100 EPTs – Zehn denkwürdige Champions

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Nur noch wenige Tage, dann wird in Barcelona die 100. EPT gestartet. Wir erinnern anlässlich dieses Jubiläums an 10 Gewinner, die auf ihre Weise eine besondere Fußspur in der Chronik der mittlerweile teuersten Pokertour der Welt hinterlassen haben.

Es war ein langer Weg von den ersten Schritten der European Poker Tour im Jahr 2004 bis zu der gewaltigen Turnierserie, die in diesem Monat zum zehnten Mal nach Barcelona zurückkehrt.

Das spiegelt sich nicht nur in den Gewinnsummen und Frisuren der Spieler wider. Schauen Sie sich ein paar Höhepunkte noch einmal im Einzelnen an.

1 Noah Boeken, Holland

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Noah Boeken war einer der ersten Poker-Stars.

EPT Kopenhagen 2005, Scandinavian Open

Gewinnsumme: €170.000

Bereits im zweiten Turnier der European Poker Tour, der EPT London 2004 enterte der erst 23-jährige Noah Boeken (6. Platz) zusammen mit Landsmann Marcel Luske (7. Platz) den Final Table.

Nur drei Monate später reichte es zum großen Coup.

Boeken besiegte in Kopenhagen im Heads-up, Hendon Mob-Mitglied Ram Vaswani, der seinerseits bereits das vorhergehende EPT-Turnier in Dublin gewonnen hatte.

Noah Boeken war danach, neben Mentor Luske lange Zeit das Aushängeschild der holländischen Pokerszene und bis 2012 Mitglied von Team PokerStars Pro.

Der Holländer hat sich bis heute in der Pokerszene gehalten.

Erst im vergangenen Jahr konnte er die Master Classics in Amsterdam mit einem Preisgeld von 300.000 Euro gewinnen.

 

2 Patrik Antonius, Finnland

EPT Baden 2005, Baden Classics

Patrik Antonius
Erinnern Sie sich noch an diesen jungen Spieler?

Gewinnsumme: €288.000

Auch der Finne Patrik Antonius war einmal so etwas wie ein Shooting Star. Anfang 2005 brach in die internationale Turnierszene ein und legte einen beispiellosen Hot Run hin.

Im Januar und März verpasste er bei der WPT auf den Bahamas und in San Jose nur knapp den Final Table.

Nach drei Min-Cashes bei der WSOP schaffte der einstige Tennis-Profi dann im September einen 3. Platz bei der EPT Barcelona, für den es schon satte 120.000 Euro gab.

Nur einen Monat später setzte sich der damals 24-Jährige dann die Krone auf und gewann in Baden den ersten von zwei finnischen EPT-Titeln.

Interessant: Bei der EPT in Barcelona waren fünf der ersten sechs Spieler Skandinavier, und auch bei der EPT in Baden saßen sieben Spieler aus Finnland, Schweden, Dänemark oder Norwegen am Final Table.

Eine klares Zeichen dafür, welcher Teil Europas in dieser Phase die Maßstäbe setzte.



3 Vicky Coren, England

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Die einzige mit zwei Titeln.

EPT London 2006, European Poker Championships

Gewinnsumme: €750.000

Victoria Coren war zum Zeitpunkt ihres Sieges 34 Jahre alt und in ihrer Heimat bereits als Journalistin bekannt.

Sie war nicht nur die erste Frau, die ein Turnier der European Poker Tour gewinnen konnte, sondern die erste TV-Prominente in Europa, die es auch im Profi-Poker zu einem großen Titel schaffte. Acht Jahre später gelang ihr der nächste Coup.

Obwohl sie nur als Gelegenheitsspielerin antrat, konnte Vicky Coren – in der Geschichte der EPT einmalig – einen zweiten Main Event der Pokertour für sich entscheiden.



 

4 Bertrand „ElkY” Grospellier, Frankreich

EPT Bahamas 2008, PokerStars Carribean Adventure

Bertrand Grospellier
Hat noch mehr Frisuren als Titel - ElkY.

Gewinnsumme: €1.650.000

Bertrand Grospellier schaffte den wichtigsten Turniersieg seiner Poker-Karriere zum perfekten Zeitpunkt.

Genau ein Jahr davor, im Januar 2007 hatte er bei der EPT in Kopenhagen unglücklich das Heads-up gegen den Schweden Magnus Petersson verloren und war danach in den Fokus von PokerStars geraten.

Seine Vergangenheit als StarCraft-Pro in Korea und sein spaciger Look machten den 27-Jährigen zum perfekten Vertreter der Online-Generation.

Im Main Event der ersten PCA, als Station der European Pokertour hatte ElkY mit dem zweitgrößten Chipstack den Final Table geentert und nach seinem Triumph gewaltige 2 Millionen Dollar auf dem Konto. 



 

5 Sandra Naujoks, Deutschland

EPT Dortmund 2009, German Open

Sandra Naujoks
War eines der Aushängeschilder der deutschen Pokerszene - Sandra Naujoks.

Gewinnsumme: €917.000

Wie aus dem Nichts war die Wahl-Berlinerin 2008 ins Scheinwerferlicht getreten.

Im August erreichte sie einen Final Table bei der CAPT in Graz, um nur wenige Wochen später – schon mit dem FullTilt-Logo auf der Brust - die Poker EM in Baden und ein Preisgeld in Höhe von 174.000 Euro zu gewinnen.

Im Januar 2009 hatte sie einen Pro-Vertrag von PokerStars in der Tasche und war DAS Aushängeschild für die Heim-EPT in Dortmund.

Am Final Table war sie bei noch sechs Spielern, in dreizehn  Händen neunmal all in gegangen und hatte kein einziges Mal einen Call erhalten.

Im Heads-up gegen Wirtschaftswissenschaftler Holger Kanisch war sie, in Chips ungefähr gleichauf mit A-9 all in und sah sich gegen A-Q weit hinten.

Doch eine 9 auf dem Turn bescherten der 27-Jährigen den prestigeträchtigen Titel und satte 917.000 Euro.



 

6 Constant Rijkenberg, Holland

Constant Rijkenberg
Je besser, desto Schulden - Constant Rijkenberg.

EPT San Remo 2009, Italian Open

Gewinnsumme: €1.500.000

Der skurrilste Sieg bei einem Turnier der European Poker Tour gelang zweifellos dem Holländer Constant Rijkenberg.

Der hatte im Vorfeld gleich 137 Prozent an seinem Turnier verkauft und hätte bei Ausscheiden knapp € 1.500 Gewinn gemacht. Seine Spielweise ließ dann auch vermuten, dass er vorhatte, aus dem Turnier zu fliegen.

Dragan Galic, der am Final Table neben ihm gesessen hatte, meinte später, „So wie der gespielt hat, das hab ich überhaupt noch nie gesehen. Keine Ahnung, auf was der drauf war“.

Der 21-jährige Holländer schaffte es nicht nur nicht, vor den Geldrängen auszuscheiden. Im Gegenteil, er siegte und kassierte 1,5 Millionen Euro.

Pech für ihn, denn seine Investoren verlangten nach dem Triumph 560.000 Euro mehr, als er gewonnen hatte.



 

7 Pieter de Korver, Holland

EPT Monte Carlo 2010, Grand Final

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Bestes Comeback der EPT - Pieter de Korver.

Gewinnsumme: €2.300.000

Nur wenige Tage später gab es den Back-to-Back-Sieg für die holländische Poker-Community. Pieter de Korver setzte sich am Final Table durch und gewann das bis heute größte Preisgeld eines EPT Main Events.

Allerdings dürfte sein Heads-up-Gegner Matthew Woodward aus den USA ebenfalls einen großen Teil der Beute erhalten haben, da beide – in Chips ziemlich gleich – einen Deal ausgehandelt hatten.

Pieter de Korvers Sieg ist gleichzeitig auch eine der bemerkenswertesten Comeback-Stories der EPT-Geschichte.

Am Final Table war sein Stack schon auf drei Big Blinds geschrumpft. Aber dem 26-Jährigen reichten am Ende „a chip and a chair“ zum großen Triumph.



 

8 Kevin MacPhee, USA

EPT Berlin 2010, German Open

Kevin MacPhee
Nach seinem Sieg regelmäßiger EPT-Spieler - Kevin MacPhee.

Gewinnsumme: €1.000.000

Der Millionen-Sieg von Kevin MacPhee wird wohl auf ewig mit dem Raubüberfall im Berliner Hyatt-Hotel verbunden sein.

Vor allem die Amerikaner waren nach dem Chaos im Turniersaal sichtlich geschockt, und Kevin MacPhee (zu diesem Zeitpunkt Chipleader) war einer derjenigen, der für einen Abbruch des Turniers plädierte.

Nach viereinhalb Stunden konnte der erste Main Event in Deutschlands Hauptstadt fortgesetzt werden und MacPhee, der unter dem Nick ImALuckSac bekannter Online-MTT-Spieler war, gab den Sieg auch im dreistündigen Heads Up gegen den Finnen Ilari Tahkokalio nicht mehr her.

Der 29-Jährige tingelte danach durch Europa und war bei jeder EPT zu Gast.



 

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Einsam an der Spitze - Ivan Freitez.

9 Ivan Freitez, Venezuela

EPT Madrid 2010, Grand Final

Gewinnsumme: €1.500.000

Der wohl unbeliebteste Champion aller EPTs war wohl der Venezolaner Ivan Freitez. Obwohl ihn EPT-Kommentator David Williams für seine Final Table-Performance lobte, wünschten ihm andere Kommentatoren in den Foren, er möge pleitegehen und als Obdachloser enden.

Was war passiert? Freitez hatte nicht nur während des gesamten Final Tables betont, dass er kein Englisch spreche, sondern danach auch noch mehrfaches Angleshooting betrieben.

Selbst der ansonsten zurückhaltende Thomas Kremser hatte sich in einer Entscheidungssituation zu der Äußerung hinreißen lassen: „This is so ugly“.

Freitez ging als wahres One-Hit-Wonder in die Annalen der EPT ein. Sein größter Cash, nach dem Sieg in Madrid war ein 39. Platz bei einem Turnier der WSOP in diesem Jahr für 8.000 Euro.



 

10 Daniel Gai-Pidun, Deutschland

EPT Berlin 2013

daniel gai pidun
Der beste im Durchschnitt - Daniel Gai-Pidun.

Gewinnsumme: €880.000

Daniel Gai-Pidun ist Unternehmer und nimmt jedes Jahr an genau einem Pokerturnier teil: der Heim-EPT der deutschsprachigen Community, ob nun in Dortmund, Berlin oder Wien.

Und für einen Amateur waren seine Turnierverläufe beängstigend gut. In Berlin wurde er 2011 Neunter, ein Jahr später 17., und im dritten Jahr schaffte er es sogar sich die Krone aufzusetzen und knapp 900.000 Euro abzuräumen.

Würde man bezüglich der EPT eine Statistik aufmachen, in der die Teilnahmen zu den erreichten Preisgeldern ins Verhältnis gesetzt werden, wäre Daniel Gai-Pidun der erste Platz mit Sicherheit nicht zu nehmen.


 

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