10 Jahre EPT – Und nun?

Share:
8 Mai 2014, Von: Rainer Vollmar
Geposted in: PokerZeit Blog , Featured
10 Jahre EPT – Und nun?

Mit einem grandiosen Pokerfestival in Monte Carlo endete die zehnte Jubiläumssaison der EPT. Internationale Top-Stars, gut besuchte Turniere und volle Cashgame-Tische bescherten dem Veranstalter PokerStars einen tollen Saisonabschluss. Die European Poker Tour ist weltweiter Marktführer und hat die WPT längst abgehängt, doch ist nicht alles Gold, was glänzt. Hier einige Gedanken zur Zukunft der EPT.

Als zartes Pflänzchen mit insgesamt 1.476 Spielern bei sieben Events begann die EPT im Jahr 2004 und steigerte sich dann in den Zeiten des großen Pokerbooms 2009/2010 auf 9.157 Teilnehmer, doch mittlerweile ist längst Konsolidierung angesagt.

Aktuell hat sich die Spielerzahl auf der Tour bei etwa 6.000 eingependelt, nur das kann der Richtwert für die kommenden Jahre sein.

Regelrechte Probleme hat die EPT bei der Auswahl ihrer Standorte. Barcelona, London und Monte Carlo sind absolute Grundpfeiler, aber in den wichtigen Ländern Deutschland (bzw. Österreich), Frankreich und Italien fehlen der Tour zuverlässige Austragungsorte.

Deauville schlägt sich seit Jahren tapfer, aber Sanremo war, vermutlich nicht nur wegen des ungünstigen Termins, ein totaler Reinfall mit teils gähnend leeren Turniersälen.

EPT Berlin 2
Gibt es in Season 11 wieder keine EPT in Deutschland?

Der deutschsprachige Markt, der einer der wichtigsten überhaupt ist und immer für grandiose Festivals mit enormen Teilnehmerzahlen sorgte, droht für das kommende Jahr gar komplett auszufallen.

Die rechtliche Situation in Deutschland bleibt verworren und alles andere als einladend für einen Veranstalter internationaler Pokerturniere, gleichwohl sich im hohen Norden durchaus Chancen böten.

Die Gesetzeslage in Schleswig-Holstein garantiert aufgrund geschlossener Verträge bis April 2018, dass 13 Online-Pokerräume (darunter PokerStars) eine gültige Lizenz haben, obwohl das Bundesland längst wieder in den Glücksspielstaatsvertrag der anderen 15 Bundesländer eingeschwenkt ist.

Im Casino Schenefeld im Nordosten Hamburgs wurde darauf schon reagiert. Hier wird umgebaut, um die Spielbank für internationale Pokerturniere konkurrenzfähig zu machen.

Ungeachtet dessen mag man einfach nicht begreifen, warum der Staat bzw. Länder auf die enormen Einnahmen verzichten, die mit einer EPT zwangsläufig einhergehen. Durch die Cashgames lässt sich unglaublich viel Geld verdienen, doch darauf scheint der Staat großzügig verzichten zu können.

Auch Wien taucht auf dem neuen Turnierplan für die Saison 2014/2015 bisher nicht auf, gut möglich also, dass die EPT im kommenden Jahr keinen deutschsprachigen Austragungsort haben wird.

Für Amsterdam gibt es immerhin mehr als einen Hoffnungsschimmer, dass 2016 eine EPT ausgetragen werden kann. Das wäre zweifellos ein Standort mit großem Zulauf, doch müssen hier noch rechtliche Probleme ausgeräumt werden.

Hofburg Wien2
Auch Wien taucht nach der grandiosen Premiere in der Hofburg noch nicht im Turnierkalender auf.

Aber nicht nur in Sachen Austragungsorte, sondern auch bei den Spielern braucht es frischen Wind.

Der Spielerpool ist ziemlich klar umrissen, unter die Regulars mischen zwar sich einige Qualifikanten, doch Geschichten wie die des Sebastian Bredthauer in Monte Carlo kommen leider viel zu selten vor.

Und natürlich sorgt auch die Struktur stets für Diskussionen. Sie ist ideal für die Profis, weil sie die Varianz so niedrig wie möglich hält, doch muss man sich die Frage stellen, ob ein zehnstündiges Heads-Up am Ende einer siebentägigen Woche tatsächlich sinnvoll ist.

Außer den beiden Kontrahenten Jack Salter und Antonio Buonanno und ein paar Offiziellen hatten sämtliche Aktive der EPT Monte Carlo längst das Weite gesucht und die Abbauarbeiten hatten schon lange begonnen, als dieses Turnier endlich entschieden war.  

Im Gegensatz zu den Main Events ist die Struktur bei den High Roller-Turnieren deutlich aggressiver, und die Teilnehmer investieren sogar noch mehr Geld in ihren Start.

Niemand scheint sich darüber zu beschweren und die Turniere – vor allem die Finaltische – sind wesentlich spannender als die Main Events.

Insgesamt hat die European Poker Tour unter Edgar Stuchlys Führung aber einige wichtige Schritte nach vorn gemacht.

Die Ausweitung des Turnierangebots und vor allem die Anbindung an die nationalen Touren hat neuen Schwung gebracht und dafür gesorgt, dass das Wort „Festival“ mehr als angemessen ist.

Share:

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare