessen Ende der Ausschluss aus dem Turnier sowie der Verweis aus dem Casino standen.

Anfang 2013 hatte Karabulut in Zypern an einem Turnier teilgenommen und dort den ersten Platz erreicht.

Allerdings soll seine Finanzlage schon so desolat gewesen sein, dass er sich nicht selbst einkaufen konnte und deshalb für den Veranstalter an den Start ging. Karabulut hatte nicht nur seinen Pass, sondern auch Wohnungsschlüssel und Auto zurückgelassen. Er ist bis zum heutigen Tag nicht wieder aufgetaucht.

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Daniel "BOM" Cates.

Vom Verschwinden kann mittlerweile auch Daniel Cates ein Lied singen. Sein Kombatant bei der Durrrr-Challenge II, Tom Dwan trat, wohl auch aufgrund eines im Prinzip nicht mehr einzuholenden Vorsprungs seit mehr als einem Jahr nicht mehr gegen den jungleman12 an und gab die einstmals so lebhaft verfolgte Challenge mehr und mehr der Lächerlichkeit preis.

Doch bei der Battle of Malta (BOM) kündigte Cates an, dass er sich mit dem Wonderkid-Kollegen endlich geeinigt habe und die Sache endlich aus der Welt schaffen könne.

Tatsächlich spielten die beiden einstigen Nosebleed-Dominatoren wenig später die ersten 1.500 Hände seit mehreren Monaten. Wieder verlor Dwan 200.000 Dollar und liegt jetzt schon mit knapp 1,5 Millionen nach 21.000 Händen zurück.

Die Regeln der Challenge besagen, dass Dwan und Cates ab August 2010 insgesamt 50.000 Hände Heads-Up $200/$400 oder höher spielen. Gewinnt Cates bekommt er 1,5 Millionen Dollar, während er an Dwan bei dessen Triumph nur 500.000 Dollar bezahlen müsste.

Doch Daniel jungleman12 Cates war nicht die einzige Attraktion, welche die Battle of Malta 2013 zu bieten hatte. An der zweiten Auflage nahmen exakt 888 Spieler teil, was das Turnier zu einem der größten in Europa machte. Und am Ende triumphierte – wie so oft im Poker-Jahr 2013 – ein Deutscher.

Weder die schwedische Pornokönigin Puma Swede, noch die finnischen Trash-Rocker „The Dudesons“ konnten den Frankfurter Louis Cartarius am Ende aufhalten. Und so erhielt er nicht nur Pokal, sondern auch ein recht hübsches Sümmchen, in Höhe von 80.000 Euro.

Die Schlacht war vorbei. Nächstes Jahr gibt es eine neue.


Das Pokerjahr 2013 in der Zusammenfassung auf PokerZeit.

1. Quartal, Januar - März

2. Quartal, April - Juni

3. Quartal, Juli - September

4. Quartal, Oktober - Dezember

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