10.000 Turniere im Monat

Thomas Boekhoff
Menschlicher Pokerbot - eine Sekunde Bedenkzeit.

Thomas „boku87" Boekhoff ist auf einer Mission: Mache online aus $5 innerhalb von zwölf Monaten $100.000. Spiele ausschließlich SnG auf PokerStars und betreibe konsequentes Bankroll Management. Vier Monate sind vergangen, seit die Challenge begonnen hat. Da rufen wir doch mal an...

Der 22-jährige Ostfriese hat zum ersten Mal im Frühling 2006 online Poker gespielt. Ein halbes Jahr später beschloss er, Profi zu werden. Seine Bankroll lag bei $200. Zweifel kamen ihm nie.

Boekhoff hat sich seinen Ruf als menschlicher Pokerbot durch seine erste Challenge erarbeitet. Damals begann er mit $100 und verwandelte diese in nur 15 Tagen in $10.000. Weil ihm das scheinbar zu einfach war, hat er sich nun höhere Ziele gesetzt.

Hallo Thomas, können wir uns unterhalten oder spielst du zufällig gerade 50 Turniere?

Nein, kein Problem. Ich bin in letzter Zeit ein bisschen demotiviert und spiele nicht jeden Tag. Heute mache ich z. B. Pause.

Was ist denn los? In den ersten Wochen hat doch alles recht viel versprechend angefangen.

Schon, aber in letzter Zeit bin ich auf einem leichten Downswing. Ich stehe seit drei Wochen bei etwa $20k, habe sogar fast $2k verloren.

Ist das ein Problem für die Challenge?

Nein nein. Nach meinem Plan habe ich immer noch genug Zeit. Deshalb konnte ich mir auch eine Auszeit nehmen und zur EPT nach Portugal fahren.

Wurdest du von PokerStars gesponsert?

Nein, das habe ich selbst finanziert.

 

Bertrand Grospellier
Bertrand Grospellier - Kontrolle verloren.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Eigentlich wollte ich etwa 10000 Turniere pro Monat spielen. Im Moment komme ich nur auf etwa 8000, also im Schnitt gut 300 am Tag. Dafür brauche ich ungefähr 7h.

Was für Turniere spielst du und auf welchen Levels?

Ich habe mit den billigsten Turnieren angefangen, streng nach Bankroll. Jetzt spiele ich $12, $27, $38 und $60 mit 27, 45 oder 180 Spielern.

Dein Markenzeichen ist, dass du unglaublich viele Tische gleichzeitig spielen kannst. Es existiert ein Video, auf dem du 51 Tische spielst. Wie machst du das?

Man braucht die richtige Strategie. Ich habe etwa eine Sekunde Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Als ich auf Full Tilt angefangen habe, waren es natürlich viel weniger. Da habe ich nur sechs Tische gespielt („nur sechs", Anm. d. Red.), dann habe ich auf 12 Tische gesteigert, was damals das Limit war. Dann habe ich gemerkt, dass es bei PokerStars kein Limit gibt, also bin ich dorthin gewechselt.

Und welche Hardware nimmst du dafür? Bertrand Grospellier hat bei seinem Rekordversuch 62 Tische auf vier Bildschirmen gespielt und war nach zwei Stunden völlig erledigt.

Ich nutze meistens nur einen. Lange Zeit war es sogar ein 15''-Monitor.

51 Tische, 230.000 Views - boku87 bei YouTube.

Es ist doch kaum zu vermeiden, dass dir bei so vielen Tischen ständig die Zeit ausgeht. ElkY hat damals zugegeben, bei einigen Tischen auf „Sit-out" gewesen zu sein.

Ich setze ein Software-Programm ein, dass mich sofort wieder aktiviert, wenn ich irgendwo meinen Einsatz verpasse. Deshalb kann mir das nicht passieren.

Wie funktioniert dein Autopilot?

Entscheidend ist die Handauswahl. Die hängt aber von der Höhe des Buy-ins und damit von der Qualität der Gegner ab. Wenn man aus dem BB mit 89s all-in geht, erhält man auf einem $3 Level eben einen Call von einer Hand wie A-3 und liegt damit natürlich hinten, obwohl das eigentlich ein sehr schlechter Call ist. Bei einem $60 SnG sind die Gegner gut genug, eine solche Hand zu folden.

 

boku-graph
Boku-Bilanz - Downswing vorüber?

Dagegen wird derselbe schlechte Spieler auch aus dem BB eine zumindest mittelmäßige Hand wegwerfen, wenn der Button all-in geht, weil er nicht erkennt, dass er 3:1 bekommt und deshalb bezahlen muss. Auf den niedrigen Levels haben die Spieler eben keine Ahnung von Odds. Darauf muss man sich einstellen.

Und so etwas wie Tischimage spielt dann gar keine Rolle? Du hast ja keine Möglichkeit, dir selbst eines aufzubauen oder deine Gegner zu beobachten.

In SnG ist das nicht so wichtig. Abgesehen von den ersten 20 min wird praktisch nur noch pre-Flop gespielt. Man ist also relativ schnell im Push-oder-Fold-Modus. Post-Flop-Spiel wird da fast vollkommen unwichtig.

Ich habe meine Strategie inzwischen ausformuliert und werde diese nächstes Jahr in Buchform veröffentlichen. Damit kann man sich etwa 90% des Spiels aneignen, das man braucht, um die niedrigen Levels zu schlagen. Den Rest muss man sich eben selbst erarbeiten.

Also kann jeder so eine Challenge gewinnen?

Mit der richtigen Strategie schon.

Versuchst du, Mitglied des Profi-Teams von PokerStars werden?

PokerStars baut zurzeit ein Online-Team auf. Dafür habe ich ich beworben.

Shaun Deeb, einer der erfolgreichsten Online-Spieler überhaupt, hat kürzlich auf 2+2 verkündet, aufhören zu wollen. Hast du keine Angst vor einem Burn-out?

Nein. Jeder Spieler hat ab und zu Downswings, auch psychische. Shaun Deeb wird zurückkommen.

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